Neues Label Wohlhabend und qualitätsbewusst

Ein eigenes Label für den Nachwuchs hat Designerin Franziska Bergmiller auf den Markt gebracht.

(Foto: Robert Haas)

München ist das ideale Pflaster, um sich mit Kinderkollektionen selbständig zu machen

Von Franziska Gerlach

Franziska Bergmiller hat sich bewusst für Kinder entschieden. Denn Damenmode hat sie schon zur Genüge entworfen. Vier Jahre lang hat sie für Vivienne Westwood in London gearbeitet, später von Berlin aus ein eigenes Label geführt. In München versorgt die zweifache Mutter seit diesem Frühjahr Jungen und Mädchen bis zehn Jahren mit Tellerröcken, handbedruckten T-Shirts, Capes und Pumphosen. Eine Bluse hat sie ihrer eigenen Trachtenbluse nachempfunden. "Love Kidswear" heißt ihr Label, und diese Liebe zur Kindermode kommt auch darin zum Ausdruck, dass Franziska Bergmiller bei der Auswahl der Stoffe auf Bioqualität achtet.

Was in der Kindermode gar nicht geht - Reißverschlüsse am Rücken oder zu enge Sachen, sagt sie. Ein Knopf reiche aus. Und Denim finde sie zwar schön, einerseits. Andererseits würde sie nur einen sehr leichten weichen Jeansstoff wählen. "Sonst fühlen sich die Kinder nicht wohl." Die 37 Jahre alte Designerin hält ein blassblaues Bauernhemd hoch. Der weiche Batiststoff gleitet durch die Finger, und man kann sich die kleinen Münchner und Münchnerinnen darin vorstellen, wie sie mit ihren Fahrrädern um die Wette sausen, oder Gummitwist hüpfen - in einem x-beliebigen Hinterhof der Stadt.

Seit April hat Bergmiller mehr als 80 Stücke aus ihrer Kollektion verkauft. Momentan setzt noch eine Münchner Schneiderin die Entwürfe um. Längerfristig aber will Bergmiller im europäischen Ausland fertigen lassen. Ihre Produktion in Portugal baut sie gerade auf. Zugleich informiert sich die Designerin bei Stoffhändlern darüber, wie man "eine nachhaltige Lieferkette" gestaltet, wie sie sagt. Im nächsten Schritt will sie "Love Kidswears" dann auf Messen vorstellen. "Meine Hauptzielgruppe hat ein gehobenes bis mittleres Einkommen, lebt umweltbewusst und legt Wert auf Design und Qualität", sagt Bergmiller. Insofern sei München genau das richtige Pflaster, um sich mit Kindermode selbständig zu machen.

Angst vor der Konkurrenz hat sie nicht. Zwar sei es tatsächlich einfacher, Kinder zu benähen als Erwachsene, sagt Bergmiller, die an der Deutschen Meisterschule für Mode in München studiert hat. Man sehe den Unterschied in der Ausbildung aber einfach am Resultat. Da die Grenzen zwischen Hobby und Profession fließend sind, wird die Kindermode leicht unterschätzt. Modenschauen für Kinder hält sie für unangebracht, diese Budgetposten fällt also weg. "Man muss aber natürlich trotzdem eine Marke aufbauen", sagt sie, "und das Produkt genauso durchdenken." Andererseits erlebe sie die Kindermode als unbeschwerter, gerade weil sie mehr Chancen zum Ausprobieren biete.

In die Damenmode will Bergmiller jedenfalls nicht mehr zurück. Auch wenn sie schon darauf angesprochen wurde, weshalb es ihre Kreationen nicht für Erwachsene gebe.