Medien & Gesundheit Wenn Kinder zu viel gaffen

Symposium zu den Folgen der intensiven Mediennutzung

Von Stephan Handel

Kinder sollten nicht zu viel fernsehen - diese Erkenntnis ist schon fast so alt wie das Medium selbst. Heute allerdings sind die Verlockungen noch größer geworden. Therapie: Nicht nur, dass es auf mehreren hundert Sendern, frei Haus ins Wohnzimmer geliefert, keinen Sendeschluss mehr gibt. Es konkurrieren auch noch vielfältige Online-Angebote, Youtube, Facebook, Twitter, von den unendlichen Welten der Computerspiele ganz zu schweigen. Wie wirkt diese mediale Dauerbeschäftigung auf Kinder und Jugendliche? Damit befasst sich ein Symposium an diesem Montag unter dem Titel "Medien & Kindergesundheit: Was tut Körper Geist und Seele gut?"

Veranstalter des Symposiums ist die "Stiftung Kindergesundheit", gegründet von Berthold Koletzko, im Hauptberuf Arzt am Haunerschen Kinderspital, dort Leiter der Abteilung Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin. Er hat die Stiftung vor bald 20 Jahren gegründet - aus einer Erkenntnis heraus: "Wir haben heute so gute Bedingungen für die Behandlung von kranken Kindern wie noch nie", sagt Koletzko. "Dabei übersehen wir aber oft, dass viele gar nicht beim Arzt oder im Krankenhaus sein müssten." So widmet sich die Stiftung der Prävention, der Forschung darüber - und wie sich das eine mit dem anderen verbinden lässt.

Bei dem Symposium - von 9 Uhr an im Hörsaal des Haunerschen Kinderspitals - beleuchtet etwa Wolfgang Ahrens den Zusammenhang von Mediennutzung und Gewichtsentwicklung bei Kindern. Ahrens arbeitet am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen und kommt zunächst zu einem nicht sehr überraschenden Ergebnis: Kinder, die viel fernsehen, wiegen mehr al s andere. Interessant jedoch ist einer Weiterung dieser Erkenntnis. Danach korreliert das Gewicht der Kinder auch mit der Menge an Werbung, die sie sehen: Je mehr Reklame, desto dicker.

Medien machen dick, dumm, aggressiv und einsam - das wird gerne verbreitet, aber ganz so einfach ist es nicht, beziehungsweise, in Berthold Koletzkos wissenschaftlicher Formulierung: "Die Datenlage ist kompliziert." Sicher jedoch ist, dass es Medieninhalte gibt, die Kindern Angst machen. Welche das sind und was Kinder ohne Furcht bewältigen können, darüber spricht Andrea Holler vom Münchner Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Und damit die Veranstaltung nicht nur in der Zeichnung drohender Gefahren stecken bleibt, referiert Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg darüber, welche medialen Inhalte der Gesundheitsförderung bei Kindern dienlich sind.

Das Symposium wendet sich hauptsächlich an Profis in der Kinder-Pädagogik, etwa Ärzte, Lehrer oder Kindergärtner. Aber andere Interessierte, zum Beispiel Eltern, sind ebenfalls willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden für die Stiftung Kindergeburtstag werden erbeten. Mehr Informationen im Internet unter www.kindergesundheit.de.