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SZ-Lesercafé:Hotspot im Geothermie-Geschäft

Grünwald und Pullach im südlichen Isartal haben sich zu einem Zentrum der Erdwärme-Nutzung in Oberbayern entwickelt. Nun arbeiten sie mit den Stadtwerken am nächsten Coup

Dieser Tage sind die Rüttelfahrzeuge in Straßlach-Dingharting und Baierbrunn unterwegs. Sie ermöglichen den Blick in die Tiefe.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der kalte Februar hält das Isartal im Klammergriff, und blickt man in diesen Tagen auf das eisige Wasser des Flusses, friert man erst recht. Wer nun denkt, einzig Wintersportler ließen dafür Väterchen Frost hochleben, der irrt: "Es ist Fernwärmewetter", freut sich Andreas Lederle, Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald GmbH (EWG). Und auch sein Pullacher Kollege Helmut Mangold, Geschäftsführer der Geothermie-Gesellschaft IEP, kann sich für die vorherrschende Frostperiode erwärmen.

Der Grund für die Freude ist klar: In den Haushalten und Unternehmen werden die Heizungen hochgedreht und laufen die Badewannen voll mit heißem Wasser, auf Temperatur gebracht von Thermalquellen, die 3000 Meter und mehr unter der Isar angezapft werden. Das Geschäft mit dem Verkauf von Wärme blüht, vor allem wenn Eisblumen die Fensterscheiben schmücken.

Das Isartal und die Geothermie - es war Liebe auf den zweiten Blick. In Unterföhring waren die Fernwärmeleitungen bereits gelegt, in Unterhaching der Bohrmeißel schon tief in den Malmkarst getrieben, da hatte Grünwald mit Geothermie noch gar nichts am Hut und wagte Pullach mit eher schmalen Bohrmeißeln einen nur halbherzigen Stich in den Untergrund. Heute stehen die beiden Gemeinden und ihre Töchter IEP und EWG für den geothermischen Erfolg, die Grünwalder haben sich sogar die Unterhachinger Geothermie weitgehend einverleibt.

Die Erfolgsgeschichte soll nun um ein ebenso großes wie bedeutendes Kapitel erweitert werden. Was die beiden Isartalgemeinden zusammen mit den Stadtwerken München (SWM) planen, könnte ein weiterer Meilenstein auf dem Gebiet der Tiefengeothermie werden. Wie berichtet, haben die drei Energieanbieter 2,5 Millionen Euro in einen Topf geworfen, aus dem sie die Kosten für eine so genannte Seismikkampagne bezahlen. Dabei wird ein rund 100 Quadratkilometer großes Gebiet südlich der Gemeinden Pullach, Grünwald und Oberhaching von "Vibro-Trucks" einer französischen Spezialfirma abgefahren, die Schallwellen in die Tiefe schicken, wo sie von den verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich reflektiert werden. Aufgefangen werden die Wellen von 9000 hochempfindlichen Erdmikrofonen. Am Ende wollen die drei Partner 3-D-Aufnahmen von mindestens 3000 Meter unter der Erdoberfläche liegenden Poren, Klüften, Fugen oder Karsthohlräumen bekommen, im Idealfall bis oben hin gefüllt mit thermischem Tiefenwasser. Seit Montag befahren die Vibro-Trucks die Siedlungsgebiete von Baierbrunn und Straßlach-Dingharting, wo sie auch an diesem Dienstag noch unterwegs sein werden.

Solches gemeinsames Vorgehen wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen, ließ sich doch vor allem in den Jahren des geothermischen Aufbruchs auf der Schotterebene Anfang des 21. Jahrhunderts kein Geothermiebetreiber in die Karten schauen. Das Gegenteil ist heute der Fall. "Ohne Vernetzung gibt es keine Zukunft für die Geothermie", sagt Helmut Mangold von der IEP. Inzwischen treffen sich Vertreter der Geothermiebetreiber aus Dürrnhaar, Kirchstockach, Traunreut, München, Unterhaching, Pullach und Grünwald alle vier Wochen zu einer Runde, in der sie Erfahrungen und Daten austauschen. Die "drei großen Player", wie Lederle von der EWG die Vertragspartner nennt, haben je einen Claim in dem 100 Quadratkilometer großen Gebiet. Die Chancen, im Süden von Pullach und Grünwald auf eine Heißwasserquelle zu stoßen, oder sogar auf mehrere, sind nach Überzeugung von Lederle und Mangold groß.

Auf eine geschäftliche Zusammenarbeit auch bei der Ausbeutung des "flüssigen Goldes" haben sich die drei Partner nicht verständigt. Dafür steht bereits die Absichtserklärung, dass SWM, IEP und EWG ihre Fernwärmenetze verbinden. Der Wärmeverbund funktioniert jedoch nur zwischen Nord (München) und Süd (Pullach und Grünwald), nicht jedoch zwischen den beiden Isartalgemeinden. Der Grund: Dazwischen fließt die Isar. Sie zu überwinden, daran wagt sich keiner, noch.