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Hockey:Ganz nah dran

Traumtor in den rechten Winkel: Jule Bleuel traf sehenswert zum 2:1-Endstand für die MSC-Frauen

(Foto: Claus Schunk)

Die Hockey-Frauen des Münchner Sportclubs behalten in Berlin die Nerven und gewinnen ihre erste Playdown-Partie - bei einem weiteren Erfolg am kommenden Samstag wäre ihre Erstklassigkeit gesichert.

Von Katrin Freiburghaus, München

Die Hockey-Frauen des Münchner Sportclubs haben den ersten Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht und am kommenden Wochenende auf eigener Anlage zwei Versuche, um den Verbleib in der ersten Liga zu sichern. Die erste Playdown-Partie der Best-of-three-Serie am vergangenen Sonntag wäre für den MSC unter normalen Bedingungen eine klassische Gelegenheit für einen Klubausflug gewesen, ist er in der Szene doch für seine Reisefreudigkeit bekannt, wenn es in Finalspielen oder - wie diesmal - am anderen Ende der Tabelle um alles geht.

Aufgrund des pandemiebedingten Zuschauerverbots feierten Klub und Team das 2:1 (1:0) bei den Zehlendorfer Wespen jedoch durch 600 Kilometer getrennt. Als Motivatoren hatten sich am Vorabend der Partie trotzdem zahlreiche MSC-Mitglieder betätigt: Mit einer Foto- und Video-Aktion unter dem Motto "Ihr seid nicht allein" hatten sie im Hotel einen Hauch von Klub-Atmosphäre erzeugt.

Doch nicht nur der MSC hatte in den Tagen vor dem Spiel wirklich alles versucht. Die mit dem spielerischen Niveau der Liga zuletzt überforderten Randberlinerinnen hatten zu Wochenbeginn ein neues Trainer-Trio installiert - und den Wechsel erfolgreich geheim gehalten. "Davon sind wir ein bisschen überrascht worden", gab MSC-Trainer André Schriever zu, "da stand keine leblose Mannschaft auf dem Feld, und die Standards waren auch anders, als wir sie erwartet hatten." Entsprechend nervös agierten seine Spielerinnen im ersten Viertel. "Das war nix", resümierte Schriever.

Die ersten 15 Minuten über war zu sehen, warum Zehlendorf und der MSC mit 19 beziehungsweise 23 Toren in dieser Saison bisher am seltensten trafen: Echte Chancen blieben auf beiden Seiten Mangelware. Im zweiten Viertel hatte sich der MSC sortiert und übernahm die bis dahin vakante Rolle des spielgestaltenden Teams. Mindestens ebenso entscheidend war aber, dass sich die Spielerinnen vom Nachsetzen und Stören der Gastgeberinnen nicht entnerven ließen. "Die Wespen kreieren aus ihrem eigenen Aufbau kaum Chancen, sie warten auf Fehler von uns", sagte Schriever. Diesen Gefallen tat ihnen der MSC zunächst nicht, sondern klärte die Berliner Konterversuche stets konzentriert und oft weit vor dem eigenen Kreis.

"Das Ding heißt ja nicht umsonst Abstiegskampf und nicht Abstiegsspiel - den haben wir angenommen", sagt Trainer Schriever

Schriever war zufrieden mit der engagierten Defensivleistung seines Teams. "Das Ding heißt ja nicht umsonst Abstiegskampf und nicht Abstiegsspiel - den haben wir angenommen", sagte der 39-Jährige. In der 20. Minute gab Cara Sambeth eine Strafecke herein, die Zehlendorfs Torhüterin zunächst abwehrte. Sambeth setzte jedoch beherzt nach und brachte den MSC so mit 1:0 in Führung, was zugleich der Pausenstand war.

Im dritten Viertel unterlief dem MSC dann einer jener Fehler, auf die Zehlendorf gewartet hatte. Ein Fehlpass an der Mittellinie genügte für eine aussichtsreiche Zehlendorfer Gelegenheit, die der MSC nur mit einem Foul entschärfen konnte. Die fällige Strafecke schaffte es an Torhüterin Selina Müller vorbei an den langen Pfosten, wo Denise Danne lauerte und den Ball ins Tor stocherte (37.). Der MSC wirkte in den folgenden Minuten von der Rolle, erkämpfte sich seine Sicherheit aber erneut über eine kontrollierte Verteidigung zurück. In der 43. Minute gelang Jule Bleuel nach einer Strafecke ein Traumtor in den rechten Winkel. In der Schlussviertelstunde mühten sich die Gastgeberinnen, um noch einmal gefährlich vors Münchner Tor zu kommen, scheiterten aber meist früh am nun wieder selbstbewusster auftretenden MSC. Unmittelbar vor dem Schlusspfiff geriet das 2:1 nach einer Ecke für Zehlendorf noch einmal kurz in Gefahr, der Ball rollte aber am rechten Pfosten vorbei.

Am kommenden Wochenende kann Schrievers Team den Sack mit einem Erfolg am Samstag vorzeitig zumachen. Im Fall einer Niederlage kommt es direkt am Sonntag zu einem Entscheidungsspiel. Zuschauer werden auch in München nicht erlaubt sein. Ohne lange Anreise in den Beinen und mit dem psychologischen Vorteil, einen Fehlversuch frei zu haben, sieht Schriever sein Team dennoch gut gerüstet. "Wenn wir unseren Stiefel mit wenig Fehlern runterspielen, sind wir besser", sagte er. Und weiter erstklassig.

© SZ/sewi
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