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Basketball:Zeit für Luxusmomente

Wichtig für den Dreier ist der letzte Pass: Hier kommt er von Viktoria Sarközi.

(Foto: Claus Schunk)

Die jungen Zweitliga-Spielerinnen der TS Jahn setzen die Vorgaben ihrer Trainer immer besser um und sammeln Selbstvertrauen - zuletzt mit einem Sieg gegen Heidelbergs Erstliga-Reserve.

Von Karl-Wilhelm Goette, München

Die Zweitliga-Basketballerinnen der TS Jahn München gönnen sich knapp sieben Sekunden vor Schluss des Spiels noch so etwas wie einen Luxusmoment. Beim eindeutigen Spielstand von 82:62 gegen den USC Heidelberg II heult die Sirene des Kampfgerichts auf, weil das Jahn-Trainerduo Markus Klusemann und Petra Fackler noch einmal eine Auszeit beantragt hat. Cheftrainer Klusemann malt auf seiner Tafel mit einem Stift, der nicht mehr so richtig funktioniert, den um ihn herumstehenden Spielerinnen auf, wie sie in sieben Sekunden zu einem weiteren Korberfolg kommen sollen. Das schafft die Jahn-Formation nicht mehr, aber auch so hat sie eines ihrer besten Saisonspiele gezeigt, was vor allem an ihrer Treffsicherheit aus der Distanz gelegen hat.

"Die Auszeit ist meine Idee gewesen", erzählt Co-Trainerin Petra Fackler nach dem Spiel. Die Mannschaft übt das im Training, um in den finalen Spielsekunden auf so einen entscheidenden Angriffszug vorbereitet zu sein. "Jetzt haben wir das unter Wettkampfbedingungen probiert", erläutert Fackler, zumal es bei diesem Spielstand ja keinen Stress bedeutet habe. Beiden Jahn-Trainern merkt man nach der Schlusssirene die große Zufriedenheit über den deutlichen Erfolg gegen die Bundesligareserve aus Heidelberg an. Besonders die 82 Punkte begeistern sie, hat es doch schon Spiele gegeben, bei denen ihre Mannschaft kaum über 50 Punkte hinausgekommen ist. Diesmal haben die Münchnerinnen ein wahres Offensivfeuerwerk entfacht. Besonders die Wurfversuche von der Dreipunktelinie sind gleich reihenweise in den gegnerischen Korb gefallen.

"Das ist Profiniveau", lobt Trainer Klusemann die aktuelle Dreierausbeute

Talena Fackler hat im ersten Spielviertel das Zielwerfen aus mindestens 6,32 Metern Entfernung eröffnet und Theresa Spatzier hat sich sofort beteiligt. "Entscheidend für einen Dreierwurf ist der Pass vorher", sagt Fackler. "Habe ich einen freien Wurf, dann probiere ich das." Das klingt so routiniert, als würde Fackler schon ewig in der 2. Bundesliga spielen, aber das Jahn-Jungtalent wird erst in fünf Tagen 18 Jahre alt. "Ich gehe beim Dreier nach meinem Gefühl", erläutert Spatzier, 19. Hat eine Gegenspielerin die Hand vor ihrem Gesicht, ist ein Distanzwurf nicht passend. Es gehe auch um Vertrauen in sich selbst. "Das habe ich in solchen Situationen", bekräftigt die Außenbahnspielerin. 18 der 24 Punkte im ersten Viertel erzielen Fackler und Spatzier am Samstag mit jeweils drei Dreiern. Auch Jella Molz, Viktoria Sarközi und Paula Graichen beteiligen sich später noch am erfolgreichen Dreier-Coup der Münchnerinnen. Bei elf gelungen Dreierwürfen kommt eine Erfolgsquote von rund 38 Prozent heraus. "Das ist Profiniveau", stellt Trainer Klusemann hinterher zufrieden fest. Die Heidelbergerinnen sind im Vergleich bei nur vier Dreiern und einer Wurfquote von 21 Prozent steckengeblieben.

Inzwischen punktet bei Jahn München, das ist neu, die gesamte Formation. Spatzier ist einmal mehr mit 16 Zählern Topscorerin gewesen, aber auch Paula Graichen (15), Jella Molz (11) und Fackler (12) haben zweistellig gepunktet. Auch die Bankspielerinnen Sarközi (5) und Constanze Ehrmeier (5) treffen immer besser. "Wir sind ein Super-Team geworden, das war heute unser Siegbringer", sagen Spatzier und Fackler übereinstimmend. "Die Vorgaben unserer Trainer sind: schnell, aggressiv und zusammen", so Spatzier. "Da haben wir große Fortschritte gemacht." Ein Leistungssprung ist auch bei Olivia Borsutzki zu erkennen. Auch "Olli", so rufen sie die Mitspielerinnen, ist erst 17 Jahre alt. Frühzeitig mit drei und später vier Fouls belastet, hat sie Klusemann lange auf der Bank schmoren lassen müssen, um Borsutzki dann im Schlussabschnitt noch zehn Minuten aufs Parkett zu schicken. Die 1,78 Meter große Spielerin, die sich vor allem auch körperlich gut behaupten kann, dankt es am Ende mit 16 Punkten und sechs Rebounds. Mit fünf Siegen in elf Spielen behaupten die Münchnerinnen ihren Mittelfeldplatz in der Liga. Die wird nun, so die Planung, bis Anfang Mai fortgesetzt. Ohne die Corona-bedingten Ausfälle sollte sie ursprünglich am 3. April enden. Elf weitere Spiele in etwa sieben Wochen, wenn es noch eine komplette Spielzeit werden soll, wären für Jahn München dann noch zu absolvieren. Der nächste Gegner ist Ludwigsburg am kommenden Samstag (17 Uhr), erneut in heimischer Halle und mehr oder weniger auf Zuruf.

© SZ/lib/sewi
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