Münchner Konzerte nicht ausverkauft Robbie für 25,50 Euro

Ist der Hype um die angeblich ausverkauften Konzerte nichts als ein PR-Gag auf Kosten der Fans? Konzertkarten gibt es noch jede Menge.

Von Birgit Lutz-Temsch

Fast zehntausend Fans standen im vergangenen November bei Eis und Schnee mitten in der Nacht im Olympiapark nach den ersten Konzertkarten für den damals noch einzigen Auftritt von Robbie Williams in München an. Aus diesem einen wurden erst zwei, dann sogar drei Konzerte - und diejenigen, die da in der Kälte ausgeharrt hatten, um an die vermeintlich raren Tickets zu kommen, ärgerten sich zurecht.

Noch zu haben: Robbie Williams.

(Foto: Foto: AP)

Zumal aus Insiderkreisen zu hören war, das Olympiastadion sei von Anfang an für drei Konzerte gebucht worden, der nächtliche Verkauf nur ein PR-Gag gewesen. Jetzt ist der Winter vorbei. Heute, morgen und übermorgen tritt the born entertainer Robbie Williams im Olympiastadion auf - das allerdings nur angeblich ausverkauft ist.

Denn bei München Ticket gibt es noch für alle drei Tage Karten, und zwar noch für jeweils zwei ganze Blocks. Die Plätze liegen zwar von den Sichtverhältnissen her etwas ungünstig ganz rechts und links von der Bühne, kosten dafür aber "nur" 65 Euro anstelle der zum Beispiel 87 Euro der besten Sitzplatz-Kategorie.

Der Ärger der Fans, die sich eine kalte Nacht um die Ohren schlugen, dürfte auch nicht kleiner werden, wenn sie einen Blick auf die Seite des Internet-Auktionshauses Ebay werfen: Denn dort prangte noch am Freitag als Ergebnis der Abfrage "Robbie Williams München" die stolze Zahl von 1027 Treffern, und die meisten Angebote umfassen mehrere Tickets. Wie Hohn steht diese Zahl auf dem Bildschirm, und die Preise verstärken das Gefühl noch, dass da irgendwas nicht stimmt mit dem großen Hype um den Ausverkauf: Etliche Anbieter haben ihre Karten mit dem Anfangspreis von einem Euro eingestellt, bei dem für die Verkäufer nur eine geringe Gebühr anfällt.

Dass dieser Preis bis Auktionsende jeweils so bleibt, ist natürlich unwahrscheinlich. Dass er unbedingt höher wird als der Ladenpreis, ist aber ebenfalls nicht gesagt: Ein Anbieter, der seine Stehplatzkarte, die bei München Ticket für 73 Euro zu haben war, für 85 Euro verkaufen wollte, fand am Freitag nicht einen einzigen Interessenten. Am Freitagabend steigerte sich der Preis einer Arenakarte in den letzten Angebotsminuten von 21,51 auf gerade mal 35,18 Euro, ein Sitzplatz ging für 42,15 Euro weg, und noch einer kletterte im letzten Moment von 10 auf 25,50 Euro. "Es sieht so aus, als würde Herr Williams genügend Konzerte für all seine Fans geben", sagt Alexander Langen dazu, Sprecher bei Ebay, wo man ganz andere Preise für Konzertkarten gewöhnt ist.

Am Sonntagmorgen resultierten noch 681 Treffer für "Robbie Williams München". An den Preisen hat sich nichts Wesentliches verändert. Am Montagmittag gibt es immerhin noch 378 Kartenauktionen, und noch immer wechselt ein großer Teil der Karten für um die 50 Euro den Besitzer - 20 bis 30 Euro weniger, als im Vorverkauf zu zahlen war.

Ein gewisses Risiko allerdings ist mit dem Kauf einer Konzertkarte bei Ebay durchaus verbunden: Das merkten erst vor kurzem etliche Depeche-Mode-Fans, die einem Betrüger aufsaßen, der im großen Stil gefälschte Tickets vertrieb und 180000 Euro einstrich. Erst am Konzertabend stellten die geprellten Käufer den Betrug fest: Weil sie an den Halleneingängen bereits von der Polizei erwartet wurden.

Bei Ebay allerdings wiegelt man ab: Ein Einzelfall sei dies gewesen. Wer sicher gehen möchte, dass die ersteigerte und im Voraus bezahlte Karte auch wirklich echt ist, solle sich das Profil des Verkäufers genauer ansehen, sagt Sprecherin Maike Fuest. "Wenn die Beurteilungen für die bisherigen Transaktionen positiv sind, kann man in der Regel darauf vertrauen, dass alles in Ordnung ist." Kartenfälscher dürften an Robbie Williams ohnehin unerwartet wenig verdienen - es gibt schließlich noch genügend echte. Ob sich für den born entertainer allerdings noch einmal Schlangen im Schneetreiben bilden werden, könnte fraglich werden. Vielleicht hat es sein Management diesmal übertrieben.