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Schwabinger Krankenhaus in München:Ärzten geht die Wäsche aus

Ude kündigt für die städtischen Kliniken (im Bild: Schwabing) einen Stellen- und Bettenabbau an.

(Foto: Catherina Hess)

Es mangelt an OP-Kleidung, Bettlaken und Handtüchern: Weil ein privater Textilservice seine Aufgaben nicht erfüllen kann, geht einem Münchner Klinikum die Wäsche aus. Für das Schwabinger Krankenhaus ist der Fall politisch heikel: Erst im Juli wurde die hauseigene Reinigung geschlossen.

Von Dominik Hutter

Am städtischen Klinikum in München-Schwabing ist es nach der Umstellung auf einen privaten Textilservice zu Engpässen bei der Versorgung mit OP-Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern gekommen. Der Konzern bestätigte am Freitag, dass "Anlaufschwierigkeiten" aufgetreten sind, mit denen man durchaus gerechnet habe und die mittlerweile weitgehend abgestellt seien.

Es gebe aktuell keine größeren Probleme mehr bei der Patienten-Wäsche, es könne aber in Einzelfällen noch vorkommen, dass die Dienstkleidung von Ärzten und Pflegern "nicht rund um die Uhr in der gewollten Größe zur Verfügung steht", berichtete Kliniksprecher Matthias Winter. Der Klinikbetrieb sei aber nie beeinträchtigt gewesen, Gefahr für Patienten habe nicht bestanden. Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) forderte dennoch einen Bericht über die Vorgänge an.

Für den Konzern, der ohnehin nicht aus den Schlagzeilen kommt, sind die Engpässe auch politisch heikel. Denn die Auflösung des klinikeigenen Textil- und Reinigungsservices, der bis Ende Juni für den Wäschereibetrieb und die Sauberkeit in den Gebäuden zuständig war, wurde von den Gewerkschaften heftig bekämpft und schließlich - weil sie im Aufsichtsrat nicht durchzusetzen war - vom Stadtrat selbst beschlossen.

Von dem Schritt erhofft sich das finanziell angeschlagene Klinikum Einsparungen von jährlich rund sechs Millionen Euro. Für die Stadt, die aus sozialen Gründen die mehr als 300 Mitarbeiter der Abteilung übernommen hat, ist das ein teures Vergnügen: Die Weiterbeschäftigung der Putz- und Waschkräfte, für die erst neue Aufgaben gefunden werden mussten, kostet pro Jahr geschätzte zwölf Millionen Euro.

Bis vor kurzem waren eigene Mitarbeiter für den Bereich zuständig

Seit 1. Juli ist nun eine Privatfirma zuständig, die sich bei einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hat. Das Unternehmen konnte aber offenkundig vor allem in den ersten Wochen nach der Umstellung seine Aufgabe nicht vollständig erfüllen. Für den Betrieb der fünf städtischen Krankenhäuser werden enorme Mengen an Wäsche benötigt, die in bestimmten Zyklen ausgeliefert werden.

Allein das Klinikum Schwabing braucht pro Woche je nach Auslastung etwa 45.000 Textilartikel allein für die Patientenversorgung einschließlich der Operations- und Intensivbereiche. Dazu kommen noch 4000 Stück Berufsbekleidung für Ärzte und Stationspersonal. Dieser Wäscheberg muss nach Gebrauch abgeholt werden und sauber und termingerecht wieder in der Klinik eintreffen, damit bei Schichtbeginn jeder Mitarbeiter Kleidung zur Verfügung hat. Nach Auskunft des Klinikums war von den Engpässen vor allem Dienstkleidung betroffen. Die Textilien seien entweder nicht pünktlich, in einer falschen Größe oder auch gar nicht angeliefert worden.

An Krankenhaustextilien werden besondere hygienische Anforderungen gestellt, ein zuverlässiger Wäscheservice ist daher besonders wichtig. Bei steriler OP-Kleidung, so betonte Winter, handelt es sich allerdings um Einwegprodukte - dieser Bereich war also von den Problemen nicht berührt. Der Sprecher beteuert, das Klinikum habe nach Bekanntwerden der Engpässe sofort reagiert und unter anderem zusätzliche Wäsche eingekauft. Nach SZ-Informationen war dies offenbar auch deshalb notwendig, weil die früheren Mitarbeiter des konzerneigenen Textilservices ihren Betrieb nicht im allerbesten Zustand zurückgelassen haben.

Inzwischen sind auch das Gesundheitsreferat und der Aufsichtsrat mit der Sache befasst. Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), der dem Aufsichtsrat vorsteht, berichtete von einem Lokaltermin. Man habe das Problem "mittlerweile im Griff", auch wenn "noch nicht alles top läuft".

Gesundheitsreferent Joachim Lorenz ist offenbar durch einen Routine-Termin aufmerksam geworden, dass in einer Münchner Klinik Engpässe bei der Wäscheversorgung aufgetreten sind. Prüfer des Gesundheitsamts seien am Rande eines Kontrollbesuchs auf die Probleme hingewiesen worden. Namen gibt die Behörde in solchen Fällen aus Datenschutzgründen nicht bekannt, nach SZ-Informationen hat es sich aber um das Schwabinger Krankenhaus gehandelt.

© SZ vom 07.09.2013/mmo
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