S-Bahn nach Altomünster Endlich unter Strom

Neu und ungewohnt: Die S 2 nach Altomünster.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ludwig Thomas "Lokalbahn" fährt jetzt unter Strom: Viele Jahre lang war die Fahrt ins Dachauer Land eine langwierige Angelegenheit. Doch nach siebenmonatigem Umbau ist die S 2 nach Altomünster nun in Betrieb gegangen - und sie wird gut angenommen.

Von Benjamin Emonts, Dachau/Altomünster

Ein Ausflug von München aus ins Dachauer Land - das brauchte seine Zeit: Am Hauptbahnhof in die S 2 nach Petershausen, in Dachau umsteigen in die Linie A. Dann ging es mit gemütlichen 60 Stundenkilometern nach Altomünster - in einer Stunde und 13 Minuten. Zu sehen gab es dann Museen und zwei Brauereien mit eigenen Wirtshäusern, nicht zu vergessen die romanische Basilika am Petersberg bei Erdweg.

Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember geht die Anreise nun um einiges zügiger vonstatten: Nun fährt die S-Bahn im Halbstundentakt und nicht mehr nur jede Stunde - und sie ist nicht mehr die stinkende, langsame Linie A, sondern eine richtige S 2, Nebenarm Altomünster. Die S-Bahn fährt wochentags von München aus bis halb zwei Uhr nachts, nicht mehr wie vorher nur bis 20 Uhr. Am Wochenende ist Altomünster sogar bis nachts um halb drei Uhr erreichbar.

Die Züge sind voll

Vor drei Jahren fiel die Entscheidung für die Elektrifizierung der bis dahin einzigen stromlosen S-Bahn-Strecke Münchens. Sieben Monate wurde gebaut. 68 Millionen Euro kostete der Bau, 50 Millionen davon zahlte der Freistaat. Dafür wurden an die 600 Oberleitungsmasten aufgestellt, die 30 Kilometer Fahrdraht halten. Neun Bahnhöfe wurden umgebaut, Erdweg und Schwabhausen sind jetzt zweigleisige Kreuzungsbahnhöfe. 31 Bahnübergänge wurden so umgebaut, dass die Züge auf der kurvenreichen Strecke größtenteils 80 Stundenkilometer fahren können.

Die Bewohner des Dachauer Landes, so sind die Erfahrungen der ersten Tage, nehmen die neue S-Bahn hervorragend an, zu den Hauptverkehrszeiten sind die Züge so voll, dass mancher stehen muss. München-Pendler erreichen ihren Arbeitsplatz jetzt schneller, für die vielen Schüler aus dem Hinterland, die nach Dachau und Markt Indersdorf fahren, gibt es zusätzliche Züge. Kleinere Startschwierigkeiten nehmen die Fahrgäste bislang klaglos hin: An einigen Bahnhöfen funktioniert die Technik noch nicht reibungslos. So bleiben etwa die Bahnschranken länger geschlossen, als sie eigentlich müssten. Und als vor zehn Tagen der Innenminister Herrmann gekommen war, die neue Linie zu eröffnen, da begrüßte sie ihn, wie sollte es anders sein, mit einer Signalstörung.

Verwirrung bei den Anzeigen

Heute jubelt die Deutsche Bahn über die neue Linie, vor 20 Jahren aber wollte sie die Strecke noch auflösen. Damals wehrten sich Dachaus Kommunalpolitiker und erreichten einen Kompromiss: Sie beteiligten sich mit einem Millionenzuschuss am Kauf neuer Dieseltriebwagen. Dafür blieb die Strecke, die Ludwig Thoma in seiner "Lokalbahn" verewigt hatte, als Linie A erhalten. 100 Jahre nach ihrer Gründung ist sie nun eine vollwertige S-Bahn.

Allerdings müssen sich die Münchner offensichtlich erst noch an die neue Linie gewöhnen - und an die zugehörigen Beschriftungen an den Bahnhofs-Displays. Eine junge Frau am Hauptbahnhof ist irritiert: "S 2 Altomünster? Ich wollte doch nach Petershausen." Ein Mitarbeiter der Bahn beruhigt sie: "In Dachau können Sie nach Petershausen umsteigen, oder Sie warten auf die nächste S-Bahn, die direkt nach Petershausen fährt." Er könnte durchaus erwähnen, dass es in Altomünster Museen und Brauereien gibt, sich eine Reise dorthin also durchaus lohnen könnte.