Süddeutsche Zeitung

Sanierung des IHK-Stammhauses:Verplante Zentrale

Bei der Sanierung des IHK-Stammhauses in München läuft einiges schief: Mit dem ehemaligen Generalplaner streitet man weiter um viel Geld, der Bau ruht bis auf Weiteres - und dann ist da noch die Sache mit dem teuren Beratervertrag.

Von Katja Riedel

Die Münchner Max-Joseph-Straße ist so etwas wie das Machtzentrum der Bayerischen Wirtschaft. Nicht ihre größten Unternehmen, aber ihre mächtigsten Verbände sitzen dort: die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, die Handwerkskammern, und eigentlich auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK). Doch für Letztere ist ihr Stammhaus mit der Nummer 2 vor allem eines: eine Riesenbaustelle, in der so schnell niemand arbeiten wird. Noch dazu eine, die nicht nur mächtig Geld kostet, sondern zuletzt auch eine Menge Ärger bereitet hat. Denn seit Monaten ruht der Bau - eine teure Angelegenheit. Jeder Monat kostet 200 000 Euro Miete im Ausweichquartier im Osten Münchens.

Völlig überraschend hatte sich die IHK im vergangenen Jahr von ihrem Generalplaner getrennt, einem renommierten Münchner Unternehmen. Man habe "die Reißleine gezogen", noch bevor die auf gut 73 Millionen Euro taxierte Sanierung in die Bauphase ging. Bis zum Herbst muss der neue Generalplaner nun ein neues Sanierungskonzept entwickeln, alle Gewerke müssen danach europaweit ausgeschrieben werden.

Was genau mit dem ursprünglichen Generalplaner schiefgelaufen ist, dazu will sich die IHK nicht äußern. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, heißt es. Seit mehr als einem Jahr müht man sich um eine außergerichtliche Einigung. Wann eine solche gefunden werden könne? Das werde noch Zeit in Anspruch nehmen, heißt es. Der Streit dreht sich um die Höhe des Honorars für die Planungsleistungen, und da gehen die Vorstellungen auseinander.

Schlussrechnung in Höhe von 9,16 Millionen Euro

Eine Schlussrechnung, die der ursprüngliche Planer Anfang dieses Jahres an die IHK verschickte und die der SZ vorliegt, beläuft sich auf etwa 9,16 Millionen Euro, wovon knapp 4,5 Millionen schon gezahlt sind, zuzüglich einer Sonderzahlung in Höhe von 800 000 Euro, die erst kurz vor der Trennung, am 26. August, überwiesen wurde. Letztere könne zurückgefordert werden, heißt es bei der IHK. Geschehen ist dies demnach aber noch nicht.

Die Schlussrechnung akzeptiert die IHK nicht. Diese weise Mängel auf, belege nicht den Leistungsstand. Seltsam ist auch, dass die Schlussrechnung sich auf einen Vertrag vom 12. August 2010 bezieht. Die IHK-Vollversammlung beauftragte das Unternehmen nämlich erst im März 2011 mit der Generalplanung. Die Firma sei am 8. Februar 2010 erstmals beauftragt worden, Schäden festzustellen und eine Grobschätzung zu erstellen, heißt es dazu bei der IHK.

Die IHK leistet sich zudem einen ziemlich teuren Berater

Bemerkenswert ist außerdem, dass die IHK laut Organigramm nicht nur einen externen Generalplaner für die Sanierung der Zentrale beauftragt hat, es gibt einen ganzen Stab, der sich um die Bauprojekte kümmert. Die Stelle der internen Projektleitung "Generalsanierung Stammhaus" weist dabei eine erstaunliche Fluktuation auf: Der erste Projektleiter wechselte laut IHK aufgrund einer Doppelbelastung und um "externe Bauexpertise" einzubinden, im Juni 2013 kam ein Nachfolger, der nur bis Oktober blieb, zwischen beiden gab es einen Interims-Projektleiter. Auch der Name, der im Oktober 2013 an die Position rückte, ist inzwischen wieder verschwunden - aufgrund einer "organisatorischen Neuaufstellung des Projektes".

Doch damit nicht genug. Die IHK leistet sich nämlich eine weitere, in diesem Fall besonders teure Expertise. Der SZ liegt ein Vertrag vor, der am 22. April 2013 unterschrieben wurde. Ein gutes halbes Jahr also, bevor der Generalplaner abgelöst wurde. Beauftragt wird ein externes Münchner Ingenieurbüro, das sich mit Projektsteuerung und Objektüberwachung beschäftigt. Persönlich bestellt wird einer der Geschäftsführer: Er soll sich vier Tage wöchentlich um die "Beratung der Entscheidungsträger der IHK in Bezug auf notwendige Maßnahmen und Entscheidungen in allen laufenden Immobilienprojekten" kümmern, teilt die IHK dazu auf Anfrage mit.

20 000 Euro monatlich - bei einer Vier-Tage-Woche

1200 Euro brutto darf er pro Tag berechnen, bei einer Vier-Tage-Woche erhält er dafür 20 000 Euro monatlich, so er die volle Leistung bringt. Wenn er mehr arbeitet, darf er nachberechnen, und er darf auch weitere Mitarbeiter seines Büros zusätzlich beschäftigen. Insider behaupten, dass dies der Fall sei. Der Beratervertrag, der nicht öffentlich ausgeschrieben wurde, läuft über 36 Monate, von Februar 2013 bis 31. Januar 2016, und kann zu denselben Konditionen zweimal verlängert werden, um je ein Jahr.

Es geht also um mindestens 730 000, möglicherweise aber bis zu 1,2 Millionen Euro Honorar.

Dabei steht die Kammer ohnehin unter Beschuss. Der Bundesverband freier Kammern klagt gegen die Zwangsabgabe, die die IHK von allen Mitgliedern erhebt, das Bundesverfassungsgericht hat sich der Prüfung angenommen. In München klagt ein Kinobetreiber mit Unterstützung desselben Verbandes. Dieser erhebt gegen die Münchner IHK Vorwürfe, vor allem, unangemessen hohe Einnahmen und Rücklagen zu bilden.

Vor einigen Monaten kündigte die Münchner IHK an, die Beiträge zu senken. Kurz darauf veröffentlichte sie in ihrer Vollversammlung ihr Bilanzergebnis für 2013: 54,9 Millionen Euro, ein Rekord.

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SZ vom 25.08.2014/tba
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