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Moderne Klassenzimmer:Ab in die Box

Insgesamt 23,5 Millionen Euro hat das Erzbistum für die Sanierung des Edith-Stein-Gymnasiums ausgegeben

Es gibt neue Fachsäle für Chemie, Physik, Musik und Kunst, die Klassenzimmer sind modern, und dort, wo früher der dunkle Toilettentrakt war, öffnet sich heute ein lichtes, freundliches Atrium. Doch ihr Lieblingsort im frisch sanierten Edith-Stein-Gymnasium seien die zwei neuen Treppenhäuser, sagt Schulleiterin Hildegund Nicklas. Die alten waren dunkel, die Wände leicht gelblich, die Türen dunkelgrün, und es gab ausschließlich künstliches Licht. Jetzt dagegen sind die Wände weiß, die Türen sind gläsern, und von oben fällt Tageslicht herein. Für Nicklas war es noch nie so schön, an ihrer Schule Treppen zu steigen.

Wärmedämmung und Brandschutz in dem 110 Jahre alten Gebäude des Edith-Stein-Gymnasiums sind nun auf dem neuesten Stand.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hildegund Nicklas sagt, sie sei derzeit überhaupt eine wirklich glückliche Schulleiterin. 2015 kam sie an die Schule im Bildungszentrum der katholischen Kirche an der Preysingstraße in Haidhausen. Und so sehr sie die ruhige, stille und freundliche Atmosphäre in dem reinen Mädchen-Gymnasium genoss, von Anfang an kreiste ihre Arbeit unter anderem um die bevorstehende Sanierung. 2017 hat diese begonnen, und jetzt, nur eineinhalb Jahre später, ist sie abgeschlossen. Am Freitag ist das renovierte Gebäude mit Festakt und Gottesdienst eingeweiht worden.

Schulleiterin Hildegund Nicklas freut sich über die modernen Klassenzimmer ebenso wie über das zentrale Atrium.

(Foto: Stephan Rumpf)

Insgesamt 23,5 Millionen Euro hat das Erzbistum München und Freising in das 110 Jahre alte Gebäude, das seit 1967 als Gymnasium genutzt wird, sowie in den vorübergehend nötigen Container-Behelfsbau gesteckt. Dabei ist das Edith-Stein-Gymnasium für die Kirche nur der erste Schritt: Sie baut derzeit generell ihr Bildungszentrum in Haidhausen aus. Die angrenzende Stiftungsfachhochschule erhält einen Neubau, künftig soll es außerdem eine Grundschule geben. Das Herzstück des Edith-Stein-Gymnasiums mit seinen derzeit 65 Lehrern und 620 Schülerinnen ist nun das zentrale Atrium, in das fünf kleine Aufenthalts- und Lern-Boxen eingebaut wurden - kleine, schachtelartige Räume, die wie Eisenbahn-Abteile wirken, nur mit Tischen. Die Lehrerinnen und Lehrer können die Boxen nutzen, um die Schülerinnen in Arbeitsgruppen aufzuteilen. Aber die Schülerinnen können dort auch in ihrer Freizeit zusammensitzen. "Die Boxen werden sehr gerne angenommen", sagt Nicklas. "In der Mittagspause sind immer alle voll."

Das Atrium bietet nun fünf kleine Aufenthalts- und Lern-Boxen, die von den Schülern gern angenommen werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Neu sind im Gymnasium auch eine Aula mit Wand-Mosaik, Beratungsräume im Untergeschoss und die Technik; so wurden etwa alle Klassenräume mit interaktiven Beamern ausgerüstet. Darüber hinaus wurden Wärmedämmung und Brandschutz verbessert, und auch die Akustik sei nun viel angenehmer, sagt Hildegund Nicklas: Die hohen Räume hätten vor der Sanierung stark gehallt.

Mit der Sanierung hatte an der Schule ein eineinhalbjähriger Ausnahmezustand begonnen. Die Lehrer unterrichteten in einem Container-Bau, der auf dem Sportplatz stand. "Das war für die Schüler nicht so schlimm", sagt Nicklas. Aber im Sommer sei es im Inneren sehr warm geworden. Außerdem gab es keine Fachräume etwa für Chemie, und offenes Feuer war in den Containern verboten; die Lehrer zeigten Experimente deshalb eben auf Video oder gingen für Versuche auf die Grünfläche vor der Schule. Und es fehlten auch ausreichend große Räume, in denen sich die Schülerinnen oder das Lehrer-Kollegium hätten versammeln können. "Wir hatten nicht einmal Platz für eine Klassensprecher-Versammlung", sagt Nicklas. Lehrerkonferenzen fanden während der Sanierung in der benachbarten Stiftungs-Fachhochschule statt, dort hätten die Schülerinnen zuletzt auch Abitur geschrieben. Und für einen Info-Abend lud Niklas in die Campus-Kirche des kirchlichen Bildungszentrums. Immerhin für die 50-Jahr-Feier der Schule 2017 konnte sie die Aula im eigentlichen Schulhaus benutzen.

Das alles ist vorbei. In der letzten Augustwoche zog das Gymnasium zurück in den Schulbau. Und jetzt sind nur noch Kleinigkeiten zu tun: Hier fehlen noch ein paar Sitzmöbel, die zum neuen, rot-orange-weißen Farbschema der Schule passen, dort fehlen noch Vitrinen, die Eingangstür hat noch kein Klingelschild, und auch das digitale "schwarze Brett" des Gymnasiums ist noch nicht richtig eingerichtet, am Rand der Monitore hängen einstweilen noch Hinweise auf Zetteln aus Papier.

Draußen dagegen werden die Bauarbeiten nun weitergehen, und auf dem Sportplatz hinter dem Edith-Stein-Gymnasium werden auch noch mehrere Jahre lang Container stehen - allerdings nicht mehr für die Gymnasiastinnen. Im Jahr 2019 soll der Unterricht in der neuen, zweizügig geplanten Grundschule beginnen. Bis deren Kinder einen festen Schulbau haben, wird es aber noch dauern. Die Kirche plant mit einer Einweihung des Gebäudes im September 2021.