Landkreisdaten Wir bleiben Champion

Ottobrunn ist schon lange dicht besiedelt. 2013 sah es so aus.

(Foto: Claus Schunk)

Aktuelle Zahlen zeigen, dass München-Land seine Spitzenposition als einwohnerstärkster und wirtschaftlich kräftigster Landkreis in Bayern weiter ausgebaut hat. Doch das Wachstum hat auch seinen Preis

Von Iris Hilberth

Wenn Landrat Christoph Göbel (CSU) über den Landkreis München spricht, dann kommt meist mindestens einmal das schöne Wort Prosperität in seiner Rede vor. Die Region München ist insgesamt auf Wachstum gepolt, der Landkreis München nimmt in diesem Reigen der Champions in Sachen Entwicklung seit Jahren eine Spitzenposition ein. Alles gedeiht, blüht und kommt voran - wirtschaftlich gesehen. Es prosperiert eben. Dieses Gefühl von "höher, schneller, weiter" im Boom-Landkreis hat der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum (PV) zum Jahreswechsel abermals mit Zahlen bestätigt. Im Fokus der jüngsten Datensammlung steht die Entwicklung der Städte und Gemeinden zwischen 2007 und 2017.

Nahezu alle der insgesamt 153 Kommunen der Region melden einen Bevölkerungszuwachs. In nur fünf Gemeinden leben mittlerweile weniger Menschen als noch vor zehn Jahren. Aber Schöngeising, Pöcking oder Wörth liegen nicht im Landkreis München. Hier haben alle Gemeinden dazu beigetragen, dass die Bevölkerung um knapp 31 000 Menschen auf 346 000 im Jahr 2017 wuchs. Am meisten zugelegt hat die Gemeinde Unterföhring, wo die Einwohnerzahl seit 2007 um 31,6 Prozent angestiegen ist. Auch Aschheim hat mit 27,3 Prozent kräftig zugelegt, Feldkirchen verbucht immerhin ein Plus von 24,2 Prozent.

Betrachtet man die absoluten Zahlen, so machte im vergangenen Jahrzehnt Unterhaching den größten Sprung nach vorne: 2799 Einwohner sind in der Gemeinde südlich der Münchner Stadtgrenze hinzugekommen. 2017 zählte das Rathaus laut Planungsverband 24 864 Unterhachinger, inzwischen wurde sogar bereits die Marke von 26 000 überschritten. Glücklich sind die Kommunalpolitiker darüber nicht, da der Zuzug immer auch Infrastrukturmaßnahmen nach sich zieht. Man hat sich daher im Unterhachinger Gemeinderat auf eine Obergrenze von 28 000 Einwohnern verständigt.

Mancherorts hat sich die Anzahl der Kita-Pläzte verdoppelt

Viele neue Mitbürger konnte auch die stark wachsende Gemeinde Unterföhring vermelden. 2696 Einwohner sind zwischen 2007 und 2017 dazugekommen. Auch die Stadt Unterschleißheim, die größte Kommune im Landkreis, ist weiter gewachsen: Im Erfassungszeitraum um 2443 Einwohner auf 28 809, seither noch einmal auf aktuell 30 113. Verglichen mit dieser Entwicklung geht es in Hohenbrunn (+46) und Neubiberg (+48) noch gemächlich zu. Wachstumsraten von 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozent sind fast schon nicht der Rede wert, wenn man den Blick auf die Nordgemeinden Unterföhring und Aschheim richtet.

Dass mit dem Wachstum auch die Nachfrage nach Infrastruktur zunimmt, ist allerorts zu sehen. Viele junge Familien ziehen in den Landkreis, auch übertrifft häufig die Anzahl der Geburten die der Sterbefälle. Die Zahl der Kinder in Betreuungseinrichtungen hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. In Unterföhring und Baierbrunn hat sie sich zwischen 2007 und 2017 sogar verdoppelt.

Freilich läuft gerade in diesen Gemeinden auch der Jobmotor auf Hochtouren. In Unterföhring sind zwischen 2007 und 2017 insgesamt 6791 Arbeitsplätze hinzugekommen, wodurch sich die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der nördlichen Mediengemeinde auf 23 353 summieren. Das ist mehr als das Doppelte der Einwohnerzahl. Was sich natürlich stark bei den Pendlerströmen in Richtung Unterföhring bemerkbar macht. Kamen 2007 noch 15 847 Menschen morgens von außerhalb zur Arbeit, waren es zehn Jahre später bereits 22 366.

Auch in Garching sind inzwischen wesentlich mehr Leute beschäftigt als noch 2007. Die Universitätsstadt nahm 2017 mit 23 866 Beschäftigten die Spitzenposition im Landkreis München ein. Innerhalb von zehn Jahren waren 11 348 Angestellte hinzugekommen, ein Plus von 80,9 Prozent. 21 704 pendelten 2017 nach Garching, etwa doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Auch Brunnthal verbucht durch sein Gewerbegebiet eine enorm hohe Wachstumsrate von 90,7 Prozent. Mit 2443 Beschäftigten ist die Anzahl verglichen mit den Nordgemeinden aber relativ gering. Auch Taufkirchen steigerte sich um 80,5 Prozent auf 7746 Angestellte.

In Straßlach haben die Einwohner am meisten Platz

An dem Trend ist zu sehen, dass auf dem Areal östlich der Autobahn A 8 ist, wo die drei Gemeinden Brunnthal, Taufkirchen und Ottobrunn aneinanderstoßen, einiges im Fluss ist. An diesem Standort hatte Ottobrunn durch den Arbeitsplatzabbau bei der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie in der Vergangenheit einen großen Beschäftigungsrückgang hinzunehmen. 2007 waren hier noch 12 659 Menschen angestellt, 2013 waren es nur noch 8760. Doch die Talsohle scheint überwunden zu sein: 2017 waren es bereits wieder 10 215. Bei solchen Zahlen können die kleinen Landgemeinden im südlichen Landkreis nicht mithalten. Aber selbst in Straßlach-Dingharting sind innerhalb von zehn Jahren immerhin 152 Arbeitsplätze hinzugekommen, in Schäftlarn sind 210 entstanden.

Dafür hat man dort viel mehr Platz. 877 Quadratmeter stehen jedem Straßlacher an Siedlungs- und Verkehrsfläche zur Verfügung, während sich der Unterföhringer mit 138 Quadratmeter begnügen muss. Auch in Brunnthal (627 Quadratmeter) und Aying (607) muss man sich nicht beengt fühlen, während in Ottobrunn (143) und Unterhaching (151) die Menschen wesentlich enger zusammenrücken. Ottobrunn ist auch nach wie vor am dichtesten besiedelt von allen Landkreiskommunen. Bei einem Anteil von 86,9 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche am gesamten Gemeindegebiet bleiben hier kaum noch Lücken.

Auch das benachbarte Neubiberg ist mit 73,2 Prozent stark bebaut. Im Gegensatz dazu stehen Aying und Sauerlach, wo jeweils weniger als zehn Prozent des Gemeindegebiets Siedlungs- und Verkehrsfläche sind.