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Sanierung des IHK-Stammhauses:Die IHK leistet sich zudem einen ziemlich teuren Berater

Bemerkenswert ist außerdem, dass die IHK laut Organigramm nicht nur einen externen Generalplaner für die Sanierung der Zentrale beauftragt hat, es gibt einen ganzen Stab, der sich um die Bauprojekte kümmert. Die Stelle der internen Projektleitung "Generalsanierung Stammhaus" weist dabei eine erstaunliche Fluktuation auf: Der erste Projektleiter wechselte laut IHK aufgrund einer Doppelbelastung und um "externe Bauexpertise" einzubinden, im Juni 2013 kam ein Nachfolger, der nur bis Oktober blieb, zwischen beiden gab es einen Interims-Projektleiter. Auch der Name, der im Oktober 2013 an die Position rückte, ist inzwischen wieder verschwunden - aufgrund einer "organisatorischen Neuaufstellung des Projektes".

Doch damit nicht genug. Die IHK leistet sich nämlich eine weitere, in diesem Fall besonders teure Expertise. Der SZ liegt ein Vertrag vor, der am 22. April 2013 unterschrieben wurde. Ein gutes halbes Jahr also, bevor der Generalplaner abgelöst wurde. Beauftragt wird ein externes Münchner Ingenieurbüro, das sich mit Projektsteuerung und Objektüberwachung beschäftigt. Persönlich bestellt wird einer der Geschäftsführer: Er soll sich vier Tage wöchentlich um die "Beratung der Entscheidungsträger der IHK in Bezug auf notwendige Maßnahmen und Entscheidungen in allen laufenden Immobilienprojekten" kümmern, teilt die IHK dazu auf Anfrage mit.

20 000 Euro monatlich - bei einer Vier-Tage-Woche

1200 Euro brutto darf er pro Tag berechnen, bei einer Vier-Tage-Woche erhält er dafür 20 000 Euro monatlich, so er die volle Leistung bringt. Wenn er mehr arbeitet, darf er nachberechnen, und er darf auch weitere Mitarbeiter seines Büros zusätzlich beschäftigen. Insider behaupten, dass dies der Fall sei. Der Beratervertrag, der nicht öffentlich ausgeschrieben wurde, läuft über 36 Monate, von Februar 2013 bis 31. Januar 2016, und kann zu denselben Konditionen zweimal verlängert werden, um je ein Jahr.

Es geht also um mindestens 730 000, möglicherweise aber bis zu 1,2 Millionen Euro Honorar.

Dabei steht die Kammer ohnehin unter Beschuss. Der Bundesverband freier Kammern klagt gegen die Zwangsabgabe, die die IHK von allen Mitgliedern erhebt, das Bundesverfassungsgericht hat sich der Prüfung angenommen. In München klagt ein Kinobetreiber mit Unterstützung desselben Verbandes. Dieser erhebt gegen die Münchner IHK Vorwürfe, vor allem, unangemessen hohe Einnahmen und Rücklagen zu bilden.

Vor einigen Monaten kündigte die Münchner IHK an, die Beiträge zu senken. Kurz darauf veröffentlichte sie in ihrer Vollversammlung ihr Bilanzergebnis für 2013: 54,9 Millionen Euro, ein Rekord.

© SZ vom 25.08.2014/tba
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