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Digitale Lösungen:Alternative Kulturversorgung

Eine Ausstellung zur Schenkung Manfred W. Grafs an die Stadt Unterschleißheim am 07.11.2018.

Daniela Benker.

(Foto: Jan A. Staiger)

Forum Unterschleißheim will Indoor-Veranstaltungen und Open-Air-Konzerte realisieren und online verfügbar machen

Nach den Veranstaltungsausfällen durch die Corona-Verbote testet das Forum Unterschleißheim kontaktlose Kulturvermittlung. Auftritte im Festsaal sollen online gestreamt werden, dazu sollen limitierte Open-Air-Konzerte ausgerichtet und im Netz für größeres Publikum weiterverbreitet werden. Die Stadt könne damit "in der augenblicklichen Situation ein Zeichen setzen", heißt es in der Vorlage aus dem Kulturamt, "und gleichzeitig vorbereitend wirken und werben für eine andere, 'normale Zeit nach Corona'".

Alle Einzelveranstaltungen des reichhaltigen Unterschleißheimer Kulturprogramms sind bis mindestens Ende August abgesagt, darunter auch das publikumswirksame Highlight des Zeltfestes und das Stadterhebungsfest, das heuer sogar das die Ernennung zur Stadt vor 20 Jahren zu feiern gehabt hätte. "Besonders schmerzlich" nennt Forumsleiterin Daniela Benker diese beiden Streichungen. Man habe sich aber jederzeit um "alternative Veranstaltungsformate" bemüht, um "die Bürger mit Kultur zu versorgen".

Aus der "florierenden Unterschleißheimer Kulturlandschaft", so Benker, sollen nun im Juni die örtlichen Künstler, die zum Stadterhebungsfest beigetragen hätten, im Festsaal vor leeren Rängen auftreten und die Konzerte werden dann über den Youtube-Kanal des Forums online gestreamt. Die Künstler erhalten Gage und somit Auftrittsmöglichkeit in der kargen Zeit, die Unterschleißheimer bekommen kostenlose Konzerte online. Dieses Format habe "auch perspektivische Qualitäten", erwartet Benker: "Es könnte durchaus auch ein Zusatzangebot für die Spielzeit 2020/21 darstellen, davon ausgehend, dass in absehbarer Zeit kein Kulturveranstalter mehr zum gewohnten Spielbetrieb wie vor Eintreten der Pandemie zurückkehren kann."

Als weitere Neuerung probiert das städtische Forum mehrere kleinere Open-Air-Konzerte auf dem Rathausplatz mit zeitversetztem Streaming aus. Dazu sollen auf dem Rathausplatz 50 Stehplätze in erforderlichem Sicherheitsabstand markiert werden, der weitere Platz wird mit Flatterband abgegrenzt. Passanten sollen durch Personal aufgefordert werden, nicht zu verweilen. Das Konzert wird anschließend ins Netz gestellt. Auch ein Konzept für ein Sommer-Open-Air-Kino auf dem Rathausplatz unter ähnlichen Prämissen werde zusammen mit dem örtlichen "Capitol"-Kino gerade erarbeitet. "Neueste Entwicklungen und Lockerungen lassen hoffen, dass von Juli 2020 an derartige Veranstaltungen durchaus realisierbar sein könnten", erwartet man im Forum.

Der Hauptausschuss des Stadtrates hat die Pläne einstimmig gebilligt. Erwartet werden Kosten von rund 35 000 Euro - ein kleiner Teil der durch die Absagen frei gewordenen Mittel. Aktuell kann das Forum rund 275 000 Euro genehmigter Ausgaben nicht nutzen, da die Veranstaltungen nicht stattfinden dürfen.

© SZ vom 23.05.2020

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