Selbstversuch Ein Paar lernt Tango tanzen, Teil I

Wunderschöne Dinge weiß Marina Jablonski über den Tango. Die Frau müsse lernen, sich fallen zu lassen, auf dass aus Mann und Frau ein Leib auf vier Beinen werde. Bis dahin ist ein weiter Weg - bei dem man nicht nur übers Tanzen lernt.

Von Birgit Lutz-Temsch

Versuchsaufbau: Beide Partner haben wenig bis keine Paartanzerfahrung. Mit dem argentinischen Tanz ist es der erste Kontakt. Ort: Das Hinterhofloft Marina Jablonskis, Haidhausen.

"Jeder Mann hat sein Geheimnis", sagt Marina Jablonski, "und jede Frau auch. Mann und Frau bilden deshalb ein Dreieck: der Mann hat seine Aura, die Frau mit ihrer Aura lehnt sich an ihn, und die Musik trägt beide." Verschmelzen soll man beim Tango, eins werden.

Eins werden ist nicht so einfach mit zwei Gehirnen, zwei Willen, vier Armen, vier Beinen. "Wenn Paare zu uns kommen, fangen sie oft zu streiten an", sagt Jablonski. "Jeder will es besser wissen. `Du musst mehr schieben´ heißt es dann, oder `Lass dich doch mal führen´. Das wird dann ganz schnell ganz keifig."

Ach wo, bei uns doch nicht, sagt mein Mann zu mir, verliebt lächeln wir uns an. Außer uns stehen in Jablonskis Hinterhofloft noch drei Männer, drei Frauen. Von 25 bis höheres Rentenalter, teils mit erheblichem Bauchansatz. "Der Tango argentino", sagt Jablonski, "wird corazon an corazon getanzt." Herz an Herz also. Gut, dass ich meinen Partner dabei habe. "Und wir wechseln ständig durch." Ach so.

Vor dem Drauflostanzen lernen wir erst einmal schieben. Schieben ist das, was der Mann macht, und was die Frau mit sich machen lassen muss. Die Frau stellt sich leicht auf die Zehenspitzen, lehnt sich mit ausgestreckten Armen gegen die Brust des Manns und macht am besten die Augen zu, vergisst, dass sie ein wollendes Wesen ist.

Vom Brustbein aus muss der Mann nun die Frau "verdrängen, wie einen Strich, tack, tack, tack, Beine zusammen, nicht wie der Bauer im Acker, der Mann muss definitiv sein, zeigen, wo es lang geht", sind die Anweisungen der Tango-Meisterin. Und die Frau weicht rückwärts gehend aus.

Also wie jetzt: Ich soll spüren, wann mein Mann einen Schritt macht? Mit geschlossenen Augen? "Die Frau muss sich an den Mann lehnen, nur dann geht das", sagt Jablonski. "Du musst besser schieben", sage ich zu meinem Mann. "Aber du lehnst dich nicht richtig gegen mich" sagt er. "So geht das nicht." Ach so.

Durchwechseln. Der neue Partner trägt einen Polyester-Pulli, an dem meine Hände ordentlich zu schwitzen beginnen. Hoffentlich geht das nicht durch, das ist ja peinlich. Aber: Der Mann, der zwanzig Jahre älter und einen Kopf kleiner ist, schiebt. Und schiebt. Und verdrängt.

Und ich merke, wenn er einen Schritt macht. Wie soll ich das nur meinem Mann sagen? Du, der Polyester-Mann schiebt viel besser als Du?

Was passiert als Nächstes? Beginnt das Paar ernsthaft zu streiten, tauscht es den Partner, lässt es Tango Tango sein oder wird es von argentinischer Leidenschaft erfasst? Nächster Teil kommende Woche.