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Mitten in Unterhaching:Namensschilder fürs Home-Office

Warum Herr Köhler neuerdings Frau Köhler siezt und was das mit einem Souvenir von Bürgermeister Panzer zu tun hat

Kolumne von Iris Hilberth

Der große Sitzungssaal im Unterhachinger Rathaus ist - verglichen mit anderen Tagungsstätten von Gemeinderäten - mit einem recht staatstragenden Mobiliar ausgestattet. Fixe Tischreihen im Halbrund erinnern an einen Plenarsaal und schicke Messingschilder mit Namensgravur unterstrichen bis vor Kurzem den offiziellen Auftrag, hier über Schwimmbadgebührensatzungen, vorhabenbezogene Bebauungspläne und die Genehmigung von Niederschriften abzustimmen. Allerdings erwiesen sich die metallenen Tischkärtchen in der Vergangenheit als recht unpraktisch. Deshalb ließ der Bürgermeister sie jetzt alle abschrauben.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat sich der Gemeinderat in Unterhaching in den vergangenen Jahren als sehr volatil erwiesen. Erst schied CSU-Gemeinderat Günther Stäblein aus, worauf sein Schild weg kam. Dann wechselte Florian Riegel aus der vorderen CSU- in die hintere FDP-Reihe; Sabine Penka gab den SPD-Vorsitz auf und rückte nach hinten, Karin Radl und Tanja Günther meldeten sich ganz ab, Julia Mittermeier verließ die CSU, Christa Helming und Gertraud Schubert die Grünen - und alle drei Frauen nahmen fortan bei den Freien Wählern Platz. Wer nun mitgezählt hat, weiß, wie oft die Handwerker im Rathaus den Akkuschrauber ansetzen mussten. Mal ganz abgesehen davon, dass die Täfelchen so scharfkantig sind, dass man ständig dran hängen blieb.

Im Moment tagt der Gemeinderat im Kubiz mit transportablen Namensschildern aus Plastik. Die sind auch viel größer, gut abwaschbar und - in Coronazeiten sehr praktisch - von weitem sichtbar. Die alten, kleinen Messingschilder hat der Bürgermeister verschenkt. Als Souvenir. Oder fürs Home-Office. Claudia Köhler zumindest hat die Tafel mit der Aufschrift "Frau Köhler - Grüne" vor ihrem Laptop zu Hause aufgestellt. "Damit mein Mann weiß, wer ihm gegenübersitzt", teilt sie auf Facebook mit. Aber auch dieser Platz erweist sich als problematisch. Nicht nur, weil Herr Köhler Frau Köhler jetzt siezt. Er reicht auch dauernd Petitionen ein.

© SZ vom 30.06.2020
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