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Kommentar:Höhenkirchen hat schlechte Karten

Der Gemeinderat hat selbst dazu beigetragen, dass Hohenbrunn inzwischen bessere Chancen als Standort für eine neue Realschule hat

Von Martin Mühlfenzl

Es muss so deutlich gesagt werden: Der Gemeinderat in Höhenkirchen-Siegertsbrunn hat es versemmelt. Dass die Debatte um den richtigen Standort für die dringend benötigte neue Realschule im südöstlichen Landkreis neu geführt wird, ist der Zögerlichkeit und Sturheit des Höhenkirchner Gremiums zu verdanken. Denn anstatt die Chance zu ergreifen und sich die Realschule, die der Gemeinde auf dem Silbertablett präsentiert worden ist, für den eigenen Ort zu sichern, liegen die Vorteile nun eindeutig auf der Seite der Nachbargemeinde Hohenbrunn. Und das mit Recht.

Dass es im Zweckverband der weiterführenden Schulen, der letztlich über den Standort entscheidet, erhebliche Bedenken gegen eine Realschule am Ortsrand in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gibt, muss jedem in der Gemeinde klar gewesen sein. Seit jeher spielt bei Schulneubauten die Nähe zum S-Bahnnetz - wie natürlich auch die Kostenfrage - eine entscheidende Rolle. Dieses Argument aber haben der Gemeinderat und auch Bürgermeisterin Mindy Konwitschny geflissentlich ignoriert. Und so war es ein Scheitern im Zeitraffer: In nicht enden wollenden Debatten hat sich das Gremium darauf versteift, an einem Standort festzuhalten, der politisch kaum durchzusetzen ist - und auch nicht einleuchtend.

Dass die Standortfrage im Zweckverband dennoch vertagt worden ist, liegt nur daran, dass die Realschule in Höhenkirchen durch das Kultusministerium bereits genehmigt ist und die Alternative erst geprüft werden muss. Letztlich wird es der Staatsregierung aber egal sein, ob die Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn oder ein paar Kilometer weiter nördlich in Hohenbrunn entsteht. Auch eine begrenzte zeitliche Verzögerung dürfte das Kultusministerium nicht kümmern. Hauptsache, die Schule wird gebaut. Und das am besten in einer Gemeinde, die sie auch wirklich will.

© SZ vom 27.11.2020
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