Mit Satire gegen Nazis:"Überfremdung im Obstgarten"

Die Front Deutscher Äpfel kämpft mit Satire gegen Nazis und fordert: "Weg mit faulem Fallobst."

Christina Warta

Sie tragen Armbinden mit schwarzen Äpfeln und fordern "Weg mit faulem Fallobst": Die Mitglieder der "Front Deutscher Äpfel" (FDÄ) parodieren Nazis, am Samstag waren sie bei der Demo in München dabei. Sandro Odak, der sich Gauleiter nennt, erklärt die Form der Demonstration.

Mit Satire gegen Nazis: "Rechte wollen nur in den seltensten Fällen zu uns": Die Front Deutscher Äpfel parodiert die Nazis.

"Rechte wollen nur in den seltensten Fällen zu uns": Die Front Deutscher Äpfel parodiert die Nazis.

(Foto: Foto: ahed)

SZ: Was ist und was will die FDÄ?

Odak: Die Front Deutscher Äpfel ist eine Satire-Organisation, die das Auftreten, die Rhetorik und die Zeichen von Alt- und Neonazis kopiert und ins Lächerliche zieht, um so aufzuzeigen, wie dämlich die rechte Gegenseite doch tatsächlich in vielen Fällen ist. Einerseits möchten wir so ein wenig Spaß in die Demo bringen. Andererseits wollen wir ein wenig schocken, was bisher eigentlich fast immer geklappt hat.

SZ: Wie ist Ihre Gruppe entstanden?

Odak: Gegründet wurde die Gruppe von Alf Thum. Der Aktionskünstler aus Leipzig wollte gegen die 2004 in den Landtag einziehende NPD-Fraktion eine Aktion starten, die sich nicht nur auf "Latschdemos" und "Nazis raus!"-Gebrüll konzentriert. Heute ist die FDÄ in fast allen Teilen Deutschlands mit Gauen und Kringeln vertreten. Dazugehören kann eigentlich jeder, wir sind vollkommen parteiübergreifend. Einzig ausgeschlossen sind Rechte, aber die wollen auch nur in den seltensten Fällen zu uns.

SZ: Ihre Auftritte sind bühnenreif. Üben Sie regelmäßig?

Odak: (lacht) Das wäre schön. Zu Treffen kommt es abseits von Demos und Demovorbereitungen leider nur selten. Die Texte schreiben wir selbst, angelehnt ist das Ganze an Redewendungen aus der Szene oder der NS-Zeit, die wir natürlich humoristisch überspitzen.

SZ: Zum Beispiel, indem Sie "keine Überfremdung des deutschen Obstbestandes" fordern und die FDÄ als "einzig wahre nationale Kraft in Deutschland" bezeichnen. Befürchten Sie nicht, von den falschen Leuten Applaus zu bekommen?

Odak: Das dürfte heutzutage nicht mehr passieren. Die Apfelfront ist auch unter den dämlichsten Rechten hinreichend bekannt. Und nach Flugblatt-Verteilungen und unserem Auftreten sollte jedem klar sein, um was es bei uns geht. Falls jemand die Aktion immer noch nicht versteht, klären wir vor Ort unter den Unwissenden gerne noch auf.

SZ: Warum setzen Sie gegen Neonazis auf Parodien? Das ist ja eine Gratwanderung ...

Odak: Wir finden, dass man sich über Neonazis auch lustig machen darf. Es ist aber immer eine Gratwanderung, nicht pietätlos zu werden. Eine Verhöhnung der Opfer zu vermeiden, steht bei uns natürlich ganz weit oben auf der Agenda.

SZ: Wie sind die Reaktionen der Rechten auf ihre Auftritte - werden Sie verfolgt oder bedroht?

Odak: Im Internet trifft man ja zwangsläufig aufeinander. Man hat uns zu verstehen gegeben, dass man unsere Art von Gewaltlosigkeit in gewisser Weise zu schätzen weiß. Gleichzeitig hat man uns aber wissen lassen, dass man sehr wohl weiß, wie wir heißen, wo wir arbeiten oder wohnen. Als direkte Bedrohung sehe ich persönlich das nicht, aber man denkt schon irgendwann nach, ob nicht doch mal jemand vor der Tür stehen könnte. Verstecken werden wir uns jedenfalls nicht, damit tun wir der Gegenseite letztlich nur einen Gefallen.

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