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Nachruf:Sinn für Spitzenstoffe und Liebe zur Natur

Ruth Rosner, 2011

Ruth Rosner mit einem Foto des ehemaligen Hauses in der Dienerstraße 21, das im Krieg zerstört wurde.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Unternehmerin und Stifterin Ruth Rosner, frühere Inhaberin des Wäschehauses Rosner & Seidl, ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Von Martina Scherf

Ältere Münchner werden sich noch an das Wäschehaus Rosner & Seidl in der Altstadt erinnern. Generationen von Münchner Familien statteten sich in dem traditionsreichen Geschäft in der Dienerstraße 21 mit Bett-, Tisch- und Leibwäsche aus. Höhere Töchter erhielten dort ihre Aussteuer. Bedient wurden sie dabei oft von Ruth Rosner persönlich. Am 1. April ist die Unternehmerin und Mäzenin, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von 91 Jahren gestorben.

Als Damast, Spitzen und Linnen allmählich aus der Mode gekommen waren, schloss das Wäschehaus 1988. Damit ging auch eine 115 Jahre währende Münchner Firmengeschichte zu Ende, eine Geschichte, die auch viel vom Wandel in der Stadt erzählt. Ein schmiedeeisernes Gitter über den Schaufenstern des Kaufhauses Beck erinnert an das Wäschehaus Rosner & Seidl. Friedrich Rosner (1850 - 1925), der Großvater von Ruth Rosner, hatte die Kunstschmiedearbeit 1913 anfertigen lassen. Sie ist eine Verbeugung vor dem Prinzregenten Luitpold, der dort als Artilleriesoldat abgebildet ist, weil er an diesem Ort als junger Mann oft Wache stehen musste - zum Vergnügen der Stadtgesellschaft. Nach der Zerstörung des Hauses im Zweiten Weltkrieg konnte Ruth Rosners Vater Edmund das Gitter bergen, doch es blieb Jahrzehnte auf dem Speicher liegen - bis es Ruth Rosner entdeckte und 2011 wieder an alter Stelle anbringen ließ. Heute machen dort Stadtführungen Halt.

Friedrich Rosner war aus Straubing nach München gekommen und hatte zusammen mit Mathias Seidl den Textilhandel gegründet und wurde bald Hoflieferant. Doch auch das erstarkte Bürgertum kaufte bei ihm ein. Stadtarchivar Richard Bauer würdigte 2015 die Familiengeschichte in seiner Monografie über das Wäschehaus Rosner und schrieb, es sei eines der letzten Traditionsgeschäfte gewesen, "vom Publikum für die Atmosphäre, seine Gediegenheit und Gelassenheit geschätzt".

Ruth Rosner hatte das Geschäft 1967 vom Vater übernommen und bis 1988 fortgeführt. Neben dem Unternehmen und ihrer Familie war ihr der Naturschutz in Bayern ein Herzensanliegen. Seit ihrem Rückzug aus dem Münchner Geschäftsleben trat sie mit großzügigen Spenden für Umweltschutz und Heimatpflege hervor und gründete zwei Stiftungen.

Sie engagierte sich im Landesbund für Vogelschutz und für den Erhalt des Murnauer Mooses. Noch im Sommer 2018 griff sie, im Sommerkleid und Strohhut, beherzt zum Spaten, um den Grundstein für die Biologische Station im Moos zu legen. Ein Jahr später war sie bei der Einweihung dabei. Dort informiert seither eine Ausstellung über Geologie und Biologie im Murnauer Moos. Und es gibt regelmäßig Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche.

"Ich kaufe laufend Biotope auf, weil ich die Natur retten will", erklärte Rosner, als ihr Ministerpräsident Horst Seehofer 2017 den Bayerischen Verdienstorden verlieh. Die elegante Dame, die bei öffentlichen Anlässen immer bescheiden auftrat und kein Aufhebens um ihre Person machte, engagierte sich zudem mit sehr großzügigen Spenden für die Heckscher Kinderklinik in München. Dort spendete sie nicht nur ein Aquarium. Der medizinische Nachwuchs studiert dort in dem von ihr gestifteten Ruth-Rosner-Hörsaal.

© SZ vom 13.04.2021
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