Pläne für Islamzentrum in München Schluss mit Heimweh

Vor drei Wochen haben Benjamin Idriz und Alen Jasarevic ihr Moschee-Modell präsentiert.

(Foto: Catherina Hess)
  • Ein Architekt hat Pläne für ein "Münchner Forum für Islam" (MFI) vorgelegt, das nicht nur eine Moschee, sondern auch ein Museum, Läden und ein Gemeindehaus beinhalten soll.
  • Eine Moschee zu errichten ist in Zeiten von Pegida und Ängsten vor dem Islam jedoch nicht leicht. Das zeigen der Volksentscheid für ein Bauverbot von Minaretten in der Schweiz sowie ein Bürgerbegehren der rechtspopulistischen Bewegung "Pro Köln".
Von Laura Weissmüller

Es ist, als würden die drei Gebäude einen Begrüßungsknicks machen. Immer zwei von ihnen sind so auf dem rechteckigen Grundstück zueinander verschoben, dass sich ein spitz zulaufender Platz zwischen ihnen ergibt - und eine enorme Sogwirkung, die den Passanten von der Straße schnurstracks über die Freitreppen auf eine Art intime Piazza im Zentrum der drei Baukörper zieht.

"Wir wollen, dass sie quasi reinflutschen", sagt Alen Jasarevic. Der Architekt aus Mering hat die Pläne für ein "Münchner Forum für Islam" (MFI) entworfen. Das soll, wenn es denn so realisiert wird - was überhaupt noch nicht klar ist, da weder die Finanzierung steht noch dem Entwurf ein Architekturwettbewerb vorausgegangen ist -, nicht nur eine Moschee beinhalten, sondern auch eine Akademie, ein Museum, Läden, Studentenwohnungen und ein Gemeindehaus. Der Begriff Moschee reicht also lange nicht aus, um den laut Stadtbaurätin Elisabeth Merk "interessanten Beitrag zur Debatte über ein Islamzentrum" zu erfassen. Trotzdem steht immer Moschee drüber, wenn bislang über den Entwurf diskutiert wurde.

Islamfeinde sammelten Unterschriften gegen eine Moschee

Kein Wunder, in Deutschland eine Moschee zu errichten, ist kein leichtes Unterfangen. In Zeiten von Pegida und irrationalen Ängsten vor dem Islam hat sich dieser Konflikt noch zugespitzt. Doch Kuppel und Minarett reichten schon vorher aus, um gar nicht wenigen Einwohnern westlicher Länder Angst zu machen. 2009 stimmten die Schweizer per Volksentscheid für ein Bauverbot von Minaretten. In Köln versuchte zwei Jahre früher die rechtspopulistische Bürgerbewegung "Pro Köln", den Bau einer Großmoschee durch ein Bürgerbegehren zu stoppen und erhielt dafür 23 000 Unterschriften, von denen aber 7000 ungültig waren. In München sammelten Islamfeinde im vergangenen Herbst mehrere zehntausend Unterschriften gegen den Bau einer Moschee. Dabei gab es damals noch gar keine konkreten Pläne.

Jetzt gibt es sie. Und das, was Architekt Alen Jasarevic zusammen mit Imam Benjamin Idriz vom MFI entwickelt hat, hat nicht nur das Zeug, ein an guter zeitgenössischer Architektur erschreckend armes München mit einem städteplanerisch wie ästhetisch überzeugenden Gebäudeensemble zu bereichern, sondern auch - und das ist fast noch wichtiger - die Typologie, was eine Moschee in Deutschland heute sein kann, radikal fortzuschreiben. Vom Gebetshaus zum Treffpunkt für alle.

Aber der Reihe nach. Wer die Pläne studiert, die der 1973 geborene Architekt für das Grundstück an der Dachauer Straße im künftigen Kreativquartier entwickelt hat, kann ein Grundmotiv aus dem Entwurf herausfiltern. Es heißt: größtmögliche Offenheit. Das fängt bei der Entscheidung an, die verschiedenen Funktionen statt in einen hermetischen Block auf drei Gebäude zu verteilen. Dadurch entstehen Wege, die das Areal durchkreuzen. Auch wer als Fußgänger nur eine Abkürzung sucht, könnte einfach durch das Forum laufen - und sähe zwangsläufig, was hier alles zu entdecken ist.

Die Fassade wirkt wie eine ornamentale Baumrinde

Der Wunsch nach Offenheit drückt sich aber auch in der Anordnung der drei polygonalen, ein wenig an große Findlinge erinnernde Baukörper aus, die vielfach öffentliche Plätze ergeben. Eine geschickte Einladung an alle, sich hier, geschützt von Lärm und Straßenverkehr, aufzuhalten. Transparenz suggeriert hier ebenfalls die Fassade, die sich über sämtliche Baukörper zieht. Was wirkt wie eine ornamentale Baumrinde, soll aus schlanken, perforierten Betonstelen bestehen, die durch ihren Abstand voneinander von überall Durchblicke ermöglichen - wenn nicht sowieso große Fensterbänder den direkten Blick ins Innere des Gebäude zulassen.

Islam-Zentrum Modell einer Moschee
Islam-Zentrum in München

Modell einer Moschee

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Bleiben noch Kuppel und Minarett. Eigentlich bräuchte es beides laut Koran gar nicht. Doch der Architekt hat sich bewusst dafür entschieden - zum Glück. Denn das Minarett wird bei ihm zum skulpturalen Campanile. Die Kuppel hat er mit so viel Schwung über den größten Baukörper gezogen, dass sie ihn wie eine Kappe schmückt. Die traditionellen Bauelemente hat Jasarevic damit so transformiert, dass sie zu diesem Ort passen würden.

Neben der Architektur lässt sich aber auch das inhaltliche Konzept dem Grundmotiv zuordnen. Da wäre einmal das breite Angebot. So sieht der Plan ein Café vor und ein Museum, das neben Platz für Wechselausstellungen den Raum böte, die viel zu wenig bekannte, aber höchst spannende gemeinsame Geschichte von München und dem Orient zu erzählen. Eine überfällige Ausstellung und zwar für alle, die sich für diese Stadt interessieren.