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Schultheater auf der großen Bühne:Epische Besetzung

Odysseus Maximus, Theaterprojekt, Gymnasium Unterschleißheim

Die diesjährige Inszenierung trägt den Titel "Odysseus Maximus" und wartet dementsprechend mit zahlreichen Massenszenen auf.

(Foto: Veranstalter)

Knapp 150 ehemalige und aktuelle Theaterklassenschüler des Carl-Orff-Gymnasiums präsentieren die Irrfahrten des Odysseus im Bürgerhaus Unterschleißheim. Anlass des Spektakels ist, dass der erste Jahrgang bald Abitur macht

Der Mathelehrer ist für viele Schüler wohl am ehesten jemand, den sie mit solch lästigen Aufgaben wie dem Lösen von Gleichungen, Bruchrechnen oder Kurvendiskussionen verbinden. Anders ist das bei Michael Blum. Der 50-Jährige unterrichtet im Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasium zwar unter anderem auch Mathematik, er lässt seine Schüler jedoch den "Menschen hinter dem Buch" kennenlernen, wie er sagt. Denn Blum hat eine Leidenschaft für Theater, die er gerne an junge Menschen weitergibt. Und so fasste er gemeinsam mit seiner Frau Stefanie Höcherl den Entschluss, am Gymnasium Theaterklassen anzubieten. Mit Erfolg: Seit 2012 unterrichtet das Ehepaar die Klassen nun schon - so lange, dass die ersten Teilnehmer bereits kurz vor dem Abitur stehen.

In der sechsten und siebten Klasse können die Unterschleißheimer Schüler die Theaterklasse besuchen. Anders als in Wahlkursen erhält hier die gesamte Klasse neben dem regulären Unterricht zwei Mal wöchentlich auch Theaterstunden. Die Kinder lernen sowohl aktiv als auch passiv: Sie besuchen mit den Lehrern Aufführungen und schauen den Profis auch mal bei den Proben zu. Der Fokus des Unterrichts liegt zunächst auf der Bühnenpräsenz, im Vordergrund steht vor allem die Körpersprache. "Es gibt anfangs noch keine Rollen. Alle stehen auf der Bühne, aber sozusagen als eine Person", sagt Blum. Erst im zweiten Jahr folgt die Stimmerziehung und die Einteilung in eigene Rollen. Den beiden Lehrern ist gerade der pädagogische Aspekt wichtig. "Das Hauptaugenmerk liegt mittlerweile auf der Erziehung." Die Kinder sollten sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Klassenraum respektieren. So werde etwa Gruppendynamik und das Sozialverhalten gestärkt. "Im Theater kann man nicht nur selbst als Rampensau herauskommen. Man muss sich gegenseitig unterstützen."

Um das Gelernte zu zeigen, führen die Schüler zum Abschluss nach jedem Jahr ein Stück auf - nach der sechsten Klasse die Odyssee, nach der siebten eine Zusammenfassung der Harry-Potter-Reihe. "Das ist immer ein wenig anders, da die Kinder auch selbst mal Szenen schreiben dürfen. Viele Teile bleiben aber immer gleich", erzählt Blum. Das führt dazu, dass auch ehemalige Theaterschüler die jeweiligen Stücke bestens kennen. Die Lehrer haben sich daher für die aktuelle Aufführung etwas Besonderes einfallen lassen: Schüler aus allen acht Jahrgängen, die im Laufe der Zeit eine der Theaterklassen besucht haben, spielen gemeinsam die Odyssee. "Sie haben das alle einmal gemacht, wissen also, was zu tun ist", sagt Blum. Knapp 150 Darsteller sollen bei der Vorstellung auf der Bühne stehen: zwar nicht immer alle gemeinsam - die Besetzung wechselt -, aber dennoch dürften die Aufführungen echte Spektakel werden, quasi mit Massenschlägereien, die ihren Namen verdienen, und zahlreichen Fünft- bis Zwölftklässlern in drei Galeeren auf stürmischer See.

Mittlerweile sei in der Schule eine kleine Theaterfamilie entstanden. Blum und Höcherl unterrichten die Theaterklassen auch in Mathe und Deutsch. Dadurch entsteht eine enge Bindung. Mehr als zehn Prozent der Schüler spielen am Carl-Orff-Gymnasium laut Blum Theater, circa doppelt so viele wie im bayernweiten Durchschnitt der Gymnasien. Viele Kinder hätten durch die Theaterklasse "Blut geleckt". Sie gehen danach in den Wahlunterricht. In der Mittelstufe bleibt ungefähr die Hälfte, sogar in der Oberstufe macht noch circa ein Drittel weiter. Und einige Schüler seien so begeistert, dass sie während ihrer ganzen Schullaufbahn Theater spielten. "Der Unterricht findet zwar nachmittags statt, aber die Schüler sehen das nie als Belastung. Sie kommen gern", so Blum. Das Projekt ist also rundum erfolgreich. "Es ist zwar anstrengend, aber auch schön, die Kinder so zu begleiten", sagt der Lehrer. "Das ist ein großes Geschenk."

Die Aufführungen sind am Dienstag, 9. April, Beginn 20 Uhr, und Mittwoch, 10. April, 11.30 Uhr, im Bürgerhaus Unterschleißheim. Karten sind für fünf Euro unter theater.cog@live.de erhältlich.