Kommentar:Mit U-Bahn allein ist es nicht getan

Der Bau der Verbindung zwischen Stadt und Landkreis sollte beschleunigt werden

Von Martin Mühlfenzl

Die U-Bahn alleine wird die Probleme weder im südöstlichen Landkreis noch im Würmtal lösen. Aber beide Projekte - sowohl die Verlängerung der U 6 nach Martinsried als auch die der U 5 in den Ludwig-Bölkow-Campus - sind die mit Abstand wichtigsten Infrastrukturprojekte dieser Zeit im Landkreis München. Weil sie eben nicht für sich alleine stehen, sondern als Leuchtturmprojekte den weiteren Ausbau des Angebotes im öffentlichen Personennahverkehr forcieren werden.

Beide Beispiele machen aber auch eines deutlich: Infrastrukturprojekte dieser Art dauern in diesem Land quälend lange. Meist viel zu lange. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Genehmigungsverfahren nicht mehr in die Zeit passen. Die Landeshauptstadt und auch der Landkreis München haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Boom und ein Wachstum erfahren, die deutschlandweit ihresgleichen suchen - aber die gesetzlichen Vorgaben für Projekte dieser Größenordnungen wurden nie angepasst. Nur stur auf das Nutzen-Kosten-Verhalten zu pochen, wird den sich verändernden Gegebenheiten in einem urbanen Raum wie in Neubiberg und Ottobrunn nicht mehr gerecht; zu stark sind mittlerweile die Verflechtungen zwischen Stadt und Landkreis, als dass die Verkehrsplanung an der Grenze halt machen könnte. Wer nur einmal ganz praktisch in der Hauptverkehrszeit in Neuperlach-Süd aus der U-Bahn aus- und in den Bus Richtung Ottobrunn eingestiegen ist, weiß davon ein Lied zu singen.

Die U-Bahn-Verlängerung muss kommen und sie wird kommen. Es liegt nun an Bund und Freistaat, diesen Prozess zu beschleunigen - nicht nur mit sehr viel Geld, sondern auch mit erhöhter Aufmerksamkeit für dieses Projekt. Und der Landkreis muss die Chance nutzen, die Infrastruktur rund um und zur U-Bahn hin weiter auszubauen. Mit alternativen und vor allem sauberen Verkehrsmitteln, die weit über den Ludwig-Bölkow-Campus hinaus in den Landkreis reichen.

© SZ vom 28.07.2021
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