Schuhwerfer von Bagdad Der Preis für ein Paar Schuhe

Der Journalist Muntasser al-Saidi muss ins Gefängnis, weil er sein Schuhwerk gegen George W. Bush geschleudert hatte. Ist das ein rechtsstaatliches Urteil oder politische Willkür?

Ein Kommentar von Tomas Avenarius

George W. Bush selbst hatte es mit Humor genommen: "Es waren Schuhe der Größe 44", witzelte der US-Präsident, der dem Geschoss erfolgreich ausgewichen war. Ein Bagdader Gericht fand die Tat weniger amüsant: Drei Jahre Haft für den irakischen Schuhwerfer. Der Journalist Muntasser al-Saidi muss ins Gefängnis, weil er sein Schuhwerk als "Abschiedsgeschenk" nach dem scheidenden Präsidenten geschleudert hatte. Ist das nun ein rechtsstaatliches Urteil oder politische Willkür?

Attacke mit Folgen: Der Schuhwurf auf George W. Bush.

(Foto: Foto: AP)

Dass der Täter nicht freikommen würde, war klar. Er hat sich nach irakischem Recht unbestreitbar strafbar gemacht. So milde kann kein Bagdader Richter sein, dass er al-Saidi das Gefängnis hätte ersparen können. Natürlich wird das Gericht auch die Befindlichkeit der Regierung im Hinterkopf gehabt haben - für die war die Tat höchst blamabel.

Aber nach irakischem Recht war das Urteil eher milde. Es ist ziemlich ungeeignet als Beleg dafür, dass die Nach-Saddam-Justiz nicht funktioniert. Auch in Deutschland, Italien oder Frankreich kann keiner Sahnetorten auf einen Präsidenten werfen und dann unbestraft aus dem Gerichtssaal gehen. Und unter Saddam Hussein? Da hätte die Wahrheitsfindung im Folterkeller begonnen und wäre in einem namenlosen Grab geendet.

In der arabischen Welt wird das Ganze dennoch anders verstanden werden. Dort genießt der Schuhwerfer große Sympathien. Viele sehen in al-Saidi ihren Helden, betrachten seine Tat als symbolischen Akt des Widerstands. Politisch mag das nachvollziehbar sein, rechtlich ist es irrelevant. Widerstand hat eben seinen Preis - auch wenn er halbwegs friedlich, in Form von ein Paar Schuhen der Größe 44, dahergeflogen kommt.

Der Schuhwerfer von Bagdad

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