bedeckt München 15°

Pläne:Im Schwebezustand

Oberpfaffenhofen  DLR

In ihrer Freizeit geht die Astrophysikerin Suzanna Randall Gleitschirm fliegen oder Tauchen.

(Foto: Georgine Treybal)

Suzanna Randall will als erste deutsche Frau ins All. Jetzt hat sie ein Kinderbuch geschrieben, um Mädchen für die Raumfahrt zu begeistern

Von Jan Christoph Freybott

Für Suzanna Randall ist die Reise ins Weltall vertagt, mal wieder. Eigentlich hatte die promovierte Astrophysikerin die Hoffnung, Ende dieses Jahres zur internationalen Weltraumstation ISS zu fliegen. Doch auch solche Pläne kann das Virus zunichtemachen. Randall wäre die erste deutsche Frau im All. Weil die Corona-Pandemie die Suche nach Förderern ausbremste, hat die gebürtige Kölnerin die Zeit nun anderweitig genutzt und gemeinsam mit Insa Thiele-Eich, ebenfalls Anwärterin auf einen ISS-Aufenthalt, ein Kinderbuch geschrieben.

In "Unser Weg ins Weltall" erzählen die beiden von ihrer langwierigen Vorbereitung, etwa von Parabelflügen oder Tauchtrainings. Ihr Ziel ist es, mit dem Erstlesebuch Kinder für Naturwissenschaften und den Beruf des Astronauten zu begeistern, speziell Mädchen. Denn wie in den meisten naturwissenschaftlichen Berufen ist das Ungleichgewicht der Geschlechter in der Raumfahrt erheblich. "Als ich vor zwanzig Jahren in die Forschung ging, war es klar, dass es in den Naturwissenschaften einen Gender Bias gibt", sagt Randall, also dass es eine männerdominierte Branche ist. Erstaunt habe sie, dass die stereotypen Berufsvorstellungen die Zeit überdauerten - auch in den Köpfen von jungen Mädchen. Eine Achtjährige habe sie einmal ungläubig gefragt, ob das denn überhaupt ginge: als Frau Astronautin werden? "Das hat mich ehrlich gesagt schockiert", sagt Randall. "Dass zwei Astronautinnen auf dem Buchcover sind, war uns deshalb besonders wichtig", sagt Randall.

Wie wichtig ein weibliches Vorbild ist, weiß Randall aus eigener Erfahrung. In der Schule war sie den Naturwissenschaften nicht sonderlich zugetan, sagt sie. Doch ihr Wunsch, Astronautin zu werden, ließ sie von Englisch und Deutsch auf Physik und Mathe umschwenken. Ihr Traum vom Weltall wurde damals auch von Sally Ride geweckt, der ersten US-Amerikanerin im All. "Wenn die das kann, kann ich das auch", dachte sie sich, studierte Astronomie in London und machte ihren Doktor in Montreal. Heute arbeitet sie bei der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Garching bei München und erforscht mit dem ALMA Teleskop-Projekt in Chile die Entstehung der Sterne. Wie ihre Co-Autorin Thiele-Eich ist Randall 2018 von der privaten Initiative "Astronautin" ausgesucht worden, um mit einem kommerziellen Flug als erste deutsche Frau ins All zu fliegen. Seither halten die beiden Vorträge und veranstalten Camps und Schulbesuche, um Mädchen für Naturwissenschaften zu begeistern und Spenden zu sammeln.

Für die Basisausbildung habe das Geld gereicht, sagt Randall. "Aber 50 Millionen Euro schaffen wir so nicht". Diese Summe brauchen sie aber, um ins missionsspezifische Training einzusteigen und mit SpaceX oder Boeing zur ISS zu starten. Nun hoffen Randall und Thiele-Eich auf Unterstützung aus der Politik. "Wir wollen jetzt verstärkt auf die Landes- und die Bundesregierung zugehen", sagt Randall. Bereits im vergangenen Jahr seien Treffen vereinbart worden, unter anderem mit Ministerpräsident Markus Söder, coronabedingt aber entfallen.

Die Forderung, endlich auch eine deutsche Frau ins All zu schicken, ist indes nicht neu. Auch FDP und Grüne ließen bereits verlauten, die Bundesregierung müsse sich für mehr Frauen in der Raumfahrt stark machen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) postet nach einem Treffen mit Thiele-Eich auf Facebook, es müsse sich "dringend ändern", dass schon elf deutsche Männer im All waren und noch keine Frau. Auch bei der europäischen Weltraumorganisation (ESA) tut sich etwas in diese Richtung. Sie gab bekannt, neue Nachwuchs-Astronauten zu suchen und ermutigte explizit auch Frauen, sich zu bewerben. Unter dem siebenköpfigen Astronauten-Korps der Esa findet sich derzeit eine Frau.

Suzanna Randall ist mit dem Wunsch, die erste deutsche Astronautin zu werden, mittlerweile zu einer bekannten Persönlichkeit geworden und rührt die Werbetrommel auf allen möglichen Kanälen. Seit September ist sie Moderatorin des Youtube-Kanals "Terra X Lesch & Co", bei dem sie im Wechsel mit dem Physiker Harald Lesch naturwissenschaftliche Themen erklärt.

Dass es noch klappt mit dem Flug zur ISS - den im Übrigen entweder Randall oder Thiele-Eich antreten würden -, da sind sich die beiden sicher. Der Verlag hat bereits eine Fortsetzung zu "Unser Weg ins Weltall" angekündigt. Dann mit Berichten von der ISS.

© SZ vom 03.03.2021
Zur SZ-Startseite