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Mietmarkt in München:Helfer in der Wohnungsnot

Kettenbrief statt Maklergebühr: Andreas Kräftner verschickt jede Woche eine E-Mail mit Wohnungsangeboten an Münchner. Helfen konnte er so schon vielen.

Lisa Sonnabend

In München gibt es Hunderte Menschen, die Andreas Kräftner dankbar sind. Neulich erst kam eine junge Frau in die Favorit Bar, als Kräftner gerade dort auflegte, näherte sich ihm und sagte: "Danke für alles!" Dann ging sie wieder zur Tür heraus.

Andreas Kräftner

"Aufhören kann ich jetzt jedenfalls nicht mehr": Andreas Kräftner vor seinem Büro in Giesing.

(Foto: Foto: sonn)

Kräftner ist Produktdesigner, Hobby-DJ - und gibt den Newsletter "Wohnungsalarm" heraus. Etwa einmal pro Woche verschickt der 38-Jährige per E-Mail Wohnungsangebote und -gesuche an 1200 Münchner. Wie bei einem Kettenbrief wird der Newsletter weitergeleitet. Wie viele so schon eine Bleibe gefunden haben, ist ungewiss. Den vielen Danksagungen zufolge müssen es eine Menge gewesen sein.

Angefangen hatte alles eher unfreiwillig. Ein Bekannter hat einen Nachmieter gesucht und Kräftner hat im Freundeskreis eine E-Mail verschickt. Daraufhin hat sich wieder einer bei ihm gemeldet. So hat sich das Ganze hochgeschaukelt, bis Kräftner irgendwann "Wohnungsalarm" darüber geschrieben hat und regelmäßig Wohnungsangebote verschickte. Erst bekam den Newsletter sein Freundeskreis, inzwischen sind Adressaten dabei, die Kräftner nur noch über ein paar Ecken kennt. "Aufhören kann ich jetzt jedenfalls nicht mehr", sagt Kräftner und grinst.

Die Mieten in München sind so teuer wie in keiner anderen deutschen Stadt. 10,98 Euro Nettomiete muss man hier im Durchschnitt für einen Quadratmeter bezahlen. Um die wenigen freien Wohnungen prügeln sich Studenten, junge Familien und Geschäftsmänner. Wer am Ende einziehen darf, entscheidet meist der Kontostand. Bei anderen Wohnungen kommt es darauf an, wie viel Maklergebühr sie bereit sind zu zahlen. Kräftner kann sich über diese "Maklerkiste" ununterbrochen aufregen.

Als Protest gegen die Wohnungssituation in München sieht Kräftner den Mailverteiler allerdings nicht - er bezeichnet es als "Gefallen an Unbekannte". Auch in anderen Städten wie Hamburg oder Berlin haben sich ähnliche Initiativen gebildet, die versuchen, aus privater Kraft die Wohnungsnot zu lindern.

Kräftner macht allerdings nicht nur die Wohnungsnot in München verantwortlich dafür, dass so viele Münchner Probleme bei der Suche haben. Kräftner kann den "Glockenbachwahn" der Münchner nicht nachvollziehen, sondern macht sich für Münchens Vororte stark. "Alle wollen ins Zentrum, in die Isarvorstadt - oder vielleicht noch Maxvorstadt und Schwabing", sagt er. "Wenn München ein kleines Dorf wäre, würden alle neben der Kirche wohnen wollen."

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