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SZ-Aktion "Coaches' Challenge":Niemand bleibt zurück

In ihrem Element: Miriam Storch übt samt Taktiktafel mit dem Hellenen-Nachwuchs.

(Foto: S. Martinez / oh)

Miriam Storch hält die Jugendarbeit des BC Hellenen zusammen - und macht bei ihrem Einsatz keinen Unterschied zwischen Leistungs- und Breitensport.

Von Johannes Müller, München

Auf die Frage, was ihr Ziel für die nähere Zukunft sei, antwortet Miriam Storch ohne Zögern. "Auch wenn es utopisch ist, ich möchte kein Kind verlieren, egal in welchem Team. Ich möchte nicht, dass irgendein Kind wegen Corona mit diesem Sport aufhört." Jeden Einzelnen mitzunehmen und für den Basketballsport zu begeistern, das treibt Storch an, seit sie mit 15 Jahren ihren ersten Trainerschein gemacht hat, in einem Alter also, in dem sich die meisten allenfalls trainieren lassen, wenn überhaupt. Und es ist diese Leidenschaft, die den enormen Aufwand erklärt, den sie seit Jahren, insbesondere aber seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie betreibt.

Seit 2012 ist Storch Mitglied des Basketball Club (BC) Hellenen München. Dort arbeitete sie zunächst als Jugendtrainerin, ehe sie mit der Leitung der Jugend und dann mit der gesamten Sportlichen Leitung des Vereins betraut wurde. "Als Miriam zu uns kam, waren wir ein Verein, der in Kreisliga und Kreisklasse unterwegs war und relativ wenig Nachwuchs hatte", sagt Sandy Lorenz, die heutige Erste Vorsitzende des BC Hellenen. "Sie hat ein Konzept reingebracht, sodass wir innerhalb kürzester Zeit eine ganze Menge Kinder bei uns hatten und diese sportlich viel besser ausgebildet wurden als zuvor. Dass ihr Konzept funktioniert, zeigen die sportlichen Erfolge."

Der BC Hellenen wurde 1996 von nach Deutschland immigrierten Griechen gegründet und dümpelte zunächst vor sich hin. Das änderte sich, als Konstantin Kirsch und Kenan Koldere 2009 als Vereinsvorstände gewählt wurden. Sie öffneten den zuvor rein griechischen Klub für Menschen anderer Herkunft und verankerten den Slogan "Uniting Cultures". Inzwischen beheimatet der Verein Mitglieder aus 40 Nationen, mehrere Frauen- und Männermannschaften (wobei die erste Herren der Hellenen in der fünftklassigen 2. Regionalliga antritt) und steht für eine vorbildliche Nachwuchsarbeit.

Als die Corona-Pandemie ausbrach und den gesamten Sportbetrieb in eine Krise stürzte, galt es, die geschaffenen Strukturen irgendwie zu bewahren. Bemerkenswerterweise stellte Miriam Storch bereits im März 2020 einen Trainingsplan für die ersten Wochen des Lockdowns auf und schickte ein erstes Workout-Video an sämtliche Teams, um den Einstieg in das digitale Training zu schaffen. Anderen ein Beispiel zu geben, gehört zu ihrem Führungsverständnis. "Ich probiere alles immer erstmal selbst bei meinen Teams aus, weil ich nicht möchte, dass einer der Trainer etwas machen muss, das noch nicht getestet ist." Die Kinder und Jugendlichen, sowie ihre Eltern, waren dankbar für das Angebot.

"Es braucht viel Feingefühl und eine Wertschätzung für jedes Team", sagt Storch

Im Laufe des vergangenen Jahres hätte sie allerdings gelernt, dass kein Ansatz auf Dauer funktioniere, erzählt Storch. "Man muss nach einigen Wochen ein neues Highlight setzen, ansonsten geht die Motivation der Kinder verloren." Nach den anfänglichen Workout-Videos wurde der Nachwuchs dazu eingeladen, sich bei Trainings auch zu filmen und diese Videos mit seinen Teams zu teilen, sodass sich die Kinder auch sehen konnten. Schließlich wurden gemeinsame Einheiten über Live-Videokonferenzen veranstaltet.

Dass sie selbst so schnell auf die neue Situation reagierte, erklärt Storch damit, dass der erste Lockdown sie auch persönlich hart getroffen habe. "Ich gehe gern raus, bin normalerweise immer in Aktion und war auf einmal in meiner WG eingesperrt." Zu dieser Zeit trainierte sie die U10 der Hellenen und, ausgehend von ihrem eigenen Gemütszustand, machte sie sich große Sorgen um den der Kinder. "Ich hatte das Bedürfnis, ihnen, die nur noch zu Hause saßen, keine Schule und keine Bewegung mehr hatten und ihre Freunde nicht mehr sehen durften, etwas mitzugeben. Ich wollte ihnen zeigen, wir als Verein sind auch in dieser schweren Zeit für euch da und schaffen das irgendwie gemeinsam."

Bereits vor Corona habe der BC Hellenen vor der Herausforderung gestanden zu verhindern, dass eine Kluft entsteht zwischen den Kindern, die Leistungssport betreiben wollen und denen, die im Breitensport aktiv sind, erzählt die Hellenen-Vorsitzende Sandy Lorenz. Das die Gemeinschaft so gut funktioniere, sei im Wesentlichen das Verdienst von Miriam Storch. "Miri hat ein super Gefühl dafür, wie die Kinder ticken, wie man mit ihnen umgehen muss. Sie hat einen Blick auf jeden Einzelnen und hält alle zusammen." Darauf angesprochen wie sie das hinbekomme, sagt Storch: "Es braucht viel Feingefühl und eine Wertschätzung für jedes Team. Zudem sind gemeinsame Events sehr wichtig, sodass sich alle Kids einer Altersklasse kennen, egal in welchem Team sie spielen." Es sei den Kindern selbst überhaupt nicht wichtig, wie gut ein anderes Kind Basketball spiele. "Das sind Freunde, die in ihrer Freizeit trotzdem gemeinsam rausgehen und miteinander spielen." Sofern dies denn möglich ist.

Miriam Storch scheint ihr Ziel, während der Pandemie kein Kind zu verlieren, erreicht zu haben. Als sich kürzlich mehrere Mannschaften mit ihren Trainern erstmals seit langer Zeit zum Training draußen treffen durften, seien sämtliche Kinder dabei gewesen, berichtet Sandy Lorenz. Dies zeige, dass der BC Hellenen während der Lockdowns gute Arbeit geleistet habe. "Diese gute Arbeit verdanken wir in erster Linie Miriam Storch, ohne die es wahrscheinlich keine strukturierte und kreative Umsetzung gegeben hätte."

© SZ/sewi
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