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Unterschleißheim:Rotstift-Pläne für die Michael-Ende-Grundschule

Michael-Ende-Schule

Bis vor kurzem noch wollte die Stadt 70 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand nehmen. Doch dann kam die Coronakrise.

(Foto: Sonja Marzoner)

Baukosten müssen um ein Drittel reduziert werden. Auf dem Prüfstand stehen unter anderem Musikräume und Tiefgarage

Von Klaus Bachhuber, Unterschleißheim

Bei seinem Bemühen, die Baukosten für die neue Michael-Ende-Grundschule um stolze 25 Millionen Euro zu reduzieren, will das Unterschleißheimer Rathaus aus der Not eine Tugend machen. Die Schule könnte nach einem neuen Modell der Ganztagesbetreuung ausgerichtet werden, was den Raumbedarf erheblich reduzieren würde. Aber auch die grundsätzliche Entscheidung, bei dem Neubau Kapazitäten für musische Organisationen der Stadt vorzusehen, steht ebenso neu in Frage wie der Zeitplan des gesamten Projekts.

Bei der im August begonnenen Detailplanung für den Schulneubau wurden jetzt final Baukosten von 75,6 Millionen Euro ermittelt. Der Stadtrat hatte nach einer Sparrunde infolge erwarteter Steuerausfälle durch die Pandemiefolgen das Budget aber auf 50 Millionen Euro festgesetzt. Um ein Drittel der Baukosten einzusparen, genügen die üblichen kosmetischen Eingriffe an Fassadengestaltung oder dem Standard der WC-Ausstattung freilich nicht mehr, so dass nun grundlegend neu geplant wird. Man müsse "tief greifend einsteigen", sagte Christian Karger, der Leiter des Technischen Bauamts der Stadt, könne andererseits aber auch nicht wieder von vorne anfangen. Nun soll so viel auf den Prüfstand kommen, dass es die Stadtverwaltung der besseren Übersicht wegen in vier Untersuchungskomplexe gebündelt hat, die vom Bauausschuss des Stadtrats nun einstimmig aufgegeben wurden. Entgegenkommen könnte der Stadt dabei eine neue Entwicklung in der Schulpolitik. In einem Modellversuch wird gerade der "Kooperative Ganztag" als neues Betreuungsmodell erprobt. Die Auswirkungen auf die Bauplanung werden laut diesem Modell im Groben sein, dass die bisher strikte Trennung von Räumen für Unterricht, Nachmittagsbetreuung oder Hort aufgehoben wird. Schule und Betreuungsträger sollen kooperativ ein ganztägiges Betreuungsangebot an einem Ort organisieren. Das könne enorm helfen, erwartet Karger, denn bislang ist die Schule mit einem eigenen Raumkomplex für einen angegliederten Hort konzipiert, was bisher strikte Vorgabe der Kultusbehörden war. Und das sei doch "sehr viel Volumen, das sehr wenig ausgelastet ist", so der Bauamtsleiter.

Eine Option wäre freilich auch die Reduktion des Bauprojekts auf den reinen Schulbedarf. Hier hatte der Stadtrat zuvor entschieden, die Sporthalle aufzustocken und dort Räume für die städtische Musikschule, die Stadtkapelle und andere Chöre und musische Einrichtungen zu schaffen. Neben einem Totalverzicht auf diese Ergänzung soll nun auch untersucht werden, den Bedarf der musischen Einrichtungen ins Schulgebäude zu integrieren oder den Bau zeitlich zu versetzen. Die reine Verschiebung würde zwar nichts sparen, aber zumindest den Haushalt in der Corona-Phase entlasten.

Weitere Themenkomplexe möglicher Einsparpotenziale sind noch ein Verzicht auf die großzügige Unterkellerung mit Tiefgarage, was mehr oberirdische Stellplätze zur Folge hätte, oder eine erneute Debatte der Lüftungssystematik, die der Stadtrat vor Jahresfrist schon mal geführt hatte. Spontane Bedenken im Bauausschuss gegen einzelne Einsparansätze tat Bürgermeister Christoph Böck (SPD) pauschal ab: "Einiges ist daran nicht schön", sagte er, "aber wenn wir sparen wollen, werden wir nicht das Beste vom Besten bauen können".

So verwahrte sich Brigitte Weinzierl (CSU) massiv gegen den Gedanken, die Sporthalle mit musischem Aufsatz erst später bauen zu wollen. Die Sportvereine, die auch die Halle nutzen sollten, würden "schon seit Jahren den Mangel verwalten", da könne der Komplettausfall einer Halle nicht auch noch verkraftet werden. Tino Schlagintweit (Grüne) nannte es "etwas bizarr", inmitten der Corona-Pandemie das Lüftungssystem als mögliches Einsparpotenzial zu sehen.

Die mögliche Umstellung auf einen "Kooperativen Ganztag" wurde im Ausschuss unisono positiv bewertet, allerdings rügte Jürgen Radtke (Grüne), dass es nur unter bautechnischen Aspekten diskutiert werde und inhaltlich noch gar nicht besprochen sei. Die Zusammenstellung der Einsparpotenziale sei so doch "ein wilder Ritt", der noch "eine ganze Reihe von Unschärfen" enthalte. Man möge sich doch, wie angedacht, 2021 zur Umplanung Zeit geben und "für sinnvolle Untersuchungen nutzen". Böck erwiderte, diese Untersuchungen weitgehend parallel führen zu wollen, um Zeit zu gewinnen.

Jetzt sieht der Zeitplan vor, im Juli die Ergebnisse der Untersuchungen auf Einsparpotenziale im Stadtrat zu diskutieren. Einen zügigen Beschluss vorausgesetzt, könne die daraus resultierende Umplanung bis November vorliegen. Dann würde sich nach den Kalkulationen des Stadtbauamts das Projekts durch die Corona-Sparbremse um rund acht Monate verzögern und die Schule könnte im Februar 2025 den Betrieb aufnehmen.

© SZ vom 24.03.2021
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