Kreis und quer Topf secret

Geheimniskrämerei um Haars Spione und Geheimnisverrat um einen Gemeinderat

Kolumne von Iris Hilberth

Es ist etwa eineinhalb Jahre her, da hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein ziemlich privates Geheimnis verraten: das Rezept ihrer Kartoffelsuppe. "Ich zerstampfe die Kartoffeln immer selbst mit einem Kartoffelstampfer und nicht mit der Püriermaschine", berichtete sie der Bunten. Da schau her! Politiker sind bekannt dafür, Akten mit sich herumzutragen, denen der Stempel "geheim" oder gar "streng geheim" aufgedrückt wurde. Das ist in der Weltpolitik nicht anders als im kleinen Rathaus von Hinterwieselharing. Barack Obama, so hat die Zeit mal geschrieben, hat einst erfahren, dass in nur einem Jahr 73 477 solcher Dokumente im Weißen Haus hinzugekommen sind. Und das sollen für einen Mann in seiner Position ausgesprochen wenige geheime Papiere gewesen sein. Aber auch aus kommunalen Gremien darf nichts herausdrängen, was in nichtöffentlicher Sitzung besprochen wurde. Es sei denn, die "Geheimhaltungsgründe sind weggefallen", wie es bei Bekanntgaben dann so schön heißt. Dabei interessiert die Menschen bekanntlich nichts so sehr wie die Geheimnisse der anderen.

Das beginnt schon in der Kindheit, wenn man heimlich an der Tür lauscht, weil Erwachsene etwas besprechen. Wunderbar sind auch Geheimnisse unter besten Freundinnen und erst das heimlich angelegte Süßigkeitendepot hinter dem Schrank im Kinderzimmer! Schließlich hat man von Rumpelstilzchen gelernt: "Ach wie gut, dass niemand weiß..." Und man hat sich bei dem Märchen der Gebrüdern Grimm auch gemerkt: Unbedingt die Klappe halten, damit das Geheimnis auch ein solches bleibt.

In Haar, vielmehr beim Bundesnachrichtendienst, hat man dies so verinnerlicht, dass man diese Woche nicht einmal verraten wollte, ob man überhaupt da war, noch da ist oder schon wieder weg. Schweigen ist hier oberstes Gebot. Und so weiß kaum einer in der Gemeinde, dass jahrzehntelang Spione in dem mysteriösen Gebäude an der Wasserburger Landstraße ausgebildet wurden. Auch Bürgermeisterin Müller bezeichnet diese spezielle Haarer Bildungseinrichtung gerne mal als "Hogwarts". Es grenzt schließlich an Hexerei, dass die Schlapphüte, die keiner je gesehen hat, jetzt umgezogen sind. Aber auch das ist streng geheim. Dafür wurden - auch in Haar - Geheimnisse gelüftet, die eigentlich keine waren. Etwa die Telefonnummer von Ulrich Leiner, dem örtlichen Grünen-Vorsitzenden. Er war von dem Hacker-Angriff des hessischen Schülers betroffen, der Daten von Prominenten ins Netz gestellt hat. Nur dass Leiner eigentlich nicht berühmt ist und nur verwechselt wurde. Man konnte ihn auch vorher einfach so anrufen.

Mit der bevorstehenden Kommunalwahl im kommenden Jahr hat auch bereits die Geheimniskrämerei der Parteien über ihre möglichen Kandidaten begonnen. Gerne werden Andeutungen gemacht, aber bloß nichts gesagt. Möglicherweise erhöht das ja die Spannung. Und ganz vielleicht verraten sie uns ja auch bald ihr Kartoffelsuppenrezept.