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NS-Vergangenheit:Späte Erinnerung

Tschechen protestieren in New York gegen das Münchner Abkommen, 1938

Gegen das Münchener Abkommen und die Appeasement-Politik: New Yorker demonstrieren im Oktober 1938 gegen die Besetzung des Sudetenlandes.

(Foto: Scherl/SZ-Photo)

Gedenktafel am früheren "Führerbau" zum Münchener Abkommen und den Folgen

Es ist kein Jahrestag, aber es wurde Zeit: An diesem Mittwoch um 12.30 Uhr enthüllt Bayerns Europaministerin Beate Merk eine Gedenktafel an der Musikhochschule an der Arcisstraße 12. Die 90 mal 50 Zentimeter große Tafel aus bruchsicherem Glas soll daran erinnern, dass in dem Gebäude, dem früheren "Führerbau" der Nationalsozialisten, am 29. September 1938 das "Münchener Abkommen" unterzeichnet worden ist. Immer wieder würden Gäste aus Tschechien und der Slowakei das Haus aufsuchen und nach einem solchen Hinweis Ausschau halten, bislang vergeblich, heißt es aus der Staatskanzlei. Das soll sich nun ändern.

In der Geschichte der Tschechoslowakei ist das "Münchener Abkommen" eine Zäsur: Mittelfristig brachte das Papier das Ende des seit 1918 unabhängigen Staates. Zudem gilt es als Symbol für das Zaudern, für die verhängnisvolle Beschwichtigungspolitik der Westmächte gegenüber Deutschland. Am 29. und 30. September 1938 empfing Adolf Hitler im repräsentativen "Führerbau" den französischen Premier Édouard Daladier, den britischen Premier Neville Chamberlain und den italienischen Faschistenführer Benito Mussolini. Zu viert wollten sie den Streit um die Autonomie der Sudetendeutschen beilegen - eine Krise, an deren Eskalation sich das NS-Regime fleißig beteiligt hatte. Das Abkommen sah vor, dass die Tschechoslowakei ihre mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Grenzgebiete an Deutschland abtrat; so sollte der Frieden in Europa bewahrt werden. Vertreter der Tschechoslowakei durften nicht mitreden; die Regierung in Prag wurde dazu genötigt, sich zu fügen. Wenige Tage später besetzten deutsche Soldaten das Grenzgebiet inklusive seiner Befestigungen.

Doch Hitler gab sich damit nicht zufrieden. Im März 1939 marschierte die Wehrmacht in das übrige tschechische Staatsgebiet ein, das Abkommen war gebrochen. Und im Westen wurde den Politikern klar, dass sie Hitler durch Einlenken nicht ruhigstellen konnten. "München" wurde zum Inbegriff einer gescheiterten Politik. Die USA verhängten nun Wirtschaftssanktionen gegen Deutschland, die Westmächte rüsteten auf, Frankreich und Großbritannien gaben im März 1939 eine Garantieerklärung für die Souveränität Polens ab. Mit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg.

An der Hochschule für Musik und Theater wurde bislang lediglich im Inneren an all dies erinnert: Im Foyer hängt ein Text mit der Geschichte des Hauses, ebenso im früheren Arbeitszimmer Hitlers, in dem das Abkommen unterzeichnet worden ist. Die neue Gedenktafel wird dagegen außen an der umlaufenden Mauer hängen, links neben dem nördlichen Eingangstor, dem früheren Haupteingang in den "Führerbau", der heute wegen des Platzbedarfs der Hochschule nicht mehr in Betrieb ist. Im Wortlaut wird dort knapp zu lesen sein: "In diesem Gebäude wurde am 29. September 1938 das Münchener Abkommen unterzeichnet, das zur Zerschlagung der tschechoslowakischen Republik führte" - und zwar in deutscher, tschechischer und slowakischer Sprache. Zur Enthüllung der Tafel erwartet die Staatsregierung unter anderem Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský und den slowakischen Botschafter Peter Lizák.