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Sanierung beschlossen:Die neue Großmarkthalle kommt

Grün-Schwarz hat sich durchgesetzt - trotz Zweifel der SPD: Münchens Großhändler sollen ihre Waren in einem "Lebensmittel-Frische-Zentrum" verkaufen.

München bekommt eine neue Großmarkthalle. Nach einem heftigen Streit innerhalb der rot-grünen Rathausspitze gab der Stadtrat der Kommunalreferentin Gabriele Friderich grünes Licht, mit den Planungen für das neue Bauwerk auf dem Sendlinger Gelände des Großmarktes sofort zu beginnen. Die oberste Werkleiterin der Markthallen, die den Grünen nahesteht, setzte sich damit gegen Bedenken von Stadtkämmerer Ernst Wolowicz und dessen SPD durch.

Großmarkthalle

Die alten Hallen sind marode. Das Kommunalreferat kann jetzt Pläne für den Neubau ausarbeiten.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Die Sozialdemokraten stehen zwar grundsätzlich ebenfalls hinter Friderichs Vorhaben, die sanierungsbedürftigen Großmarkthallen durch einen Neubau zu ersetzen. Sie wollten die Entscheidung über den Bau der neuen Halle erst dann treffen, wenn ein Gesamtkonzept belastbare Zahlen nicht nur über Bedarf und Kosten des Neubaus, sondern der nach ersten Schätzung wohl mehr als 100 Millionen Euro teuren Umgestaltung des gesamten Marktgeländes liefert (SZ vom 23. April).

Doch so lange wollten CSU, Grüne, Linke und ÖDP im Kommunalausschuss nicht warten und lehnten das Ansinnen der SPD ab. "Die Sache ist entscheidungsreif", erklärte sich die grüne Fraktionschefin Lydia Dietrich wortgleich einig mit CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk.

Damit kann das Kommunalreferat nun konkrete Pläne für den Neubau ausarbeiten. Münchens Großhändler sollen ihr Obst und Gemüse künftig in einer als "Lebensmittel-Frische-Zentrum" etikettierten Halle verkaufen, die auf einer Fläche des Marktes entstehen soll, auf dem derzeit die Lastwagen der Anlieferer parken. Das neue Gebäude soll die alten Markthallen ersetzen, die den Ansprüchen modernen Großhandels längst nicht mehr genügen - und so marode sind, dass der Betrieb in ihnen nur noch fünf Jahre weitergehen könne, wie die Werksleitung warnte.

Wie viel der Neubau kosten wird, sollen nun die konkreten Planungen des Kommunalreferats ergeben. Erste grobe Schätzungen einer von Unternehmensberatern erstellten Konzeptstudie kommen auf gut 53 Millionen Euro. Allerdings wäre das nur ein Teil der Kosten.

Das Zukunftsszenario für das Marktgelände, hinter dem bis auf die FDP alle Ratsparteien stehen, sieht vor, die denkmalgeschützte Halle 1 zu sanieren und anstelle der übrigen Hallen Bauten zu setzen, in denen weitere Mieter wie die bisher im Viehhof nördlich der Bahngleise untergebrachten Feinkosthändler unterkommen könnten. Das alles würde laut Studie noch einmal 66 Millionen Euro kosten, der beabsichtigte Verkauf des Viehhofgeländes aber nur 35 Millionen einbringen.

Parallel zu den Neubau-Planungen soll das Kommunalreferat nun ermitteln, wie groß die Finanzierungslücke tatsächlich ist - und wer wie viel davon schließt. So sollen die Händler im Neubau nicht nur deutlich höhere Mieten zahlen, sondern sich an Bau und Betrieb auch direkt beteiligen. "Man muss wissen, wie man mit dem Geld der Steuerzahler umgeht", rechtfertigte Bürgermeisterin Christine Strobl das Zögern ihrer SPD.

Friderich selber spielte den Koalitionsstreit herunter: Es sei "kein Drama", wenn der sozialdemokratische Kämmerer "eine andere Sicht auf die Dinge hat", so die Kommunalreferentin, wichtig sei, dass "nun alle hinter der großen Chance stehen, den Betrieb moderner zu machen".