Melli Zech:Band der Woche

Lesezeit: 2 min

Von Rita Argauer

Idealismus wird im Popgeschäft oft belächelt. Schlicht, weil derjenige, der sich ernsthaft mit seiner Musik für etwas einsetzt, eben bisweilen nicht sonderlich cool rüberkommt. Die Coolen, das sind die Abgebrühten, die sich nicht aus der Gelassenheit bringen lassen. Und cool ist nun einmal spätestens seit den Siebzigerjahren zum doch recht präsenten Diktum der Popwelt geworden. Natürlich gibt es Ausreißer wie die Wut der Punks oder die oft beißende Sozialkritik mancher Hip-Hop-Acts. Doch das bisweilen etwas naive Hoffen und gleichzeitige Pochen auf eine bessere Welt, das die Hippies in den Sechzigerjahren noch voller Überzeugung aufs Tableau gebracht haben, das ist dahin.

Vielleicht überrascht auch deshalb die Attitüde von Melli Zech . Die erst 17-jährige Münchner Songwriterin wirkt auf den ersten Blick naiv. Sie liebe die Musik, wie sie nicht müde wird, zu betonen. "Für mich ist Musik alles. Mein ganzes Leben dreht sich um sie." So einfach drückt sie das aus. Und so einfach geht sie auch an ihre Musik heran. Mit sechs Jahren bekam sie ihre erste Gitarre geschenkt, seitdem hat sie Unterricht. Später brachte sie sich noch selbst das Klavierspielen bei und probierte sich an anderen Instrumenten. Doch vor allem begann sie, Songs zu schreiben. Und auch hier ist eine gewisse Unbefangenheit spürbar: Melli macht nicht Musik, weil sie sich irgendeinen Stil von einem bekannten Künstler abgeschaut hätte, sie schreibt Songs, die ihr gerade so einfallen. Wild ist natürlich die Mischung bisweilen. Etwa, wenn das mit ruhiger und belegter Sprechstimme vorgetragene "Addiction" von dem im hüpfenden Reggae-Off-Beat gehaltenen "Memories" abgelöst wird. "Was ist ein eigener Sound eigentlich?", fragt Melli hingegen, denn irgendwie sei doch alles schon einmal da gewesen. Deshalb gar nicht weiter über so etwas nachdenken, sondern eben einfach Songs schreiben, die stimmig sind, überzeugend.

Doch ganz so leichtfüßig, wie diese Herangehensweise ist, ist Mellis Weg zur Musik dann doch nicht vonstatten gegangen. Als Kind habe sie eine ernste Blut-Erkrankung gehabt, die sie glücklicherweise besiegen konnte. Allerdings mit dem Ergebnis, dass sie in der ersten Klasse fast taub gewesen sei. Eine Operation half, aber auch der Tipp eines Lehrers ihrer Sprachförderschule, dass Melli doch ein Instrument lernen sollte, um über die Musik das normale Hören und vor allem auch Lesen und Schreiben zu lernen. Eine dementsprechend enge Bindung hat Melli zu ihrer ersten Gitarre aufgebaut. Dass Musik also ein Teil ihres Lebens bleiben sollte, war klar. Sie absolvierte eine Tontechnik-Ausbildung und schloss ein paar weitere Kurse über Popmusik an. Später möchte sie jedoch eine Ausbildung zur Sozialpädagogin machen, um Kindern Musik nahezubringen und ihnen zu helfen. Das ist idealistisch und im bisweilen oberflächlichen Pop-Geschäft auch richtig mutig.

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