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Oktoberfestattentat:Rechtsextreme planen Veranstaltung gegen neue Ermittlungen

München, Gaststätte Zum fleißigen Gartler in der Görzer Str.,

Der Vorsitzende des Kleingartenvereins SO 58 hat Karl-Heinz Hoffmann verboten, die Anlage zu betreten, in deren Gaststätte er sprechen will.

(Foto: Angelika Bardehle)

Der Gründer der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann will sich in München zu den Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat äußern. Die Stadt will das verhindern. Dabei könnte ihr das Hausrecht eines Kleingartenvereins helfen.

Von Thomas Anlauf

Der Neonazi und Gründer der verbotenen rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, will an diesem Samstag in einer Münchner Gaststätte gegen die Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat hetzen. Er werde in der Gaststätte "Zum fleißigen Gartler" im Münchner Süden "zu der Verschwörungstheorie von Ulrich Chaussy Stellung nehmen", schreibt der wegen Geldfälschung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie mehrerer Fälle von Freiheitsberaubung verurteilte Rechtsextremist.

Der Münchner Journalist Ulrich Chaussy recherchiert seit mehr als drei Jahrzehnten über die Hintergründe des Oktoberfestattentats am 26. September 1980, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Er widerspricht der offiziellen Theorie, dass der Attentäter Gundolf Köhler ein Einzeltäter gewesen sein soll. Köhler, der bei dem Attentat selbst ums Leben kam, war Anhänger der Wehrsportgruppe Hoffmann.

OB Reiter kritisiert Auftritt von Hoffmann

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verurteilt den geplanten Auftritt Hoffmanns scharf: "Es ist unerträglich, dass dieser bekennende Rechtsextremist und Gründer einer mittlerweile verbotenen terroristischen Vereinigung in München auftritt, um seine kruden Thesen zum Oktoberfestattentat wiederzugeben", erklärte Reiter am Mittwoch. Der Oberbürgermeister appellierte an den Gastwirt, bei dem Hoffmann auftreten will, "noch einmal zu überdenken, ob er diesem verurteilten Rechtsextremisten tatsächlich eine Bühne bieten möchte."

Marcus Buschmüller von der Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle Aida hält es für "unerträglich", dass einer aus dem ehemaligen Dunstkreis des Oktoberfestattentats in München auftrete. "Das ist gruslig."

Kleingartenverein verweigert Zutritt zum Gelände

Der Wirt der Gaststätte an der Görzer Straße wusste offenbar zunächst nicht, dass ein bundesweit bekannter Neonazi bei ihm auftreten will. Der Bezirksausschuss-Beauftragte gegen Rechtsextremismus hat unterdessen bereits mehrfach mit dem Wirt über das Thema gesprochen. "Unsere Hoffnung ist, dass der Wirt in sich geht" und Hoffmann doch noch den Auftritt in seiner Gaststätte verbiete, sagt Miriam Heigl von der Fachstelle gegen Rechtsextremismus im Rathaus. Sollte der Wirt sich zu dem Schritt entschließen, will ihm die Fachstelle Hilfe anbieten. Es sei offenbar keine politische Entscheidung des Gastronomen gewesen, Hoffmann eine Plattform zu bieten. Die Stadt unterstützt seit zwei Jahren aktiv Münchner Wirte, die sich weigern, in ihrer Gaststätte Rechtsextremen Räume zur Verfügung zu stellen.

Am Nachmittag sagte Helmut Krüger vom Kleingartenverein SO 58, der die Gaststätte verpachtet, dass er Hoffmann telefonisch unter Zeugen verboten habe, "unsere Anlage zu betreten". Er werde von seinem Hausrecht Gebrauch machen, sagte Krüger der SZ.

© SZ vom 27.11.2014/mmo
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