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Migranten in München (8): Amir Roughani:Klare Regeln für Migranten

Er besteht seinen Hauptschulabschluss, beginnt eine Ausbildung bei einem Pharmakonzern und macht nebenher erst die Mittlere Reife, dann die Fachhochschulreife. Er hängt sich rein und bekommt, obwohl er inzwischen nur noch halbtags arbeitet, einen höheren Bonus als viele Vollzeit-Kollegen. Sein Wirtschaftsingenieurs-Studium finanziert er sich mit Nebenjobs. Anschließend heuert Roughani bei einem IT-Dienstleister an, wechselt zur Kirch-Gruppe, und als der Medienkonzern im Jahr 2002 während der Internetkrise Insolvenz anmeldet, nimmt er die Abfindung, bittet den Verwalter um einige Möbel, organisiert sich einen Kredit und macht sein eigenes Ding: Vispiron.

Einfach war der Weg nicht. Als er in Berlin ankam, litt der Junge unter Heimweh - und lernte, dass der Kiez kein leichtes Pflaster ist. Roughani zeigt auf seine Narben. Ausländer haben sie ihm damals zugefügt, sagt er, in Wedding. Auch im Beruf hat er anfangs Probleme. Die Kollegen sind skeptisch, er spürt die Distanz. Kühl seien die ersten Wochen gewesen, sagt er. Wie hat Amir Roughani die Erfolgsspur gefunden, die viele vergeblich suchen?

Er habe immer den Anschluss an die deutsche Gesellschaft gesucht, sagt der Unternehmer. Wer mit ihm spricht, hört immer wieder die gleichen Begriffe: Fleiß, Motivation, Ziele setzen. Roughani verbirgt seinen Ehrgeiz nicht. "Ich muss gewinnen, das ist bei allen Dingen so", sagt er. "Ich sehe sonst keinen Sinn darin." Ist Roughanis Aufstieg Glück? Zufall? Mentalität? "Ein Puzzle aus allem", sagt er. Natürlich Glück. Und natürlich hatte er auch die richtigen Menschen um sich herum, die ihm damals beim Kegeln die Reisen finanziert haben oder einen neuen Sportdress. Was sagt so einer zu den Thesen von Thilo Sarrazin?

Amir Roughani holt tief Luft. Natürlich, mit seinen Vererbungstheorien sei Sarrazin zu weit gegangen. "Aber es gibt vieles, worauf er zu recht hinweist", sagt er. Das Problem sei doch, dass in Deutschland bis heute keine ernsthafte Integrationspolitik betrieben werde. Es müsse besser gefiltert werden. Und dann: Fördern und Fordern. "Man muss den Migranten klare Regeln aufzeigen", fordert der Unternehmer. Warum nicht die Aufenthaltsregelung an die Sprachkenntnisse knüpfen? "Wenn die Leute konkret wissen, was von ihnen erwartet wird, dann richten die sich auch danach, wenn sie bleiben wollen."

Amir Roughani ist seit 1996 deutscher Staatsbürger, er hatte deutsche Freundinnen, ist Mitglied der FDP und bezeichnet sich selbst als "iranischstämmigen Deutschen". In sein Geburtsland fährt der Unternehmer nur noch, um Urlaub zu machen oder um die Familie zu besuchen. "Ich werde nicht mehr dauerhaft zurückkehren", sagt er. Schließlich hat er mit seiner Firma noch eine Menge vor: Auf 1000 Mitarbeiter soll sie wachsen, sagt er und lacht. "Und ich möchte Vispiron an die Börse bringen."