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Olympische Winterspiele:Münchner Grüne halten an Bewerbung fest

Auf dem Parteitag haben sich die Grünen klar gegen die Bewerbung für die Winterspiele 2018 ausgeprochen. Die Grünen im Rathaus ficht das nicht an. Und OB Ude tobt.

D. Hutter

Ja zu Olympia, auch wenn es der Bundesparteitag anders sieht: Die Fraktion der Grünen im Münchner Stadtrat will trotz des Vetos des Bundesparteitags an ihrer Unterstützung für "München 2018" festhalten. "Wir gehen unseren Weg weiter", erklärt Fraktionschefin Lydia Dietrich. Die Stadträte seien von dem Konzept sowie der ökologischen Ausrichtung der Spiele überzeugt. Zudem würde nach Einschätzung Dietrichs ein plötzliches Nein zu Olympia die Glaubwürdigkeit der grünen Rathaus-Politik in Frage stellen.

Kabinett und Kommunen wollen Olympia-Bewerbung absegnen

Die Grünen im Stadtrat halten nichts von dem Beschluss, der auf dem Parteitag in Freiburg gefallen ist: Sie halten weiter an der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 fest

(Foto: dpa)

"Der Beschluss macht es uns aber nicht einfacher", sagt Siegfried Benker, der zusammen mit Dietrich die Fraktion führt. "Eine Millionenstadt muss internationale Sportereignisse ausrichten können", findet der Politiker. Das Freiburger Votum sei "sehr bedauerlich" - zumal gerade die bisherige konstruktive Mitwirkung der Grünen für eine ökologische und nachhaltige Ausrichtung der Spiele gesorgt habe. Offenbar habe aber der Anti-Olympia-Antrag, den unter anderem der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann und Münchens Grüne-Jugend-Chefin Katharina Schulze eingebracht haben, mit seinen Warnungen vor dem Klimawandel die "grüne Seele berührt".

Praktische Auswirkungen hätte eine Kehrtwende ohnehin nicht mehr: Die Beschlüsse auf sämtlichen politischen Ebenen sind bereits gefallen. Der Münchner Stadtrat hat zuletzt Anfang Oktober mit einer Mehrheit von mehr als 90Prozent der Olympiabewerbung zugestimmt - schon damals setzte sich die Rathaus-Fraktion über ein Votum ihrer Münchner Basis hinweg. Allerdings wird es in den offiziellen Bewerbungsunterlagen eine Änderung geben müssen: Die Textpassage, in der die Grünen als Olympia-Befürworter aufgeführt sind, wird wohl getilgt werden.

Das ist der einzige Schaden, den Münchens OB Christian Ude sieht: "Ohne die offizielle Unterstützung der Grünen wird es uns noch mehr Aufwand kosten, alle von dem ökologischen Konzept der Bewerbung zu überzeugen", sagte er der SZ. Auf der Rückreise von den Kardinalsfeierlichkeiten in Rom kritisierte er die Grünen scharf: Sie hätten in einer kurzen Debatte am späten Abend eine Entscheidung getroffen, für die andere jahrelang sorgfältig Argumente abgewägt hätten. Hart ins Gericht ging Ude mit der Parteivorsitzenden und bislang glühenden Olympia-Befürworterin Claudia Roth. Sie habe eine "wenig überzeugende Vorstellung abgegeben", die entweder auf einen "Verlust an Persönlichkeit oder an Überzeugung" schließen lasse.

"Die Grünen stellen sich ins gesellschaftliche Abseits", urteilt Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider, der sich in den vergangenen Wochen stark für Olympia engagiert hatte. Die Partei habe ihre "vor allem destruktive Haltung erneut unter Beweis gestellt". Nach Einschätzung von Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), werden Münchens Erfolgschancen durch "diese zementierte Verweigerungshaltung" nicht gemindert. Es sei auf internationaler Ebene bekannt, dass die Mehrheit der Deutschen "durchaus zukunftsfähig" ist. Die Olympia-Bewerbungsgesellschaft bedauert den Rückzug der grünen Bundesvorsitzenden Claudia Roth aus dem Kuratorium. "Ich verliere dadurch eine sportaffine, starke Mitstreiterin", erklärt Katarina Witt, die Vorsitzende des Unterstützergremiums.

Positiv kommentierte Bayerns Grünen-Chef Dieter Janecek den Beschluss: "Es gibt endlich eine klare Positionierung."

© SZ vom 22.11.2010/bica
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