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Pferdesport:Springen, piaffieren, desinfizieren

Simone Blum DEU Der Große Preis von Bayern Pferd International 2019 München 02 06 2019

Sie dürfen sich wieder zeigen: Profireitern wie Simone Blum soll in München-Riem eine hochklassige Veranstaltung geboten werden - trotz aller Widrigkeiten.

(Foto: Lackovic/Imago)

Die Pferd International soll wieder stattfinden, allerdings ohne Zuschauer und den Trubel früherer Jahre. An zwei getrennten Mai-Wochenenden sollen Dressur- und Springreiter ihr Können zeigen.

Von Katalina Farkas, München

Es grenzt zurzeit an Wagemut, eine sportliche Großveranstaltung anzukündigen, sofern die dort Antretenden nicht derart populär sind, dass sie regelmäßig abends durchs Fernsehen laufen. In diesem Fall erfreuen sich die Protagonisten zwar ebenfalls großer Fangemeinden, und laufen tun sie auch - wenn auch zum Teil auf vier Beinen -, aber eben keinem Ball hinterher, was wohl ein entscheidender Grund dafür ist, dass die Prüfungen der Pferd International, des größten bayerischen Freiluftturniers, nicht im TV, sondern nur online übertragen werden.

Wagemut hin oder her, die Pferd International soll in diesem Mai stattfinden, nachdem sie 2020 ausgefallen war. Allerdings: eine Großveranstaltung wird sie nicht werden. "Das erlauben die derzeitigen Infektionsschutzmaßnahmen gar nicht", rechtfertigt Turnierleiterin Lena Breymann die Entscheidung. Statt als Pferdefestival mit internationalen Prüfungen auf Sterne-Niveau, Amateurwettbewerben und einem Rahmenprogramm mit Showeinlagen, Ausstellern und Gastronomie findet das Turnier in der Light-Variante statt: als reine Profi-Veranstaltung, immer noch mit Sternen, dafür aber ohne Zuschauer.

Das trifft die Veranstalter, klar. Der Ticketverkauf ist nicht nur direkte Einnahmequelle, sondern auch Motivation für Sponsoren - einer der langjährigen ist aus wirtschaftlichen Gründen bereits abgesprungen. Nichtsdestotrotz, oder gerade deshalb: Im Mai soll nun wieder Spitzensport in Riem stattfinden, wenn auch in ungewohnter Form. Am Himmelfahrtswochenende (13. bis 16. Mai) finden die Dressurprüfungen statt, zwei Wochen später die Springen - bisher waren alle gemeinsam an einem Wochenende angetreten. In der Zwischenzeit wird sich ein Putztrupp über das Gelände arbeiten, der nicht nur ausmistet, sondern Boxen, Gassen und alle gemeinsam genutzten Räume gründlich desinfiziert.

Die wirtschaftliche Lage sei alles andere als rosig, man müsse schlanker werden, sagt Jürgen Blum

Die Zweiteilung erfolge nicht nur aus Hygienegründen, erklärt Jürgen Blum, der die "Pferd Inter", wie er die Veranstaltung fast liebevoll nennt, gemeinsam mit Lena Breymann leitet. "Wir sparen Kosten, weil wir Boxen doppelt belegen können und somit weniger anmieten müssen." Die wirtschaftliche Lage des Veranstalters sei alles andere als rosig, man müsse schlanker werden, wo man könne - und bemühe sich gleichzeitig nach Kräften, Sponsoren an Land zu ziehen, auch ohne Zuschauer. "Das war schon vor der Pandemie schwer. Wie es jetzt ist, kann man sich ausmalen."

Was das Sportliche betrifft, bleiben die Organisatoren optimistisch. "Wir rechnen damit, dass ähnlich viele Profisportler wie in den vergangenen Jahren anreisen werden", sagt Breymann. Also rund 350 aus dem In- und Ausland - vorausgesetzt, dass Letztere einreisen dürfen. Auch Blum hofft auf eine rege internationale Teilnahme. Nicht nur, weil sich die Profireiter inzwischen an leere Zuschauerränge gewöhnt haben dürften. Sondern auch, weil sie sich und ihre Pferde fit halten müssen, was bei dem bislang dünnen Turnierkalender schwierig sein dürfte. Zwar finden Turniere für Profi- und Kaderreiter nach wie vor statt, im US-amerikanischen Wellington, in der spanischen Stadt Valencia oder an der portugiesischen Südküste, in Vilamoura. Es sind aber weit weniger als sonst. Die Weltcup-Veranstaltung "Partner Pferd Leipzig" etwa wurde unlängst abgesagt, das Hamburger Derby - das deutsche Springturnier schlechthin - vom Himmelfahrtswochenende in den Spätsommer verschoben. Und da Japan den Olympischen Sommertraum zumindest noch nicht offiziell hat zerplatzen lassen, müssen gerade die Reiter, die sich dort die Chance auf einen Podiumsplatz ausrechnen, in Form bleiben. "Das hat im vergangenen Jahr mitunter dazu geführt, dass sich die Profis international auf jedes noch so mittelklassige Turnier gestürzt haben", sagt Blum. "Wir wollen ihnen ermöglichen, auf einer hochkarätigen Veranstaltung anzutreten." Das gilt natürlich auch für eins der obligatorischen Aushängeschilder des Turniers, Blums Tochter Simone.

Auch wenn die Pferd International schon in drei Monaten stattfinden soll: Viel mehr als der Zwei-Wochenend-Plan existiere derzeit noch nicht, gibt Lena Breymann zu. Detaillierte Hygienepläne, die formelle Ausschreibung; das alles muss in den nächsten Wochen entstehen. "Wir fangen jetzt erst richtig an zu planen", erklärt sie. Alles andere wäre verfrüht gewesen, auch wenn die Organisation unter normalen Umständen schon im März abgeschlossen sei. Aber es sind eben keine normalen Umstände. Immerhin: "Wir haben im vergangenen Jahr gelernt, flexibel zu sein und hoffnungsvoll zu bleiben." Das bekräftigt auch Jürgen Blum. "Die Pferd Inter ist ja beinahe schon so etwas wie meine Lebensaufgabe. Sie wird in diesem Jahr anders aussehen, aber sie wird trotzdem stattfinden." Um Spitzensportler nach München zu holen, aber eben auch, um den Reitsportfans ein Erlebnis zu ermöglichen. Wenn schon nicht unter freiem Himmel, dann doch wenigstens im Internet.

© SZ/lib/sjo
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