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LMU:Die Zukunft der Medizin

Die neue Portalklinik in der Innenstadt feiert Richtfest, und auch wenn erst die tragenden Pfeiler stehen: Wie das Haus einmal funktionieren soll, zeigt sich bei einem ersten Rundgang über die Baustelle

Von Jakob Wetzel

Viele hätten nicht geglaubt, dass es so weit kommt, sagt Karl-Walter Jauch. Es sei eine Vision gewesen, aber jetzt steht das Haus. "Das ist ein richtiger Festtag", sagt der ärztliche Direktor des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). An der Ziemssenstraße, an der Keimzelle des Klinikviertels in der Ludwigsvorstadt, entsteht eine Portalklinik, die der Startschuss sein wird für die Neuordnung des gesamten LMU-Innenstadtklinikums. An diesem Montag feierte das Klinikum Richtfest. Die Arbeiten liegen im Zeitplan. 2020 sollen die Abteilungen einziehen. Und auch wenn die sand- und ockerfarbene Außenfassade aus Keramik bislang nur auf einem Modell zu sehen ist, wenn der Innenausbau erst beginnt und die Stockwerke bis auf die tragenden Pfeiler noch leer sind: Es steht bereits fest, wie die neue Klinik funktionieren wird.

Wer künftig als Patient in die Portalklinik will, kommt im günstigeren Fall über die Ziemssenstraße. Dort, zwischen der alten Medizinischen Klinik und dem neuen Gebäude, wird sich ein breiter Eingangsbereich für Besucher und Kranke öffnen, mit Cafeteria und direktem Zugang zum Patientengarten. Im weniger günstigen Fall kommen Patienten über die Nußbaumstraße: Dort ist die Notaufnahme vorgesehen, samt Einfahrt für Rettungswägen. Sie ist ausgelegt für 50 000 Fälle im Jahr.

Innen ist es stellenweise noch feucht, aber Rohbau und Dach der LMU-Portalklinik an der Ziemssen- Ecke Nußbaumstraße sind bereits fertig.

(Foto: Robert Haas)

Die Klinik selbst wird funktional in zwei Bereiche geteilt sein, in einen West- und einen Osttrakt. Patienten werden meist zunächst den Westtrakt im Erdgeschoss aufsuchen: Dort sind Untersuchungs- und Behandlungszimmer vorgesehen. Ein Stockwerk darüber warten Spezialisten aller Disziplinen, die das LMU-Klinikum aufbieten kann. Wie es danach weitergeht, entscheidet sich im Einzelfall. Einige Patienten werden ambulant versorgt werden, andere weiterverlegt, allen voran nach Großhadern. Aber auch im Neubau sind insgesamt 200 Betten in Ein- oder Zweibettzimmern vorgesehen: Über den Behandlungszimmern im ersten Obergeschoss sind im Westtrakt die Neugeborenen- und die Wochenstation mit 30 Betten geplant, ein weiteres Stockwerk darüber die Intensivpflege- und die Intensivüberwachungsstation mit 16 Betten. Der Osttrakt dagegen bietet im ersten und zweiten Obergeschoss Platz für insgesamt 144 Normalpflegebetten, zehn weitere stehen in der Aufnahme.

Ganz oben, im dritten Stock, werden im Osttrakt vier Operationssäle eingerichtet, zusätzlich die Entbindungsstation mit vier Kreißsälen sowie ein Operationssaal für Kaiserschnitte. Im Erdgeschoss wird hier das medizinische Großgerät stehen, die Apparate der Strahlenmedizin, aber auch etwa das Herzkatheterlabor und der Schockraum. Unten wird es eine Tiefgarage mit 60 Stellplätzen geben. Und überall im Haus seien Seminarräume für Studenten untergebracht, überall, wo Platz war, sagt Alfons Lenz, einer der Bauleiter vom Staatlichen Bauamt. Das Kunststück der Architekten vom Büro Ludes Generalplaner sei auch gewesen, auf dem schmalen Grundstück wirklich alles unterzubringen.

Hier ist der Lichthof der LMU-Portalklinik zu sehen, der die Stationen mit Tageslicht versorgen soll.

(Foto: Robert Haas)

Insgesamt umfasst der Neubau 12 400 Quadratmeter Nutzfläche auf vier oberirdischen Stockwerken. Erschlossen wird er unter anderem durch zwei Magistralen, die der Länge nach durch das Gebäude führen, eine für Besucher, eine für Patienten. An zwei Stellen wird die neue Klinik mit der Medizinischen Klinik nebenan verbunden und am Ende eine Einheit bilden, sagt Alexander Jobst, der zweite Bauleiter. Er schwärmt von der Technik: Beim Energiesparen habe man etwa das vorgegebene Soll gleich doppelt erfüllt.

98 Millionen Euro kostet der Neubau, zwei Drittel trägt das LMU-Klinikum, den Rest der Freistaat. Man habe keinen Kredit aufnehmen müssen, sondern lange Geld zurückgelegt, sagt Jauch, der ärztliche Direktor. Und die nächsten Schritte im Umbau des LMU-Innenstadtklinikums rücken näher. Ab 2021 wird die Medizinische Klinik nebenan saniert. Und parallel wird das rückwärtige frühere Ordenshaus der Barmherzigen Schwestern umgebaut; es fasst künftig Tageskliniken und Behandlungsräume für die Psychiatrie.

© SZ vom 16.05.2017
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