Promis über ihr Abitur:Udes schlaflose Nächte

Nervös gewesen? Aussetzer gehabt? In Bayern beginnen die Abiturprüfungen. Sieben prominente Münchner erinnern sich an die Tests und das damalige Lebensgefühl.

Christian Rost

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Promis über ihr Abitur:Ludwig Spaenle, Kultusminister

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Quelle: SZ

An diesem Freitag beginnen für rund 32.000 Schüler in Bayern die schriftlichen Abiturprüfungen. Die Zitterpartie dauert, einschließlich des Kolloquiums, bis zum 19. Juni. Einige prominente Münchner haben sich für die SZ an ihre Reifeprüfung erinnert.

Süddeutsche Zeitung: Wann haben Sie wo Abitur gemacht - und mit welcher Note?

Ludwig Spaenle: 1980 am Wilhelms-Gymnasium in München. Das Ergebnis war eine 1,9.

SZ: In welchem Fach waren Sie überraschend gut?

Spaenle: Gut war ich in Geschichte, was ich später auch studiert habe.

SZ: Schlimme Symptome der Nervosität?

Spaenle: Am Morgen habe ich zu meinem Vater "Sie" gesagt.

SZ: Hatten Sie Ihre Note erwartet?

Spaenle: Eine gute Zwei hatte ich ungefähr erwartet. Die Grenze zur 1,9 habe ich dann doch um zwei Punkte überschritten. Da gehörte ein Stück Glück dazu.

SZ: Manche träumen noch Jahre später von den Prüfungen. Ihr Abitur-Albtraum:

Spaenle: In der Geschichtsklausur hatte ich die Fragestellung zunächst missverstanden und flott einen Kongress des 20. Jahrhunderts zu beschreiben begonnen. Den Fehler habe ich gerade noch rechtzeitig erkannt.

SZ: Zur Abi-Zeit gehört auch ein spezielles Lebensgefühl. Welcher Song erinnert Sie an damals?

Spaenle: Das "Isarflimmern" von Willy Michl.

SZ: Und wie war das Gefühl danach, als alles vorbei und bestanden war?

Spaenle: Ich war erleichtert, und es öffnete sich mir eine große Weite.

SZ: Heute beginnen die Abiturprüfungen. Was wünschen Sie den Schülern?

Spaenle: Die nötige Ruhe und viel Erfolg.

Foto: Alessandra Schellnegger

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Promis über ihr Abitur:Christian Ude, Oberbürgermeister

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Christian Ude: 1967 in München. Eine Gesamtnote wurde zum Glück noch nicht gebildet.

SZ: Wo waren Sie überraschend gut?

Ude: In Leibeserziehung, weil ich es beim Turnabitur erstmals und letztmalig in meinem Leben geschafft habe, einen Bauchaufschwung am Hochreck hinzubekommen.

SZ: Gab es auch Aussetzer?

Ude: In Latein, das habe ich aber schon vorher abgewählt, in Englisch und Chemie.

SZ: Waren Sie nervös?

Ude: Schlaflose Nächte hatte ich nur vor dem Deutschaufsatz, weil die ganze Klasse höhnte, ich würde beim Abitur zum ersten Mal keinen Einser schaffen.

SZ: Gab's dann eine Überraschung?

Ude: Außer der Deutschnote, die ich für einen Prestige-Fall hielt, waren mir alle anderen Noten egal.

SZ: Ihr Albtraum?

Ude: Der ist erst in meiner Anwaltszeit entstanden: Ich sitze als Rechtsanwalt in der Kantine des Amtsgerichts, da stürmt ein ehemaliger Mitschüler, ebenfalls Anwalt, in den Raum. Unser Abitur werde, weil es einige Fälle von Unterschleif gegeben habe, nicht mehr anerkannt, wir müssten es nächste Woche nachholen, sonst sei auch die Anwaltszulassung hinfällig. Diese Nachricht hat mich veranlasst, sofort Schulbücher zu kaufen, um abermals fürs Abitur zu pauken. Unter wüsten Verwünschungen der blöden Aufgaben bin ich dann schweißgebadet aufgewacht.

SZ: Ein Song aus Ihrer Abi-Zeit?

Ude: Alle Songs der Beatles.

SZ: Waren Sie erleichtert nach der Prüfungen?

Ude: Das Glück, es definitiv geschafft zu haben, konnte ich erst in den Sommerferien begreifen.

SZ: Ihr Rat an die Abiturienten?

Ude: Keep cool!

Foto: Alessandra Schellnegger

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Promis über ihr Abitur:Amelie Fried, Moderatorin

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Fried: 1975, mit 16 Jahren, in der Odenwaldschule/Heppenheim, meine Note war 2,1.

SZ: Wo waren Sie überraschend gut?

Fried: In keinem Fach. Die gute Deutschnote war nicht überraschend.

SZ: Aussetzer?

Fried: Wie erwartet: bei den naturwissenschaftlichen Fächern.

SZ: Symptome der Nervosität?

Fried: Ich hatte vor der ersten Prüfung Husten und eine halbe Flasche Hustensaft getrunken. Der enthielt Codein, so war ich entspannt. Ich musste eher aufpassen, nicht einzuschlafen.

SZ: Gab's eine Überraschung?

Fried: Da ich frei von jedem Ehrgeiz war, habe ich es genommen, wie's kam.

SZ: Ihr Abi-Albtraum?

Fried: Ich träume eher davon, als Moderatorin in eine Runde mit Talkgästen zu kommen, von denen ich keinen kenne.

SZ: Ein Song von damals?

Fried: "No Milk Today".

SZ: Und wie war das Gefühl, als alles vorbei und bestanden war?

Fried: Ein grandioses Gefühl der Erleichterung und Freiheit!

SZ: Was wünschen Sie den Schülern?

Fried: Viel Glück, gute Nerven und das bestmögliche Ergebnis!

Foto: Claus Schunk

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Promis über ihr Abitur:Konstantin Wecker, Musiker

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Konstantin Wecker: Am Theresiengymnasium, mit einem ziemlich durchschnittlichen Abschluss. Bis auf Latein, da war ich in diesem Jahrgang einer von den Besten.

SZ: Hatten Sie Aussetzer?

Wecker: In Altgriechisch und Geographie.

SZ: Symptome der Nervosität?

Wecker: Damals schon häufiger Harndrang.

SZ: Hatten Sie Ihre Note erwartet?

Wecker: Die war mir vollkommen egal.

SZ: Ihr Abi-Albtraum?

Wecker: Ich habe noch Jahre später geträumt, ich hätte kein Abitur. Es scheint mich irgendwie doch mehr mitgenommen zu haben, als ich gedacht hatte.

SZ: Ihr Song?

Wecker: Janis Joplins Songs.

SZ: Als alles vorbei war, war es ...

Wecker: ...befreiend. Ich hatte ein freies und nicht erfolgsorientiertes Studentenleben vor mir.

SZ: Was wünschen Sie den Prüflingen?

Wecker: Das Gefühl der siebziger Jahre. Ohne Angst vor der Zukunft und ein seelenerquickendes Studium der Geisteswissenschaften.

Foto: Robert Haas

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Promis über ihr Abitur:Nina Ruge, Moderatorin

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Nina Ruge: Am 10. Mai 1974 am Braunschweiger Mädchengymnasium, der Ina-Seidel-Schule, abgeschlossen mit 2,0.

SZ: Wo waren Sie gut?

Ruge: Ich hatte nur "sehr gut" und "gut". Wieso da nur eine "2,0" rausgekommen ist, weiß ich auch nicht.

SZ: Waren Sie nervös?

Ruge: Ich wurde immer total ruhig in Prüfungen und Abi-Klausuren. Das ist bis heute so.

SZ: Gab's eine Überraschung?

Ich wurde durch die Befreiung von der mündlichen Prüfung ausgezeichnet. Super!

SZ: Ihr Albtraum?

Ich muss zur Abi-Klausur - und werde durch Irrsinnsblödsinn aufgehalten. Ich komme viel zu spät!

SZ: Ein Song, der Sie an damals erinnert?

Ruge: The Doors, Deep Purple, Meat Loaf...Ich war alles andere als eine angepasste Schülerin, stand völlig weltfremd auf Marx-Lenin-Mao-Tse-tung und fand trotzdem die Herausforderung Mathe-Physik-Abi riesig gut.

Ruge: Was machten Sie nach der bestandenen Prüfung?

SZ: Einen Tag später bin ich von zu Hause ausgezogen. Mit 17.

Ruge: Ein Tipp für die Prüflinge.

SZ: "Im Auge des Orkans ist ganz große Ruhe." Das mit in die Prüfung nehmen, und alles wird gut!

Foto: Getty

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Promis über ihr Abitur:Wilhelm Schmidbauer, Polizeipräsident

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Wilhelm Schmidbauer: 1977 am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg - mit 2,0.

SZ: In welchem Fach waren Sie gut?

Schmidbauer: Optimal lief es in Deutsch, da mit Max Frisch ein Schriftsteller Thema war, den ich heute noch gerne lese.

SZ: Ging bei den Prüfungen etwas schief?

Schmidbauer: In einem Lieblingsfach: In Mathematik musste ich wegen eines Flüchtigkeitsfehlers in die mündliche Prüfung, um mit der Note 1 abzuschließen.

SZ: War die Note in Ordnung?

Schmidbauer: Die Krönung wäre ein Einser-Abitur gewesen. Aber ich war trotzdem sehr zufrieden.

SZ: Ihr Abitur-Albtraum?

Schmidbauer: Meine große Sorge war, zu verschlafen und die Prüfung zu versäumen. Deshalb hatte ich zur Sicherheit zwei Wecker.

SZ: Ein Song, der Sie an damals erinnert?

Schmidbauer: In der Diskothek und bei Feten wurde damals ein Lied rauf und runter gespielt: "Knowing Me, Knowing You" von Abba.

SZ: Wie war das Gefühl danach, als alles vorbei war?

Schmidbauer: Ich freute mich auf das Jura-Studium.

SZ: Was wünschen Sie den Kandidaten von 2009?

Schmidbauer: Lassen Sie sich bitte nicht verrückt machen! Und vergessen Sie bei aller Euphorie über das Ende der Schulzeit nicht: Das Abitur ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Das Lernen wird weitergehen.

Im Bild: Werner Schmidbauer, hier mit Nina Ruge bei der Vorstellung der SZ Kriminalbibliothek im Polizeipräsidium.

Foto: Haas

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Promis über ihr Abitur:Reinhard Wittmann, Literaturhaus-Chef

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Quelle: SZ

SZ: Wann haben Sie Abitur gemacht?

Reinhard Wittmann:1969 in Deggendorf, mit einer 1,3.

SZ: In welchem Fach waren Sie gut?

Wittmann:In Physik und Chemie lief es sehr gut, in Mathematik habe ich mir an einer Aufgabe die Zähne ausgebissen.

SZ: Wo gab es Aussetzer?

Wittmann:In Deutsch bin ich nicht so fertig geworden wie gedacht, aber es hat trotzdem zu einem "sehr gut" gereicht.

SZ: Hatten Sie Ihren Schnitt erwartet?

Wittmann:Ich hatte mich psychisch auf ein weniger gutes Ergebnis eingestellt, um keine unangenehme Überraschung zu erleben.

SZ: Ihr Albtraum?

Wittmann:Auch mir ging es so, dass ich über Jahre hinweg immer wieder davon träumte, den Prüfungstermin vergessen zu haben und unvorbereitet vor der Prüfungssituation zu stehen. Schrecklich.

SZ: Erinnern Sie sich noch an einen Song von damals?

Wittmann:An einen Song nicht. An dieses spezielle Lebensgefühl schon: alles diesem Ziel unterzuordnen; Konzentration auf das Wesentliche; alles andere auszublenden; enge Abstimmung mit Schulfreunden, gegenseitiges Überprüfen; herrlicher Frühsommer, Lernen im Garten unterm Pflaumenbaum - eine Zeit höchster Anspannung.

SZ: Erleichterung, als alles vorbei war?

Wittmann:Der Druck baute sich erst langsam ab. Und das Gefühl: Es hat sich gelohnt, du hast es geschafft, und zwar besser als gedacht.

SZ: Was wünschen Sie den Kandidaten, die jetzt über den Aufgaben schwitzen?

Wittmann:Dass sie, auch dank guter Lehrer, rechtzeitig mit den Vorbereitungen angefangen haben. Kollegialen Geist in der Klasse. Faire Aufgaben von Seiten des Ministeriums. Gute Nerven.

Foto: Catherina Hess Text: SZ vom 8.5.2009/pfau

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