Mitten in Ottobrunn:Allein unter Frauen

Gerne würde die Autorin zum Frauenfrühstück der Freien evangelischen Gemeinde Ottobrunn erscheinen, sie zählt aber nicht zu den ´Sehr geehrten Redakteuren`

Kolumne von Iris Hilberth

Veranstaltungen ausschließlich für Frauen gibt es für fast alle Lebensbereiche: vom Online-Seminar zum Thema Investmentfonds über die Frauenbadetage im Müller'schen Volksbad bis hin zu Technik- und Pannenkursen in der Fahrschule nur für Frauen. Das Konzept ist eigentlich ganz klar: Männer sind hier unerwünscht. Die würden nur stören.

Umso erstaunlicher ist das Einladungsschreiben der Freien evangelischen Gemeinde Ottobrunn zu ihrem Frauenfrühstück. An sich eine nette Idee. Gemeinsam mit Gastgeberin Dorothee Brüggendick über Gott und die Welt zu plaudern, dabei Kaffee, Semmeln und Marmelade genießen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. So entspannt könnte man sich das vorstellen, dieses männerlose Treffen ganz unter Frauen an einem Samstagvormittag im Gemeindezentrum.

Das Kuriose an diesem Schreiben aus Ottobrunn aber offenbart sich gleich in der Anrede: "Sehr geehrte Redakteure", heißt es da nämlich. Im Jahr 2021 wird wohl niemand davon ausgehen, dass bei einer Zeitung nur Männer arbeiten. Es muss wohl eine andere Intention dahinterstecken, nur den männlichen Mitgliedern der Redaktion dieses Frauenfrühstück schmackhaft zu machen.

Es ist noch nicht abschließend geklärt, welchen der sehr geehrten Redakteure man da am besten hinschicken könnte, so ganz allein unter Frauen. Interessenten gibt es sicher einige, da kann die Freie evangelische Gemeinde ganz unbesorgt sein. Aber sollte er Fachwissen in Sachen Erziehung mitbringen oder ein guter Koch sein? Wollen die Damen vielleicht mit ihm über Fußball reden oder reicht der Erfahrungsschatz als ganz normaler Familienvater?

"Was ist mir wichtig und warum?", lautet das Thema des Treffens mit Frau Brüggendick. Die ist "Supervisorin" und "Lebensberaterin", daher wird sie sicherlich nicht erst seit Hape Kerkelings Filmfigur Horst Schlämmer wissen: Redakteure sind immer hungrig und haben bei Frühstücksterminen vor allem eines im Sinn: Häppchen abgreifen.

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