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SZ-Rubrik "Formsache":Alles eine Frage der Reife

Mainz Unterhaus Kabarettist Michael Altinger ©Bernd Eßling 09 03 2017

Höher, langsamer, kürzer: Selbst an seinem Rekordtag war Michael Altinger, 50, keine Ehrenurkunde vergönnt. Dafür sammelt der Niederbayer Kabarettpreise.

(Foto: Bernd Eßling/Imago)

Der Kabarettist Michael Altinger kennt sich aus damit, blau anzulaufen, ob als Fußballer oder als Fan. Sein unfreiwilliges Motto bei Schulsport-Wettkämpfen lautete: Höher, langsamer, kürzer.

SZ: Sport ist ...

Michael Altinger: ... Herausforderung und Überwindung, beglückend - aber auch ein Geschenk, wenn man ihn hinter sich hat.

Ihr aktueller Fitnesszustand?

Altersentsprechend. Meine Frau ist anderer Meinung, deshalb arbeite ich daran.

Felgaufschwung oder Einkehrschwung?

Ich übe erst noch mal ein paar Felgaufschwünge, bevor ich mich hier festlege.

Sportunterricht war für Sie?

Eine Erlösung, nach endlosen Unterrichtsstunden, die ich mit Träumen oder Zappeln verbrachte. Schlimm waren die Jahre, in denen der Sportunterricht in den ersten Stunden stattfand. Dann bestand mein restlicher Vormittag nur noch aus Schlaf.

Ihr persönlicher Rekord?

1,65 Meter im Hochsprung, mit 15, meine Höchstleistung beim Sportfest. Tatsächlich habe ich trotzdem keine Ehrenurkunde bekommen, weil ich ein erschreckend schwacher Läufer und Werfer war.

Stadion oder Fernsehsportler?

Ich bin leidenschaftlicher Stadionbesucher. Wann immer es mein Tourplan erlaubt hat, war ich da. Die Energie im Stadion und die Emotionen, die man mit guten Spezln teilt: Das fehlt mir gerade sehr.

Bayern oder Sechzig?

Mit dieser Frage haben wir früher auf dem Bolzplatz die Mannschaften zusammengestellt. Damals war ich ein Roter. Mit den Jahren und der Reife wurde ich immer mehr zum Sechzger und bin es inzwischen aus tiefster Überzeugung. Dabei bin ich kein Bayern-Hasser. Aber 60 ist viel spannender.

Ihr ewiges Sport-Idol?

Bud Spencer. Ein super Schwimmer und später ein sehr guter Esser und Komiker.

Ein prägendes Erlebnis?

Seit Jahren spiele ich Fußball für den FC Sternstunden, eine Benefiz-Mannschaft, die sich aus ehemaligen Profisportlern und BR-Mitarbeitern rekrutiert. Auf mein erstes Spiel hatte ich mich über Wochen fleißig vorbereitet und trainiert. Ich meinte, mit den Ex-Profis mithalten zu müssen. Nach zehn Minuten bin ich auf allen Vieren vom Platz gekrochen und wurde tagelang von Krämpfen und Muskelkater gebeutelt. Seitdem lasse ich es langsamer angehen.

In welcher Disziplin wären Sie Olympiasieger?

Im "Spülmaschine ein- und ausräumen". Niemand schachtelt Geschirr, Besteck, Gläser und Töpfe so raffiniert und in solch Windeseile in eine Maschine und bringt sie anschließend wieder so sicher und souverän zurück an ihre Bestimmungsorte.

Mit welcher Sportlerin/welchem Sportler würden Sie gerne das Trikot tauschen?

Walter Röhrl. Verdammt guter Rennsportler. Aber das war er lange Zeit nur deshalb, weil jemand auf dem Beifahrersitz saß und ihm aus einem Buch vorlas. Das imponiert mir. Das hätte ich auch gern.

Unter der Rubrik "Formsache" fragt die SZ jede Woche Menschen nach ihrer Affinität zum Sport. Künstler, Politiker, Wirtschaftskapitäne - bloß keine Sportler. Wäre ja langweilig.

© SZ/lib/sjo
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