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Model Papis Loveday:Boy Story

Model Papis Loveday erobert Münchens rote Teppiche. Er sagt: München hat Glamour, im Gegensatz zu Berlin. Wer ist der Mann?

Philipp Crone

Eine Frage ist entscheidend, bevor sich Papis Loveday mit Journalisten trifft: Kommt ein Fotograf dazu? Wenn ja, muss das 29-jährige Topmodel aus dem Senegal neben der Interview-Garderobe noch ein Foto-Outfit einpacken. So wie an einem sonnigen Abend im Glockenbachviertel. In weit ausgeschnittenem T-Shirt - darunter die Konturen eines grazil muskulösen Oberkörpers - setzt sich der Mann an den Tisch im Büro seiner PR-Betreuerin und beantwortet Fragen.

Ausgefallene Klamotten zum ausgeprägten Selbstbewusstsein: Model Papis Loveday.

(Foto: Robert Haas)

Warum er nach München gezogen ist, ob er wirklich das erfolgreichste schwarze Model der Welt ist, warum er zu einem Stammtisch lädt und warum München Glamour hat, Berlin aber nicht. Danach verändert sich der Mann mit der ruhigen Stimme und dem glatt rasierten Kopf.

Für das Foto zieht er sich um: schwarze Shorts und Weste, mit silbergrauen Militärorden bedruckt, Springerstiefel. Dazu eine massive Goldkette um den Hals, so geht er zum Brunnen in der Mitte des Gärtnerplatzes. Alle Passanten schauen ihm nach. Alle. Es habe sogar schon Unfälle gegeben, sagt die Agentin, weil manche bei Lovedays Anblick den Straßenverkehr vergessen haben. Die Menschen stellen sich dann wohl die Frage: Wer ist dieser Mann? Ein It-Boy?

Jemand, hinter dessen oft ungewöhnlicher optischer Fassade eher Gewöhnliches steckt, wird in Klatschmagazinen gerne mit dem Präfix "It" belegt. Bislang gab es vor allem It-Girls, Frauen mit dem gewissen "Etwas". Frauen, über die berichtet wurde, weil sie - meist in Aufsehen erregenden Garderoben - über jeden sich bietenden roten Teppich liefen, aber sonst nicht viel zu tun hatten. Zum Beispiel Paris Hilton, von Beruf Erbin, oder in München die Dame namens Davorka, die es bei ihren Auftritten mit oft nur dürftig bedeckter Oberweite in Magazine und Zeitungen schaffte. Das It-Prinzip lautet: so lange auf Veranstaltungen auftauchen, bis man dazugehört.

Auch Loveday - kein Künstlername, sagt er - läuft in grellen Outfits über rote Teppiche. Ist er ein It-Boy? "Nein!" Das klingt beinahe verärgert. Aber nur beinahe. Denn der Mann ist Profi. Wer für Armani, Dior, Gucci und Benetton läuft, den bringt nichts so leicht aus der Fassung. Der erklärt nach der Aufzählung solch bekannter Designernamen, dass es schon stimme, wenn man ihn als erfolgreichstes schwarzes Männermodel bezeichnet.

Aber belegt ist das freilich nicht. Und als Medienkenner erzählt er seine Geschichte so, dass der Eindruck entsteht, er vertraue sie zum allerersten Mal jemandem an. Sie handelt davon, wie Loveday vor acht Jahren entdeckt wurde: Er war Leichtathlet, ein Sportfotograf knipste ihn beim Training in Paris, jemand von Benetton sah die Bilder und prompt wollten sie ihn für eine Kampagne. Zu der Zeit hatte Loveday noch den Plan, weiter Informatik zu studieren.

Nun geht Loveday in München über rote Teppiche, um sich und seinen "Brand", wie er es nennt, zu vermarkten. Bald soll es Papis-Parfums geben, den Duft eines "exzentrischen Mannes", wie er sich beschreibt. "Andere tragen auffallende Klamotten, um aufzufallen, ich trage sie, weil ich so bin." Ein bunter Hund, der seit kurzem in München wohnt und nicht mehr in Mailand.

Warum macht er so etwas?

Er hat sich schnell eingelebt in der Stadt, lernt Deutsch und lädt regelmäßig zu einem Stammtisch, zuletzt am vergangenen Donnerstag. Es wurde eine Faschingsfete, die Gäste kamen verkleidet. Warum macht er so etwas? Loveday erklärt, er sei eben kommunikativ. Stimmt. Und er hat zudem verstanden, wie man sich ein Netzwerk in München aufbaut.

Papis Lovedays Gesellschaftstheorie lautet so: "Eine Stadt hat dann Glamour, wenn sich die Bewohner gerne passend zur Umgebung anziehen." Wie München, sagt er, zum Beispiel elegant im Club Heart oder im Restaurant Brenner. Deshalb habe München Glamour, Berlin nicht. Dort gehe doch jeder in jedem Outfit überallhin.

Ein weit gereistes Topmodel attestiert München Glamour? Da s klingt toll. Vielleicht hat Loveday aber auch einfach schnell verstanden, dass man an der Isar mit solchen Aussagen gegen den Berlin-ist-cooler-als-München-Komplex dieser Stadt wunderbar punkten kann.

Klever und smart, der Mann. Auch beim Foto-Shooting. Statt zu warten, wie ihn der Fotograf hinstellt, schlägt er selbst eine Position vor. Ein mündiges Model, das sich München ausgesucht hat. Warum? Weil es in Europa so günstig liegt, sagt Loveday, da müsse er zur Arbeit in die anderen Städte nicht lange fliegen. Auch hier könnte es noch einen weiteren Grund geben: Der bunte Hund zieht in eine Stadt, die ihre Paradiesvögel bedingungslos feiert, weil sie nicht mehr so viele davon hat.

© SZ vom 31.05.2011/sonn
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