Projekt zweite S-Bahn-Stammstrecke Schluss mit Träumerei - her mit konkreten Verbesserungen

SZ-Zeichnung: Dieter Hanitzsch

Lesermeinungen zum Artikel "Versprechen mit unbekanntem Wert" vom 26. November

"Versprechen mit unbekanntem Wert" vom 26. November:

Jetzt wird es aber wirklich peinlich. Da antichambrieren Münchner und bayerische CSU- und SPD-Granden (unter anderen OB Reiter und Verkehrs/-Innenminister Herrmann) am 24. November abends in Berlin bei Bundesverkehrsminister Dobrindt für die Finanzierung des zweiten S-Bahn-Tunnels durch den Bund, lassen sich von Dobrindt einsulzen, dass er "ohne Wenn und Aber" zur Bundesfinanzierung für diesen Münchner S-Bahn-Tunnel stehe: "Ich kenne kein Limit bei der Stammstrecke" (bitte aufgepasst: Dobrindt sagte wörtlich "Stammstrecke", also nicht "zweiter S-Bahn-Tunnel") und fahren euphorisch und glücks-beseelt - wie im Rausch nach dieser "Top-Stammstrecken-Nachricht" - wieder nach München zurück. Nur drei Tage später dann aber schon der knallharte Realitätsschock: Am 27. November, bei der namentlichen Verabschiedung des 317 Milliarden Euro großen Bundeshaushalts für 2016 (SZ vom 28./29. November: "Biblischer Etat") wurde kein einziger Cent im Verkehrshaushalt (für jedermann im Internet gut nachlesbar) für das Münchner Tunnel-Projekt vorgesehen. Dumm gelaufen. Statt mit Dobrindt hätte sich unsere Provinz-Politikerdelegation besser mit den tatsächlichen Entscheidern/"Schleusenwärtern" für die Ausgaben des Bundes an einen Tisch setzen sollen: mit den Mitgliedern des Haushaltsausschusses sowie Finanzminister Schäuble.

Gibt es schon jetzt kein Geld aus Berlin für unseren zweiten S-Bahn-Tunnel, weil 2016 mehr Geld für die Innere Sicherheit und die Integration von Flüchtlingen Vorrang hat, und weil noch nicht verbrauchte Geldbeträge aus dem Jahr 2015 mühsam den Haushaltsansatz für 2016 - mit dem Mantra "Schwarze Haushalts-Null" - gerettet haben, so wird für den darauf folgenden Haushalt 2017 - dann gewiss ohne Überschüsse aus dem Vorjahr wegen der erhöhten Flüchtlingskosten - erst recht kein Berliner Geld für Münchner Tunnelträume abzuzwacken sein.

Und die Gelder aus dem GVFG-Haushalts-Topf (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz)? Über diesen bescheidenen Betrag von 333 Millionen Euro jährlich balgen sich schon lange die ärmsten der Armen aus deutschen Städten und Ländern, um deren Verkehrsnotstände wenigstens marginal flicken zu können - also nun wirklich keine Gelder für das wohlhabende München.

Wie müsste es jetzt weitergehen? Wir Münchner sind viel vernünftiger und einsichtiger, als unsere CSU- und SPD-Granden mit ihren unfinanzierbaren Wunschträumen - und wir müssen sie endlich aus ihrer selbst gewählten Sackgasse befreien: Wenn die lang ersehnte Ferienreise in die Schluchten des Grand Canyon wegen des zu schmalen Familienbudgets leider ausfallen muss, so bleiben als preiswerte Alternative immer noch die Partnachklamm und die Weißbachschlucht. Sind beide auch wunderschön, nur eben erheblich preiswerter.

Ganz genau so ist es mit dem unfinanzierbaren zweiten S-Bahn-Tunnel. Seit einer Generation, von Jahr zu Jahr, werden wir Münchner vertröstet und hingehalten. Es reicht jetzt, denn es gibt auch hier preiswert finanzierbare Alternativen! Wenn die 3,1 Milliarden Euro - wahrscheinlich noch weitaus mehr - für den zweiten S-Bahn-Tunnel nicht aufzubringen sind, so muss auch hier endlich für München ein "Plan B" greifen: Sukzessive, step by step, diejenigen Verbesserungs-Maßnahmen - nach Prioritäten - umsetzen, die jeweils auf Sicht finanzierbar sind: Erstens die Fertigstellung des Lückenschlusses der U5 von Laim nach Pasing als dann preiswerter Bypass zur S-Bahn-Stammstrecke; zweitens ein sparsamer S-Bahn-Südring "light" (eine S-Bahn-Linie alle 20 Minuten und bei Sperrung der Stammstrecke auch die Flughafenbahn S 8), über die Sendlinger Spange, ohne Luxus-Ausbau, ohne Schnörkel, nur die Bahnsteige "Heimeranplatz", "Poccistraße" und "Kolumbusplatz" zur Vernetzung mit der U-Bahn. Drittens die Beschaffung von zusätzlichen S-Bahn-Zügen, um während der täglichen Rush-Hour endlich mit Langzügen (Drei-Triebwagen-Züge) statt der beengten Vollzüge (Zwei-Triebwagen-Züge) fahren zu können. Diese immer wieder geforderten Kapazitäts-/Platz-Erweiterungen um ein Drittel(!) durch neue S-Bahn-Züge müssten ja beim geträumten zweiten-Bahn-Tunnel auch angeschafft werden.

Wenn diese drei Maßnahmen abgearbeitet sind, geht es - auch wieder step by step - an die nächsten drei Maßnahmen. Diese für München finanzierbare Vorgehensweise muss nur politisch gewollt sein. Heinbert Janze, München