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Moderne Hygiene:Eine Stadt wird gesund

Max von Pettenkofer beendete Münchens jahrhundertelange Seuchengeschichte

Die Geschichte Münchens ist lange die Geschichte von Infektionskrankheiten gewesen: Sie begann im späten Mittelalter mit der Lepra und der Pest, die über die Handelsstraßen eingeschleppt wurde und wiederholt Abertausende Menschenleben forderte. Sie setzte sich fort mit Syphilis, Typhus und anderen Leiden. Und ein Ende fand diese Geschichte erst im 19. Jahrhundert mit mehreren Cholera-Epidemien - und mit einem Mann, der die moderne Hygiene erfand: mit Max von Pettenkofer.

Im Juli 1854 war München in Feierlaune: Im eigens errichteten Glaspalast auf dem Gelände des heutigen Alten Botanischen Gartens, eröffnete die "Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung". Sie war ein Herzenswunsch von König Maximilian II.; zu sehen waren Lokomotiven und Foto-Apparaturen, Fabrikmaschinen und nicht zuletzt das Gebäude selbst, eine nach Art des Londoner Kristallpalastes gefertigte, 234 Meter lange Halle aus Gusseisen und Glas. Tausende Besucher kamen in die Stadt - doch sie brachten nicht nur Geld, sondern auch Bazillen mit. Erst klagten Bedienstete, dann Ausstellungsgäste über Bauchschmerzen und Übelkeit, sie erbrachen sich und litten unter flüssigen Durchfällen. Die Cholera war da.

In München brach Panik aus, viele Bürger flohen ins Umland, die Ausstellung verwaiste. Und eine Untersuchungskommission bat den damals 35-jährigen Universitätsprofessor Max von Pettenkofer, zu erforschen, wie es zu dieser Katastrophe hatte kommen können. Und dieser sah vor allem eins: den Dreck.

München hat keine römische Geschichte. Daher gibt es in der Stadt auch keine Reste einer antiken Kanalisation. Seit Jahrhunderten kippten die Münchner ihren Müll und ihre Abwässer vielmehr in Gruben im Umland oder in die Stadtbäche. Krankheitserreger gelangten rasch ins Grundwasser, und dieses wurde dann als vermeintlich frisches Trinkwasser aus den Brunnen geschöpft. Pettenkofer bezweifelte zwar, dass ein Bakterium alleine die Cholera auslösen konnte. Aber er führte die Seuche auf den durch Exkremente verschmutzten Boden zurück - und kämpfte darum, Abhilfe zu schaffen.

In München setzte Pettenkofer ein gigantisches Bauprojekt durch: den Bau der Kanalisation und einer zentralen Versorgung mit Trinkwasser. Es war ein Milliardenprojekt, aber erst jetzt konnte die Stadt wachsen, ohne am eigenen Schmutz zu ersticken. Um 1900 galt München gar als eine der saubersten Städte des Kontinents. Und Pettenkofer legte den Grundstein für einen neuen Wissenschaftszweig: die Hygienelehre. An der Ludwig-Maximilians-Universität gründete er ein Institut, das bis heute besteht. Mittlerweile trägt es als "Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie" seinen Namen.