Neuer MVV-Fahrplan Teurer und komplizierter

Nicht nur die Tickets kosten 4,5 Prozent mehr - auch im Netzplan ändert sich vieles: Von Sonntag an gibt es die neue Tram 23 und den S-Bahnhof am Hirschgarten.

Von D. Hutter

Höhere Fahrpreise, ein umgekrempeltes S-Bahn-Netz, der neue S-Bahnhof Hirschgarten und die Parkstadt-Tram - der Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag verlangt den MVV-Fahrgästen einiges ab. S5? Gibt es nicht mehr, stattdessen feiert die S3 ihre Auferstehung (Eine Übersicht über das neue MVV-Netz gibt es hier). Und weil die neuen Haltestellen bei S-Bahn und Tram eine Anbindung benötigen, ändern einige Stadtbusse ihren Kurs.

Eine Einzelfahrkarte für eine Zone kostet in Zukunft zehn Cent mehr: 2,40 Euro müssen die Fahrgäste nun bezahlen.

(Foto: Foto: ddp)

Auch im Fernverkehr gibt es Neuerungen. So rollen statt der angejahrten "Trenitalia"-Wagen moderne Zuggarnituren über den Brenner, bei den Nachtverbindungen gen Hamburg und Berlin werden die "Talgo"-Schlafwaggons aussortiert. Der neue Fahrplan gilt bis zum 11. Dezember 2010.

Für die Fahrgäste am unangenehmsten ist wohl der Aufschlag bei den Fahrpreisen des MVV - und der ist nicht von Pappe. Plus 4,5 Prozent gönnen Freistaat, Stadt und Landkreise den Verkehrsunternehmen, deutlich mehr als bei den Tariferhöhungen der vergangenen Jahre.

So kostet die Einzelfahrkarte für eine Zone künftig 2,40 statt der bisherigen 2,30 Euro, für die Streifenkarte mit zehn Streifen werden 11,50 Euro fällig (jetzt 11). Die Single-Tageskarte Innenraum wird um 20 Cent angehoben - auf 5,20 Euro. Die Preise für Monats- und Jahreskarten steigen erst zum Jahreswechsel an: von 42 auf 44,20 Euro pro Monat für die Isar-Card mit zwei Ringen.

Neu im Netz: Die Tramlinie 23 und der S-Bahnhof Hirschgarten

Als Grund für den Zuschlag geben die Unternehmen steigende Kosten an. "Wir verdienen ja mit dem Nahverkehr kein Geld, sondern finanzieren mit den Einnahmen ausschließlich unser Verkehrsangebot", beteuert MVG-Chef Herbert König, der diverse Problemposten in seiner Bilanz ausgemacht hat: die sinkenden Zuschüsse für Schülerverkehr und Fahrzeugkauf, die gestiegenen Löhne der Fahrer und der wachsende Reparaturbedarf bei den U-Bahn-Anlagen. Zudem müsse der immer höhere technische Aufwand für Fahrgastinformationen und Videoüberwachung wieder hereinkommen. "Die Alternative wären Kürzungen beim Angebot."

Die gibt es trotzdem, wenn auch in kleinem Umfang. So rollt die U-Bahnlinie 4 in der Hauptverkehrszeit nur noch bis zur Theresienwiese, derzeit steht noch Westendstraße auf dem Zielanzeiger. Die Verstärkerzüge der U6 rollen am Freitagnachmittag nicht mehr bis nach Fröttmaning, sondern enden an der Münchner Freiheit. Und im Spätverkehr vor Werktagen beginnt der 20-Minuten-Takt auf allen U-Bahnlinien 20 Minuten früher - es entfällt also ein Zug je Linie und Richtung.

Zusätzlich im Sortiment ist dagegen die Tramlinie 23, die im Zehn-Minuten-Takt von der Münchner Freiheit zur Parkstadt Schwabing fährt (Endhaltestelle Schwabing Nord). Mit Eröffnung der 23er gibt es von Norden her keinen Bus mehr zur Münchner Freiheit - ein herber Schlag für die Behinderteneinrichtung "Pfennigparade", die nach Abschluss der Gleisbauarbeiten auf die Wiederherstellung ihrer Direktverbindung ins Schwabinger Stadtteilzentrum gehofft hatte.

Viel Wirbel verursacht der neue S-Bahnhof Hirschgarten, gelegen an der Stammstrecke zwischen Laim und Donnersbergerbrücke. Da sich durch den Zusatzstopp die Fahrtzeit sämtlicher Linien verlängert, müssen die Linien neu auf die Außenstrecken verteilt werden (siehe Grafik). Von Sonntag an rollt die S3 von Mammendorf nach Holzkirchen, die S4 von Geltendorf nach Ebersberg, die S6 von Tutzing zum Ostbahnhof und die S7 von Wolfratshausen nach Kreuzstraße. Die Flughafenlinie S8 endet in Herrsching. Auf Kurs bleiben nur S1, S2, S20 und S27, allerdings ändern sich einige Abfahrtszeiten.

Im Fernverkehr übernehmen DB und ÖBB mit modernen Wagen den Italienverkehr. Und die nur mäßig ausgelasteten Nachtlinien nach Hamburg und Berlin rollen bis Hildesheim im Zugverband - statt der "Talgo"- sind künftig Standard-Nachtzugwaggons mit Economy-Betten im Einsatz.

Kleinere Änderungen gibt es auch bei den Beförderungsbedingungen. Segways etwa sind künftig in Bus und Bahn verboten.