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Kommentar:Saumäßig naiv

Die bisherige Informationspolitik zum geplanten Schlachthof in Aschheim ist vor allem eins: eine ganz schlechte Performance. Das muss sich schnell ändern

Von Martin Mühlfenzl

Die kommenden Wochen dürften für Aschheims Bürgermeister und Gemeinderäte kaum angenehm werden. Sie werden damit rechnen müssen, beim morgendlichen Gang zum Bäcker ähnlich schräg angesprochen zu werden wie Fußballer nach einem grottigen Kick am Abend zuvor. Das liegt in erster Linie daran, dass auch die Performance der Kommunalpolitiker zuletzt mau war.

Mit ihrer inkonsequenten und wenig klaren Informationspolitik zum Thema Schlachthof haben die Mandatsträger mit Recht den Zorn vieler Bürger auf sich gezogen - dokumentiert in mehr als 1600 Unterschriften aufgebrachter Schlachthof-Gegner. Es war saumäßig naiv von Rathauschef Glashauser und den Gemeinderäten zu glauben, sie könnten über Monate das Projekt hinter verschlossenen Türen festzurren, um es dann eher beiläufig auf der Bürgerversammlung zu präsentieren und anschließend durch das Gremium peitschen zu können.

Der Fehler, den Glashauser und seine Kollegen begangen haben, liegt nicht darin, dass sie über die Ansiedlung eines Schlachthofs zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten haben; dazu waren sie wegen der Interessen des Investors und der Grundeigentümer verpflichtet. Den Fauxpas hat die Gemeinde im Anschluss begangen - indem sie die Bürger nach den Verhandlungen nicht ausreichend und umfassend informiert hat. Dieses Versäumnis fällt Glashauser und den Gemeinderäte nun auf die Füße.

Dass der Gemeinderat seinen Ausweg jetzt in einem Ratsbegehren sucht, ist ein geschickter Schachzug, zu dem man freilich erst von den Bürgern gezwungen wurde. Erfolg wird man damit jedoch nur haben, wenn von jetzt an alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden.

© SZ vom 18.06.2016
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