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Nachruf:Das Recht und die Liebe

Stephan Haering Nachruf

Stephan Haering hatte seine erste Professur an der Uni Würzburg, 2001 folgte der Ruf an die LMU.

(Foto: Universität Graz)

Kirchenrechtler Stephan Haering ist tot

Der Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering ist tot. Der Benediktinerpater starb am Mittwoch überraschend im Alter von 61 Jahren in seiner Münchner Wohnung, wie der Abt von Kloster Metten, Wolfgang Hagl, am Donnerstag bestätigte. Haering galt als renommierter Vertreter seines Fachs. Er beriet die Deutsche Bischofskonferenz und war Herausgeber der Zeitschrift "Archiv für katholisches Kirchenrecht" sowie des "Lexikons des Kirchenrechts". Als berufenes Mitglied gehörte er dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern an.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, vormals selbst Professor für Kirchenrecht, würdigte Haering auf seinem Twitter-Kanal als einen hervorragenden Wissenschaftler. Der Ordensmann sei ein "bescheidener und stets hilfsbereiter Mitmensch, Kollege und Mitbruder, ein vorbildlicher Priester und Mönch" gewesen.

Der 1959 im niederbayerischen Grafenau geborene Haering trat 1978 nach dem Abitur am Benediktinergymnasium Metten in den dortigen Konvent ein. Von 1979 bis 1984 studierte er Theologie in Salzburg und empfing 1984 die Priesterweihe. Nach seiner Promotion 1987 in Salzburg folgten bis 1994 Studien der Germanistik, Geschichte und des Kanonischen Rechts an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

In dieser Phase konzentrierte sich Haering zunehmend auf das Fach Kirchenrecht. Von 1997 bis 2001 hatte Haering seine erste Professur für Kirchenrecht an der Universität Würzburg inne. 2001 folgte der Ruf nach München an die LMU. Seit 2011 war er auch für die Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz beratend tätig. Im Recht sah der Benediktiner nie einen Gegensatz zur christlichen Nächstenliebe; Recht sei vielmehr "das Minimum an Liebe", das einem Menschen geschuldet werde und damit Schutz für den Schwächeren, so seine Überzeugung.

© SZ vom 20.11.2020 / kna
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