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So reagiert die Stadt:Über der kritischen Marke

Corona-Inzidenzwert steigt, Kitas und Schulen bleiben aber vorerst geöffnet

Von Jakob Wetzel

Die Schwelle ist überschritten: Nachdem am Donnerstag 141 weitere Corona-Fälle in München gemeldet wurden, lag die Quote der Neuinfektionen binnen sieben Tagen am Freitag bei 50,7 pro 100 000 Einwohnern. Die Inzidenz ist damit knapp über die Marke von 50 gestiegen, ab der weitergehende Beschränkungen des öffentlichen Lebens drohen. Allerdings treten nicht automatisch strengere Regeln in Kraft; vielmehr entscheidet darüber das Gesundheitsamt. Und bevor die Stadt Konsequenzen zieht, möchte sie die Entwicklungen des Wochenendes abwarten. Das sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Freitag. Auch Kitas und Schulen sollen zumindest am Montag öffnen wie bisher. Allerdings soll für alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Jahrgangsstufe vorerst weiterhin auch im Unterricht die Maskenpflicht gelten.

Wie es in der kommenden Woche weitergeht, steht noch nicht fest. Sollte die Grenze von 50 überschritten bleiben, werde die Stadt gegebenenfalls weitere Maßnahmen beschließen, kündigte Reiter an. Denkbar sei etwa, die Teilnehmerzahl an privaten Feiern von 200 auf 100 Personen im Freien sowie von 100 auf 50 Personen in Innenräumen zu begrenzen; gerade bei privaten Treffen größerer Gruppen könne es zu vielen Ansteckungen kommen. Möglich sei auch, die Sperrzeit von Gaststätten zu verlängern. Entscheiden wolle die Stadt darüber am Montag. Bis dahin sollen die bisherigen Regeln in Kraft bleiben. Auch Schulklassen und Kitas würden bei Infektionen weiterhin geschlossen. "Aber einen Rückgang zum eingeschränkten Blockunterricht halte ich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht für verhältnismäßig", sagte Reiter. Er hatte zuvor schon betont, Einrichtungen würden nicht automatisch geschlossen, wenn der Inzidenz-Wert steige.

Dieser zurückhaltende Kurs ähnelt den Reaktionen anderer bayerischer Städte und Gemeinden, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz auf mehr als 50 gestiegen ist. Auch dort sind Kitas und Schulen bislang stets geöffnet geblieben. In Kaufbeuren etwa liegt die Inzidenz seit Dienstag über 50; das sei aber auf einen Ausbruch in einem Alten- und Pflegeheim zurückzuführen, heißt es dort. Im Kreis Garmisch-Partenkirchen ist die Schwelle seit 11. September überschritten; das Landratsamt griff dort gezielt zu Beschränkungen der Gastronomie im Markt Garmisch-Partenkirchen. In Würzburg liegt die Inzidenz seit 10. September über 50; am Freitag betrug sie 70,38. Weil aber mit "deutlichem Schwerpunkt" 18- bis 35-Jährige betroffen seien, änderte sich an den Schulen zunächst nichts. Nur die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen wurde verlängert und gilt nun bis 2. Oktober. In Rosenheim wiederum lag die Inzidenz ab 6. September sechs Tage lang über 50 und zeitweise ebenfalls über 70. Folge war dort eine Maskenpflicht auch für Grundschüler. Mittlerweile ist der Wert dort auf 31,58 gesunken. Ab Montag müssten die Grundschüler keine Masken mehr tragen, sagte ein Sprecher der Stadt.

© SZ vom 19.09.2020
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