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Ferien in Pandemie-Zeiten:Perlacher Forst statt Peloponnes

Unterhachings höchster Gipfel: Der Perhacher Mugl.

(Foto: Claus Schunk)

Wegen Corona kommen Fernreisen in diesem Sommer nicht infrage. Während die einen deshalb ins nahe Ausland fahren, bleiben andere gleich ganz zu Hause. Sieben Beispiele aus dem Landkreis.

Sommerzeit ist Urlaubszeit, aber in diesem Jahr ist vieles ein bisschen anders. Auch wenn zumindest die innereuropäischen Grenzen inzwischen offen sind, verzichten viele Menschen wegen der Corona-Pandemie ganz auf Reisen oder passen ihre Ziele der neuen Situation an. Hier erzählen fünf Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Lokalpolitik im Landkreis von ihren Plänen für den August.

Helga Hengge fährt heuer ins Engadin, nicht nach New York.

1Helga Hengge, 54, Bergsteigerin und Autorin aus Grünwald: Normalerweise verbringen meine Familie und ich den Sommer in New York, wo ich viele Jahre als Modejournalistin gearbeitet habe. Aber diesen Sommer ist das wegen der Corona-Situation nicht möglich. Deshalb bleiben wir wahrscheinlich drei Wochen in unserer Ferienwohnung im Engadin in der Schweiz. Alle paar Tage, je nachdem wie groß der Muskelkater ist, will ich da eine Tour machen und sonst weiter an meinem Buch über die heiligen Berge schreiben. Das sind Berge, die für die Menschen die dort leben, eine besondere religiöse Bedeutung haben. Von den 15 bekannteren habe ich zehn bestiegen oder umrundet, aber wenn man genauer hinschaut, gibt es noch viele mehr. Dieses Jahr hatte ich Expeditionen zu den heiligen Bergen in China, Ägypten und der Mongolei geplant. Wir mussten alles absagen. Für mich ist das schwer zu ertragen - besonders, weil ich weiß, dass die Menschen, die am Fuße der Berge leben, gerade eine richtig schwere Zeit durchmachen. Vor allem in den Himalayaregionen in Nepal und Indien haben die Menschen viel in den Trekkingtourismus investiert - doch dieses Jahr kam niemand. Ich persönlich versuche jetzt, das beste aus der Situation zu machen und meinen Sohn und meine Tochter endlich für das Wandern zu begeistern. Sie sind 14 und 15 Jahre alt und bis jetzt hat das noch nicht so richtig geklappt - wahrscheinlich, weil ich es immer übertreibe. Nur Tashi, unser Hund, liebt die Berge so wie ich.

Walter Haupt (im Bild mit Frau Rosemarie Nistler in Iran) bleibt im Land.

2Walter Haupt, 85, Komponist und Dirigent aus Aschheim: Als Dirigent bereiste ich 16 Jahre lang die Welt, in dieser Zeit sah ich 48 verschiedene Länder. Nun habe ich festgestellt, dass ich zwar meine Heimat Bayern kenne, aber den Rest von Deutschland nicht. Und das möchte ich nun endlich nachholen. Deshalb habe ich mir im Oktober 2019 ein Wohnmobil gekauft, das allerdings erst jetzt im August geliefert wird. Anscheinend gibt es gerade einen richtigen Wohnmobilboom, weil niemand wegfliegen mag. Ich bin in den Achtzigerjahren schon einmal mit dem Wohnmobil durch Südfrankreich gereist. Damals parkte ich am Ende eines Waldwegs direkt vor dem Meer und komponierte. Diesmal werde ich wieder Bleistift und Notenpapier mitnehmen - allerdings hat mir Corona gezeigt, dass ich nicht unendlich weiterarbeiten, sondern die Zeit auch genießen möchte. Meine Frau und ich haben vor, zuerst nach Baden-Württemberg und dann in den Norden Deutschlands zu fahren. So wie früher wollen wir das Wohnmobil einfach immer dort abstellen, wo es uns gefällt. Angst, dass so eine Reise in meinem Alter zu unkomfortabel sein könnte, habe ich nicht. Ich bin fit und eigentlich ist das Wohnmobil wie ein luxuriöses Zimmer. Es gibt warmes Wasser und eine Heizung. Auf Campingplätzen wollen wir allerdings nicht schlafen. Ich bin kein großer Fan von dem Radau dort. Und zum Essen werden wir wohl meistens ins Restaurant gehen.

Richard Raiser, 3. Bürgermeister Unterhaching, beim Urlaub zu Hause

Richard Raiser (im Bild an der Wassertretanlage) bleibt in Unterhaching.

(Foto: privat)

3Richard Raiser, 57, Dritter Bürgermeister von Unterhaching (CSU): Ich bin in meinem Urlaub sonst meist ins europäische Ausland verreist, nach Südtirol oder auch mal nach Griechenland. Diesmal aber bin ich in Unterhaching und Umgebung geblieben und habe hier drei Wochen Ferien gemacht, wegen Corona, aber auch wegen meiner Eltern. Es war eine Premiere, aber ich weiß ja, dass ich in einer wunderschönen Region wohne, in der andere Urlaub machen. Es gibt herrliche Orte in unserer Gemeinde, ob Rodelberg, Landschaftspark, Sportpark, der Ortspark und natürlich der Perlacher Forst. Ich habe fast jeden Tage etwas unternommen, meist bin ich auch spontan einfach losgeradelt und habe dabei vor allem im Wald neue verschlungene Wege entdeckt, die ich zuvor noch nie gefahren bin. Ich habe es aber auch genossen, mich einfach mal auf das Friedhofsbankerl zu setzen oder mich an der Blumenwiese vor St. Korbinian zu erfreuen. Natürlich ist man nie ganz im Urlaub, wenn man zu Hause bleibt. Als Gemeinderat hatte ich viele Sitzungen, die auch oft sehr lange gedauert haben. Und wenn ich in der Gemeinde unterwegs bin, werde ich von vielen angesprochen. Das waren oft sehr nette Begegnungen, die Leute haben mich spontan in ihren Schrebergarten auf einen Kaffee eingeladen. Zur Erfrischung ging es dann an den Hachinger Bach, dort gibt es ja die Wassertretanlage, die auf meine Initiative vor einigen Jahren errichtet wurden. Und man kann dort auch wunderbar spazieren gehen. Nur ins Freibad bin ich nicht reingekommen. Weil ich eben kein Paypal habe und man nur online buchen kann. Aber das habe ich ja selbst im Gemeinderat so mitentschieden, und für Familien und Jugendliche ist es sicher wichtiger, ins Bad zu kommen. Es gibt ja auch noch den Deininger Weiher oder die Isar. Im September habe ich noch mal ein paar Tage Urlaub. Den werde ich auch wieder hier verbringen, weil es einfach griabig ist. Möglicherweise mit ein paar Ausflügen in die weitere Umgebung in Oberbayern. Dann sind vielleicht die Urlauber aus den Norden wieder weg und dort ist nicht mehr so viel los.

Inge Löhnig verbringt ihren Urlaub im Garten.

(Foto: Claus Schunk)

4Inge Löhnig, 63, Krimi-Autorin aus Hohenbrunn: Die Nordbretagne ist der Süden meines Herzens. Wir fahren fast jedes Jahr dorthin und wohnen dann meistens in einem 200 Jahre alten Bauernhaus mit einem riesigen Kamin und alten Balken. Das erste Mal waren wir Mitte der Neunziger dort. Damals waren meine Kinder noch klein und das Haus war ziemlich verfallen. Die Besitzer verwendeten die Mieteinnahmen der Feriengäste auch dafür, es nach und nach instandzusetzen. Diesen Sommer ist mir eine Reise dorthin allerdings zu unsicher. Ich bin Anfang 60 und gehöre damit zur Corona-Risikogruppe. Deshalb bleiben mein Mann und ich zu Hause. Unser Haus ist 25 Jahre alt, der Garten 400 Quadratmeter groß - da gibt es immer etwas zu tun. Vor ein paar Jahren haben wir fast den ganzen Rasen entfernt und ein Präriebeet angelegt. Da wachsen Kräuter, Gräser und Blumen wild durcheinander. Ansonsten werden wir wohl viele Fahrradtouren unternehmen. Unsere liebste nennen wir die "Hausen-Tour", weil sie durch Eichenhausen, Endlhausen, Geilertshausen, Reichertshausen und durch alle möglichen anderen Hausens führt.

Johannes Tonio Kreusch organisiert ein Festival.

(Foto: Claus Schunk)

5Johannes Tonio Kreusch, 50, Gitarrist aus Ottobrunn: Der August ist bei uns durch Konzerte und Festivalauftritte in der Regel immer ein arbeitsintensiver Monat. Trotz der aktuellen Situation und einigen Festivalverschiebungen ist dies auch dieses Jahr der Fall. Neben Musikproduktionen und Konzerten freuen wir uns im August besonders auf unser Festival "Look into the Future", das mittlerweile zum dritten Mal in Raitenhaslach bei Burghausen stattfinden wird. Das Festival wurde 2018 in Kooperation zwischen der Stadt Burghausen und meinem Bruder Cornelius und mir als künstlerischen Leitern ins Leben gerufen. Vom 20. bis 23. August werden die Konzerte stattfinden, heuer als Open-Air im eindrucksvollen Innenhof des Klosters Raitenhaslach. Mit dem Festivalprogramm haben wir das Ziel, aktuelle Musik- und Kunstströmungen zu verbinden und miteinander in Austausch zu bringen, das Grenzüberschreitende und Genreübergreifende zu beleuchten. Eingeladen sind international bekannte Künstler aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Sparten, von Musik über Tanz bis Film und Wissenschaft, die erlebbar machen, wie Kreativität zur gemeinsamen Sprache wird. Unser gemeinsamer Fokus liegt auf Persönlichkeiten, die in ihrem künstlerischen Ausdruck Wege jenseits der Konvention gehen und sich immer wieder neu von den verschiedensten kulturellen Strömungen inspirieren lassen. Begleitend gibt es Podiumsgespräche mit den Künstlern. Wer also noch einen Urlaubstipp für August benötigt: Das Festival und die Gegend um Burghausen sind sicher eine Reise wert...

Kilian Körner fährt nach Kärnten und an den Gardasee.

(Foto: Claus Schunk)

6Kilian Körner, 59, Zweiter Bürgermeister von Neubiberg (Grüne): Wir fahren zweimal weg. Gleich in der ersten Woche sind wir auf der Hütte meines Cousins in Kärnten. Da ist es ruhig, es gibt kein Internet. Unsere 13-jährige Tochter nimmt eine Freundin mit. Wir wollen wandern und baden. Unser 16-jähriger Sohn darf zuhause bleiben. Das zweite Ziel ist der Gardasee. Die Kinder wollten ans Meer, der Gardasee ist der Kompromiss. Da wird zwar auch was los sein, aber nicht ganz so viel. Dort werden wir zehn Tage mit der Familie meiner Schwägerin, der Zwillingsschwester meiner Frau, verbringen. Wir wollen radeln, klettern, wandern, faulenzen, genießen. Danach sind wir zuhause. Die Kinder haben schon angekündigt, dass sie etwas in ihren Zimmern verändern wollen. Umbauen, streichen, denen fällt immer was ein. Ich werde da vor allem meine Ruhe haben wollen. Vom 29. August an vertrete ich dann eine Woche den Bürgermeister, da wird nicht viel Zeit mit der Familie sein. Dann sind die Ferien auch schon wieder vorbei. Obwohl sich ja nach den letzten Wochen mit Schule und Home-Schooling, wo die Kinder viel zuhause waren, nicht so viel ändert, freuen sie sich auf die Ferien wie die Schnitzel.

Manfred Schwabl, 2018

Manni Schwabl bleibt daheim und macht Ausflüge.

(Foto: Claus Schunk)

7Manfred Schwabl, 54, Präsident Spielvereinigung Unterhaching: Wohin soll man schon fahren, wenn man im Paradies zu Hause ist? Ich bin ja generell nicht der Typ für Fernreisen, aber dieses Jahr kommt wegen Corona ein Auslandsurlaub erst recht nicht infrage. Ich werde mit meiner Frau ein paar Tagesausflüge ins Oberland machen, ansonsten genießen wir hier bei uns daheim in Holzkirchen den Sommer. Und viel Freizeit habe ich sowieso nicht, ich bin praktisch jeden Tag im Sportpark. Schließlich gilt es, die neue Saison, die in der dritten Liga ebenso wie in der Bundesliga am 18. September beginnt, so gut wie möglich vorzubereiten. Es stehen noch jede Menge Gespräche aus. Beispielsweise mit potenziellen Sponsoren oder auch dem ein oder anderen neuen Spieler.

© SZ vom 27.07.2020 / Protokolle: CHRH, GNA, HILB, STGA, DABO/hilb
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