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Schulprojekt:Die Plastik-Piraten

Die Ergebnisse ihrer Forschungen stellten die Schüler am Mittwoch im Deutschen Museum vor.

(Foto: Catherina Hess)

Sechstklässler erforschen die Isar und ihr Ufer - und vor allem den Müll im Wasser, der Fischen und Menschen Schaden zufügt

Hergestellt aus arabischem Mineralöl hängt die Plastiktüte nur zwei Tage lang im Supermarkt. Ein Mann kauft sie, stopft sie aber so voll, dass die Tüte reißt. Achtlos liegt sie im Dreck, fröhlich wirbelt sie durch die Luft - und landet schließlich mit schlechtem Gewissen im Meer. So stellen sich die Sechstklässler der Nymphenburger Schulen das Leben einer Plastiktüte vor. Die Mädchen und Buben haben gemeinsam mit der integrativen Montessori-Schule an der Balanstraße am Projekt Plastik-Piraten der bundesweiten Citizen-Science-Aktion im Wissenschaftsjahr 2016/17 teilgenommen und ihre Ergebnisse an diesem Mittwoch im Deutschen Museum präsentiert.

Das erste Hindernis: der Einlass. Weil am Nachmittag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Museum erwartet wird, sind die Sicherheitskontrollen viel stärker als sonst. Zweites Hindernis: das Überwinden der eigenen Nervosität. Aber auch das gelingt den Kindern mit Bravour. Souverän präsentieren sie ihre Ergebnisse, fast so als hätten sie das professionell gelernt. Die einen haben die Fließgeschwindigkeit der Isar gemessen (1,09 Meter pro Sekunde), die anderen Müll am Flussufer gesammelt und festgestellt, dass dort neben Plastikteilchen auch Zigarettenstummel, Glasflaschen, Scherben und Alustückchen zu finden sind. Eine weitere Gruppe fischte eine Stunde lang im Wasser und analysierte den Treibmüll - wieder war Plastik drin, das sogenannte Mikroplastik, das kleiner ist als fünf Millimeter. Wenn die Fische das fressen, gelangt das Plastik in die Nahrungskette und damit auch in den Menschen, erklären die kleinen Forscher.

Die Plastikverschmutzung weltweit nimmt zu: Vögel sterben in Fischernetzen, Robben und Schildkröten verhaken sich in Plastikringen, in einem Wal wurde sogar mal die Kühlerhaube eines Autos gefunden. Dass Plastik in Meeren und Ozeanen Probleme macht, ist bekannt. Dass aber auch die Flüsse verschmutzen, wird erst seit kurzem erforscht. Im Plastikpiraten-Projekt gehen Kinder raus aus dem Klassenzimmer und rein in die Natur. Jede teilnehmende Klasse erhält eine wissenschaftliche Anleitung und dokumentiert die Müllvorkommen am Ufer und im Wasser. Diese Daten tragen die Schüler in eine digitale Deutschlandkarte ein, die Kieler Forschungswerkstatt wertet alle Ergebnisse aus und lässt diese in eine wissenschaftliche Arbeit einfließen. Nur ein umfassendes Bild über die Belastung durch Plastik könne wirksame Schutzmaßnahmen nach sich ziehen, sagen die Veranstalter vom Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane.

Die Lehrerin Ellen Flemisch hat sich mit ihrer Klasse, die aus den Jahrgangsstufen vier bis sechs der integrativen Montessorischule besteht, gerne am Projekt beteiligt. "Ich habe es im Internet gefunden und die Kinder entscheiden lassen", sagt sie. Alle waren dafür und mit dementsprechendem Elan seien sie an ihre Forschertätigkeit gegangen. Im Deutschen Museum konnten die Kinder extra die Ausstellung "Zukunft Ozean" besuchen, die vor zwei Jahren entstanden und bis 5. Mai zu sehen ist. Für Erwachsene bietet das Museum eine Vortragsreihe. Wer Lust hat, kann sich nun für die Plastikpiraten bewerben. Unterlagen gibt es unter www.wissenschaftsjahr.de/jugendaktion.

© SZ vom 27.04.2017
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