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Regionalkrimi:Mord am Marienplatz

Stilgerecht vor dem "Lola-Montez-Haus" in Harlaching: Sabine Vöhringer lässt der einstigen Geliebten Ludwigs I. in ihrem Krimi einen Part zukommen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Straßlacher Autorin Sabine Vöhringer hat mit "Die Montez-Juwelen" einen ambitionierten Krimi geschrieben, der viel München-Flair atmet. Die Altstadt spielt als Kulisse eine prominente Rolle

Unter den vielen repräsentativen Gebäuden, die der Flaneur oder Radler entlang des rechten Isarhochufers passiert, ist das Lola-Montez-Haus ein optischer Reiz von eher kleinen Dimensionen. Das Salettl im Schweizer Landhausstil ist ein Nebengebäude des denkmalgeschützten Gutshofes Menterschwaige, das als "Event Location" gemietet werden kann, und sein Name rührt daher, dass es als nächtlicher Fluchtort der Montez nach den ihretwegen ausgebrochenen Unruhen in München gedient haben soll. Weder das noch der Ruf als königliches Liebesnest ist historisch haltbar, aber das muss ja nicht bedeuten, dass so ein Häuslein keine entsprechende Inspirationsquelle sein kann.

Sabine Vöhringer jedenfalls hat, nicht zuletzt befeuert durch diverse Radtouren zur Menterschwaige, begonnen, sich näher mit der irischen Tänzerin und unstandesgemäßen Geliebten des Bayernkönigs Ludwig I. zu interessieren. Ihr jetzt erschienener Krimi "Die Montez-Juwelen" baut unter anderem auf die Faszination, die die historische Figur Lola Montez noch immer umgibt. Die in Straßlach lebende Verlegerin, die auch eine journalistische Ausbildung hat, würzt ihren literarischen Erstling mit den verführerischen Zutaten der mit der Montez-Affäre verbundenen Vorstellungen von Schönheit, Begierde und Macht. "Sie war eine besondere Frau. Heute wäre sie wohl eine Figur für die Bunte oder Gala", erklärt Vöhringer.

Inspiriert von der Historie hat die Autorin freilich auch fiktive Elemente hinzugefügt - besagte Juwelen, die Ludwig der Montez im Buch geschenkt hat, sind etwa eine Erfindung Vöhringers - und der Roman spielt in der Jetztzeit. Der Protagonist ist Tom Perlinger, Münchner mit teils amerikanischen Wurzeln, der nach einem Sabbatjahr wieder in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist, um dort seinen Job als Kommissar anzutreten. Kurz nach der Schmuckrepräsentation der Montez-Juwelen in der Hofstatt gibt es schon den ersten Toten, und Perlinger ist mit der unschönen Situation konfrontiert, dass sein Halbbruder Max, der Wirt des Hackerhauses, unter Mordverdacht gerät. "Ich wollte einen Profi-Ermittler, keinen Hobby-Detektiv", sagt Vöhringer. "Und ich wollte ein München-Panorama entstehen lassen, Vielschichtigkeit abbilden." So spielt die Innenstadt als Kulisse und Tatort eine prominente Rolle: Marienplatz, Sendlinger Straße, Viktualienmarkt oder auch geheime, labyrinthische Bierkeller, die vom Hackerhaus zum Tresorraum führen. Zum handelnden Personenkreis zählen (Wiesn-)Wirte, Hamburger Juweliers, Dirndl tragende Kellnerinnen, konkurrierende Polizisten und sinistre Gestalten aus dem Verbrecher-Milieu. Wichtig waren Vöhringer, die als schreibender Novize mit dem Gmeiner-Verlag gleich einen, laut Selbstbeschreibung "Spezialisten für Spannungsromane im deutschsprachigen Raum" gefunden hat, "Authentizität und Lebendigkeit" des Plots. Sie hat gründlich recherchiert und lässt auch Insider-Wissen aufblitzen. "Ich habe die Grundidee schon lange mit mir herumgetragen, aber während des Schreibens das Konzept immer wieder geändert."

Und man darf attestieren: Vöhringer, die auch Reiseberichte verfasst, kann schreiben. Die Handlung ist spannend und angemessen temporeich erzählt. Der Leser kann gut in die Stimmungen eintauchen, ohne überfordert zu werden und die Dialoge - ein Feld, bei dem Romanneulinge oft schwächeln - sind generell gut gelungen. Man merkt den Anspruch Vöhringers, ein unterhaltsames, durchaus komplexes Krimi-Tableau zu entwerfen, das den Leser mit klassischen Ingredienzen fesselt. Großzügiges Lokalkolorit gehört da bei einem München-Krimi natürlich dazu, wobei nicht alles gelungen ist: Die in Karlsruhe aufgewachsene Autorin baut bairische Dialoge und Ausdrücke mit ein, was hin und wieder missrät: "Das Pflaumendatschi" klingt für bayerische Ohren grenzwertig und ein Münchner Viertel, das "Hasenbergerl" heißt, gibt es auch nicht. Auch eine Schafkopf-Szene wirkt suboptimal geschildert, zudem sind die Mundart sprechenden Personen im Roman schon sehr einseitig und unappetitlich gezeichnet. Da ist der Wirtssohn halt nicht nur unförmiger Intrigant, sondern riecht auch noch nach Leberkäse aus dem Mund. Überhaupt ist manches etwas dick aufgetragen, neben Mord und Schießereien kommen Inzest und Sexualgewalt vor, sogar der Fall Gurlitt/NS-Raubkunst spielt eine Rolle. Vöhringer ist zwar stilistisch durchaus versiert, manche Sprachbilder muten allerdings nicht sehr originell an, etwa wenn Kellnerin Christl nach einer gemeinsamen Nacht mit ihrer alten Liebe Perlinger denkt: "Tom, das war ein Gefühl wie Eis, das in der Sonne schmolz, ...Tom war wie Kleister, an dem sie kleben blieb, ob sie wollte oder nicht."

Dem Buch liegt eine clevere Konzeption zugrunde. Vöhringer, die stilbewusst auftritt und wie jemand wirkt, der sich zu verkaufen weiß, hat von Beginn an eine München-Krimi-Reihe geplant. Der Straßlacherin, die gerade an einem weiteren Buch mit einer Reisejournalistin als Protagonistin schreibt, hat auch schon den nächsten Perlinger-Fall im Kopf, bei dem mit Ludwig Thoma wieder eine prominente bayerische Figur eine Rolle spielt. Die dramaturgische wie thematische Rezeptur wird wohl ähnlich sein wie in "Die Montez-Juwelen". Auch wenn man so ein durchdachtes Konzept kritisch sehen kann, - für Krimi-Liebhaber, die gerne historisches wie aktuelles München-Flair einatmen und einen spannenden Plot schätzen, dürfte Perlingers Abenteuer schöner Lesestoff sein.

"Die Montez-Juwelen" von Sabine Vöhringer sind im Gmeiner-Verlag erscheinen und kosten in der Taschenbuch-Ausgabe 11,99 Euro.