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Rücksicht im Speiseplan:Lunchpakete zum Frühstück

Flüchtlinge in der Bayernkaserne

In der Kantine der Bayernkaserne essen Menschen vieler Nationalitäten und Religionen. Auch der Ramadan wird berücksichtigt.

(Foto: Marc Müller /dpa)

Die Verpflegung muslimischer Flüchtlinge wird auf deren religiöse Gebräuche umgestellt

Von Sven Loerzer und Günther Knoll

Die vergangenen Tage waren ziemlich anstrengend für viele der rund 400 Jugendlichen, die derzeit in sechs Häusern der Bayernkaserne leben. Als minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern allein auf gefährlichen Wegen nach Deutschland reisten, sind sie nun im sozialpädagogischen betreuten Aufnahmezentrum untergebracht, bis sie einen Platz in einer für sie geeigneten Jugendhilfeeinrichtung erhalten. Für die Muslime unter ihnen sind es besonders anstrengende Tage, denn es ist Ramadan. Wer geschlechtsreif ist, sollte fasten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken.

"Für die Kids ist das sehr schwer bei dieser Hitze", sagt Andreas Dexheimer von der Jugendhilfe München der Diakonie Rosenheim, die sich um die Betreuung kümmert. Dabei müssten sie nach Auslegung eines dazu befragten Imams, der die Flucht noch nicht als abgeschlossen bewertet, nicht unbedingt jetzt fasten. Menschen auf der Flucht können das Fasten nach den Regeln des Glaubens verschieben, bis sie endgültig angekommen sind. Doch das Fasten dann alleine für sich nachzuholen, sei nicht unbedingt einfacher, meint Dexheimer. Etwa die Hälfte derer, die mit dem Fasten begonnen hatten, hält trotz Hitze noch durch, schätzt Dexheimer. Der Caterer für die Unterkunft habe sich darauf gut eingestellt mit den Mahlzeiten: Spätabends gibt es das Abendbrot, vor dem Morgengrauen Frühstück. Und am Tag nach Ende des Ramadan, am Freitag, 17. Juli, werde das Zuckerfest richtig gefeiert, mit reichlich Essen und Programm. Im vergangenen Jahr habe für die Jugendlichen ein gemeinsames Lammgrillen stattgefunden, berichtet Ines Schantz, Sprecherin der Regierung von Oberbayern.

Auch bei den erwachsenen Flüchtlingen hat sich die Regierung auf die besonderen Anforderungen im Fastenmonat eingestellt. Einerseits gelte es den "Normalbetrieb" aufrecht zu erhalten für Asylbewerber, die nicht am Ramadan teilnehmen, wie etwa Christen aus Syrien und Eritrea. Deshalb würden die üblichen Essenszeiten der Kantinen in der Bayernkaserne beibehalten. "Zusätzlich gibt es anlässlich des Ramadan eine weitere, gesonderte Speisenausgabe von Sonnenuntergang an für etwa eineinhalb Stunden", erklärt Ines Schantz. Das besteht aus einem kalten Abendbuffet, zusätzlich werde ein Eintopfgericht angeboten. Dabei werde auch ein sogenanntes Ramadan-Lunchpaket ausgegeben, damit die Teilnehmenden ihr Frühstück vor Sonnenaufgang einnehmen können. Das besondere Angebot zu Ramadan werde gut angenommen: "Viele Teilnehmer sind dankbar, dass sie sich selbst in der Aufnahmeeinrichtung ihren religiösen Gebräuchen entsprechend verhalten können." Auch Andreas Herden, Leiter der Migrationsdienste bei der Inneren Mission München, stellt der Regierung von Oberbayern ein gutes Zeugnis für den routinierten Umgang mit den besonderen Anforderungen in der großen Aufnahmeeinrichtung aus. Die Bayernkaserne verfüge auch über Gebetsräume.

Für Cornelia Folger gehört der Ramadan zum Alltag - zum Schulalltag. Sie ist Leiterin der Städtischen Willy-Brandt-Gesamtschule im Harthof, wo ein Drittel der 1000 Schülerinnen und Schüler dem Islam angehören. Etwa 150 davon seien alt genug, um zu fasten, sagt Folger, das sei gewöhnlich mit dem Eintritt in die Pubertät verbunden. Und manche von diesen üben diesen religiösen Brauch auch aus, wie die Pädagogin weiß. Probleme damit gebe es an ihrer Schule nicht. Zuletzt bei der großen Hitze sei es ein oder zwei Mal vorgekommen, dass Schüler, die fasten, dem Unterricht nicht mehr hätten folgen können. Die schicke man da aber nach Hause, "damit sie sich hinlegen können", sagt Folger. Dass sich ein Schüler mit der entsprechenden Ausrede vor Hausaufgaben drücke, sei an ihrer Schule kein Thema, da man im Ganztagsunterricht alle Aufgaben erledige.

© SZ vom 07.07.2015
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