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Rechtsextremismus in München:Chronik brauner Gewalt

Schläge ins Gesicht, Hakenkreuze, Hetze gegen Juden: Die Liste an rechtsextremen Vorfällen in München ist erschreckend lang. Eine Dokumentation der Vorfälle seit 2006.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat den aktuellen Verfassungsschutzbericht am Montag vorgestellt. Die SZ dokumentiert nachfolgend eine Auswahl der Vorkommnisse in München mit erwiesenem oder mutmaßlichem rechtsextremistischen Hintergrund seit Januar 2006.

(Foto: Foto: ddp)

Hakenkreuze an der Fassade

12.Januar 2006: Der Kulturladen im Westend wird mit Hakenkreuz und SS-Zeichen beschmiert.

Polizisten bedroht

13.Januar: Die Polizei nimmt einen der Anführer der rechten Szene fest. Der Mann hat Beamte beschimpft und bedroht. Einen türkischstämmigen Polizisten soll er mit den Worten angegangen haben: "Ihr gehört vergast."

Marsch gegen Beckstein

14. Januar: Zum fünften Jahrestag des brutalen Überfalls von Rechtsextremisten auf einen Griechen in der Zenettistraße marschieren rund 150 Neonazis durch München, Motto: "Beckstein auf die Pelle rücken - Polizeiwillkür stoppen". Einer ihrer Redner skandiert die Parole "Deutschland Bullenstaat", weshalb er später rechtskräftig verurteilt wird. Am Hauptbahnhof bewerfen Neonazis Polizisten mit Flaschen, 13 der Rechten werden abgeführt.

Zivilbeamter verletzt

13.Februar: Bei einer NPD-Kundgebung auf dem Marienplatz schlägt ein Rechtsextremist mit einer Fahnenstange auf einen Zivilpolizisten ein. Dieser wird am Kopf verletzt.

Schläge in der U-Bahn

28. Februar: Ein 40-jähriger Marokkaner wird im U-Bahnhof Münchner Freiheit von zwei Tätern wegen seiner Herkunft beschimpft, sie schlagen ihm mit der Faust ins Gesicht.

Hakenkreuz auf Kirche

Februar: Eine Garchinger Kirche wird mit einem Hakenkreuz und "Sieg Heil" und "Juden ins KZ" besprüht.

Geburtstagsfeiern im Bunker

Frühjahr: Neonazis nutzen den Allacher Hochbunker für Geburtstagsfeiern.

Tiraden im städtischen Intranet

9.März: OB Christian Ude muss ein Diskussionsforum im städtischen Intranet schließen. Zunächst geht man von mehreren städtischen Angestellten aus, die sich in das Online-Forum mit Phantasienamen wie "Der Führer warnt" oder "Sauberes Deutschland" eingeloggt und rechtsextremes Gedankengut ausgetauscht haben. Die Untersuchung der Stadt ergibt, dass es sich nur um einen Mitarbeiter handelt. Er wird abgemahnt, "für eine fristlose Kündigung reichte es nicht", so das Personalreferat. Der Mann sei kein Rechtsradikaler.

Angriff auf Schwarzafrikaner

27. April: Drei junge Deutsche beleidigen am Hauptbahnhof zwei Männer aus dem Kongo, eine Frau soll gerufen haben: "Verpiss dich, Scheißneger." Später wirft sie einem der Schwarzafrikaner eine volle Bierflasche an den Kopf.

Skinheadband in Allach

29.April: Im Allacher Hochbunker tritt die Skinheadband Jagdstaffel auf. Auf einer Tafel sind ein Reichsadler und das Wort "Endsieg" aufgemalt. Die Polizei stoppt die Veranstaltung.

Polizist zeigt Hitlergruß

11.Mai: Zwei betrunkene Bereitschaftspolizisten, die privat eine Disco besuchen, geraten mit anderen Gästen in Streit. Dem Türsteher zeigt einer der beiden den Hitlergruß, dieser wird aus dem Polizeidienst entlassen, die Disziplinarstrafe ist aber noch nicht rechtskräftig.

Hakenkreuz am Balkon

9. Juni: In einer Wohnung feiern Rechte den Sieg der deutschen Fußballelf im WM-Eröffnungsspiel. Über die Balkonbrüstung hängen sie eine Hakenkreuzfahne, in der Wohnung findet die Polizei NS-Devotionalien.

Neonazi fliegt aus CSU

10. Juli: Die Münchner CSU schließt ein Mitglied aus der Partei aus, weil der Mann vielfältige Kontakte zur neonazistischen Szene hat.

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